Grossbritannien

08. Juni 2011 14:50; Akt: 20.07.2011 17:42 Print

Ein öffentliches Sorry und 100 000 Pfund

Ein britisches Gericht hat der Schauspielerin Sienna Miller eine saftige Entschädigung zugesprochen, nachdem das Boulevardblatt «News of the World» sie über Jahre heimlich belauscht hatte.

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Es ist einer der grössten Abhörskandale Grossbritanniens: Das Boulevardblatt «News of the World» soll zwischen den Jahren 2005 und 2006 systematisch die Telefongespräche von Prominenten abgehört haben. Die exklusive Information veröffentlichte das Blatt dann in seiner Sonntagsausgabe. Die Leser erfuhren regelmässig über die Reisepläne der Schauspielerin Sienna Miller oder von ihrem Kinderwunsch, den sie während langer Telefonate gegenüber ihrem damaligen Partner Jude Law äusserte.

Als eine Knieverletzung von Prinz William in der Presse gemeldet wurde, flog der Skandal auf. Der Royal hatte darüber ausschliesslich über sein Mobiltelefon gesprochen. Der damalige «News of the World»-Ressortchef für Berichte über das Königshaus, Clive Goodman, wurde daraufhin festgenommen und ein Jahr später zu vier Monaten Haft verurteilt. Goodman betonte damals, er habe auf eigene Faust und ohne das Mitwissen anderer Redakteure gehandelt. Bald stellte sich heraus, dass mehrere Journalisten, Pressesprecher und Privatdetektive in die Lauschaktion verwickelt waren.

Öffentliches Schuldbekenntnis

Nun hat das Londoner High Court am Dienstag erstmals einem Opfer der Lauschaktion eine Entschädigung zugesprochen. Sienna Miller erhält vom News Group Newspapers (NGN), das der Verlagsgruppe von Medienzar Rupert Murdoch angehört, 100 000 Pfund (etwa 137 700 Franken) und eine «aufrichtige Entschuldigung». Im Namen des Unternehmens trat Kronanwalt Michael Silverleaf vor den Richter. Es sei NGN bewusst, dass «die Information niemals auf eine solche Art und Weise hätte gewonnen werden sollen» und dass man sie niemals hätte veröffentlichen dürfen. NGN übernehme die Verantwortung für «den Missbrauch der privaten Information, für den Vertrauensbruch und die Belästigung».

Sienna Miller ist nur einer von vielen Promis, die von den Lauschangriffen betroffen sind. Neben der 29-Jährigen sollen auch Prinz William, die Schauspielerin Gwyneth Paltrow, Londons Bürgermeister Boris Johnson, Paul McCartneys Ex-Frau Heather Mills und der frühere englische Fussballstar Paul Gascoigne abgehört worden sein. Auch Kicker Wayne Rooney soll von Scotland Yard erfahren haben, dass sein Telefon angezapft worden war. 24 Opfer haben das Blatt verklagt. Einige Fälle wurden aussergerichtlich beigelegt, mindestens 16 weitere Klagen gegen die Zeitung sind noch hängig.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sebastian Huber am 08.06.2011 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Trinkgeld..

    Für eine solch grosse Firma sind 100'000 £ Strafe ein Trinkgeld. Für einen solchen Eingriff in die Privatsphäre müssten viel härtere Strafen ausgesprochen werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sebastian Huber am 08.06.2011 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Trinkgeld..

    Für eine solch grosse Firma sind 100'000 £ Strafe ein Trinkgeld. Für einen solchen Eingriff in die Privatsphäre müssten viel härtere Strafen ausgesprochen werden.