«Fuck Harvey»

12. Dezember 2019 12:05; Akt: 12.12.2019 16:16 Print

25-Millionen-Angebot von Weinstein regt Emily auf

Harvey Weinstein will seinen Opfern Millionen zahlen. Das Netz ist empört, auch Model Emily Ratajkowski kritisiert den Entscheid und sagt deutlich, was sie davon hält.

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Muss sich nach einem Autounfall einer Rückenoperation unterziehen: Der einst mächtige Filmproduzent Harvey Weinstein stützte sich beim Gerichtstermin am Mittwoch auf eine Gehhilfe. Emily Ratajkowski präsentiert ihre Meinung zu Weinsteins 25-Millionen-Einigung auf ihrem Arm. Das deutliche Statement platzierte sie auf dem roten Teppich einer Filmpremiere in Los Angeles. Weinstein hat eine Vereinbarung über Entschädigungszahlungen an dutzende Frauen geschlossen, die ihm sexuelle Gewalttaten vorwerfen. Bereits Anfang Dezember musste der Ex-Filmproduzent in New York vor Gericht erscheinen. (6. Dezember 2019) Schauspielerin Rose McGowan geht gerichtlich gegen Harvey Weinstein vor wie Ende Oktober bekannt wurde. (Archivbild) Schauspielerin Annabella Sciorra sagte im Sommer, Weinstein habe auch sie vergewaltigt. (Archivbild) Sciorra (l.) trug durch ein Interview mit dem Magazin «New Yorker» im Oktober 2017 dazu bei, die #MeToo-Bewegung in Gang zu setzen. Darin berichtete sie, dass Weinsein sie 1993 in ihrer New Yorker Wohnung vergewaltigt habe. Plädiert auf nicht schuldig: Harvey Weinstein erscheint zum Gerichtstermin in New York. (5. Juni 2018) Wieder auf freiem Fuss: Harvey Weinstein wurde am Freitag gegen eine Kaution und mit einer elektronischen Fussfessel wieder freigelassen. (25. Mai 2018) Harvey Weinstein stellte sich im Mai 2018 in New York der Polizei. Er wurde vor dem Gebäude von dutzenden Fotografen und Fernsehteams erwartet. Liessen sich scheiden: Harvey Weinstein mit Georgina Chapman. (Archivbild) «Da war ein Teil von mir, der schrecklich naiv war – ganz klar, so naiv»: Georgina Chapman. Der Fall Weinstein hatte eine weltweite Kampagne gegen sexuelle Belästigung und Gewalt ausgelöst. Unter dem Hashtag #MeToo machten zahlreiche Missbrauchsopfer ihre Erfahrungen öffentlich. Unter den Beschuldigten sind viele Prominente. So auch Schauspieler Dustin Hoffman - mit dem sich Moderator John Oliver (links) öffentlich anlegte. Ein ehemaliger Staatsanwalt soll die Anschuldigungen gegen ihn überprüfen: Stardirigent James Levine. (Archivbild) Soll Frauen während Wahlkampfauftritten belästigt haben: Al Franken anlässlich einer Pressekonferenz in Washington. (27. November 2017) Erzählt von ihren eigenen Erfahrungen mit Diskriminierung und Belästigung: Natalie Portman am Vulture-Festival in Hollywood. (19. November 2017) Rechnet mit Harvey Weinstein ab: Uma Thurman, hier bei den Filmfestspielen in Cannes. (18. Mai 2017) Wegen Vergewaltigung zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe verurteilt: Robinho im Trikot von AC Milan. (Archiv) Wurde von Harvey Weinstein begrapscht: Ambra Battilana Gutierrez. Nicola Werdenigg, eine ehemalige Skirennfahrerin, hat über schockierende Zustände im österreichischen Skisport der 70er-Jahre berichtet: Ein Bild der Skirennfahrerin (undatierte Aufnahme). Bild: Facebook/Nicola Werdenigg Auch den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton holen Missbrauchsvorwürfe ein: Bill Clinton bei einer Rede im Jahr 2016. Foto: John Locher (Keystone) «Ich habe mich zeitweise taktlos verhalten und übernehme dafür die Verantwortung»: Charlie Rose. (Archivbild) Auch er ist mit Vorwürfen konfrontiert: Sylvester Stallone während einer Pressekonferenz für den Film «Creed». (6. November 2015) «Unangemessenes Verhalten»: Das Old Vic Theater in London hat 20 Vorwürfe gegen seinen früheren künstlerischen Leiter Kevin Spacey gemeldet. Zu Oralsex gezwungen oder masturbiert: Sechs Frauen werfen Brett Ratner vor, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. (Archivbild) Will nicht mit Filmproduzent Bret Rattner an das Set: «Wonder Woman»-Darstellerin Gal Gadot. (25. Mai 2017) Fühlte sich von Brett Ratner blossgestellt: Schauspielerin Ellen Page. Fünf Frauen haben Vorwürfe gegen den US-Republikaner erhoben: Roy Moore. (Archivbild) Sitzt wegen Besitzes von Kinderpornografie im Gefängnis: Der ehemalige Arzt der US-Kunstturn-Nationalmannschaft Larry Nassar bei einer Anhörung in Michigan. (17. Februar 2017) Beschuldigt Nassar, sie sexuell missbraucht zu haben: Die 23-jährige US-Turnerin und Goldmedaillen-Gewinnerin Aly Raisman. Gehört zu den Missbrauchs-Opfern von Larry Nassar: Turn-Olympiasiegerin Gabrielle Douglas. Verbreitet ein Erlebnis über sexuelle Nötigung auf Twitter: Pitch-Perfect-Star Rebel Wilson. Die US-Torhüterin Hope Solo sagt, Sepp Blatter habe ihr bei der Verleihung des Ballon d'Or im Januar 2013 an den Po gefasst: Solo und Blatter (rechts) verleihen Abby Wambach ihre Auszeichnung im Kongresshaus Zürich. (7. Januar 2013) Eine Schauspielerin wirft Steven Seagal sexuelle Belästigung vor – er soll bei einem Vorsprechen seine Hose geöffnet haben: Der 65-Jährige an einer Pressekonferenz. (Archiv) Wurde angeblich von einem Produzenten bedrängt: Schauspielerin Jane Seymour hier im Bett mit Roger Moore in einer Szene von «Leben und sterben lassen». Sex im Auto als Geheimnis: Gleich zwei Frauen sagen, es sei dazu gekommen; die eine sagt, es sei «sehr brutal gewesen. Auch weitere Frauen werfen Tariq Ramadan sexuelle Brutalität vor. (Archivbild) Kristina Cohen sagt aus, dass sie vor drei Jahren vom britischen Schauspieler Ed Westwick zum Sex gezwungen worden sei. (Archivbild) Der prominente österreichische Grünen-Politiker Peter Pilz ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Der ehemalige Kongressabgeordnete Anthony Weiner tritt seine Haftstrafe wegen Sexting an. (6. November 2017) Zwei Frauen warfen ihm sexuelle Belästigung vor: Der Chefredaktor des renommierten Radiosenders NPR, Michael Oreskes, trat daraufhin zurück. (Archivbild) Der konservative britische Verteidigungspolitiker Michael Fallon musste Anfang November wegen ähnlicher Vorwürfe zurücktreten. (Archivbild) Der britische Labour-Politiker Clive Lewis soll eine Frau unsittlich berührt haben. Er bestreitet den Vorwurf. (Archivbild) «Ich hätte nicht mit ihm verheiratet sein wollen»: Matt Damon soll nur davon gewusst haben, dass Weinstein ein Womanizer war. (23. Oktober 2017) Als sie ihn abblitzen liess, sei er «aufgebracht» gewesen: «Game of Thrones»-Star Lena Headey. (Archivbild) Sagt, er habe in sie eindringen wollen: Die britische Schauspielerin Lysette Anthony ist die fünfte Frau, die Harvey Weinstein Vergewaltigung vorwirft. (Archivbild) Wirft Weinstein Vergewaltigung und Bezos Mitwisserschaft vor: US-Schauspielerin Rose McGowan. (Archivbild) Schauspielerin Rose McGowan soll von Weinstein gar Schweigegeld erhalten haben. Hat eine «schlechte Erfahrung» mit Harvey Weinstein gemacht: Schauspielerin Angelina Jolie. (Archivbild) Weinstein habe sie angefasst und wollte sie massieren: Gwyneth Paltrow. (Archivbild) Schauspielerin Ashley Judd gehört zu den Frauen, die gegen Weinstein Vorwürfe erheben. Der Filmproduzent war bereits mehrfach Gast am Zurich Film Festival, hier 2013.

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25 Millionen Dollar – so viel will der frühere Filmproduzent Harvey Weinstein (67) den mehr als 30 Missbrauchsopfern zahlen, die juristisch gegen ihn vorgegangen sind. Sie müssen sich die Summe untereinander aufteilen. Und auf ein Geständnis von Weinstein verzichten.

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Gemäss TMZ.com ist nämlich Teil der Vereinbarung, dass Weinstein keinerlei Schuld eingestehen muss. Er muss noch nicht mal das Geld aus der eigenen Tasche bezahlen: Die Versicherer seines bankrotten Filmstudios sollen den Betrag übernehmen.

Die Vereinbarung stösst auf harsche Kritik. «Wir weisen die Vorstellung zurück, dass dies die beste Einigung war, die im Namen der Opfer erzielt werden konnte», erklärt Anwalt Douglas Wigdor, der zwei mutmassliche Weinstein-Opfer vertritt.

«Besser 25 Millionen Jahre im Knast»

Auch im Netz reagieren die User empört. «Wenn Harvey Weinstein das alles getan hat, sollte er ins Gefängnis und nicht Geld verteilen», sagt dieser User stellvertretend für viele.

Andere werden noch deutlicher. Statt 25 Millionen zu zahlen, sollte Weinstein besser 25 Millionen Jahre «allein in einer Gefängniszelle verrotten», twittert dieser User.

Ratajkowski hebt Arm und sagt: «Fuck Harvey»

Model und Schauspielerin Emily Ratajkowski (28) verurteilt die Einigung ebenfalls auf Twitter. «Weinstein, dem Straftaten vorgeworfen werden, die von sexueller Belästigung bis hin zu Vergewaltigung reichen, muss kein Fehlverhalten eingestehen oder sein eigenes Geld bezahlen», kritisiert sie öffentlich. Und verleiht ihrer Wut mit einem Bild Nachdruck: «Fuck Harvey» steht auf der Innenseite ihres Oberarms geschrieben.

Ratajkowski geht noch einen Schritt weiter und platziert ihr deutliches Statement zusätzlich an der Filmpremiere von «Uncut Gems» am Mittwoch in Hollywood. Beim Posieren vor den Fotografen auf dem roten Teppich hebt sie ihren Arm – und hält ihre Message an den Ex-Filmproduzenten in die Kameras.

(kfi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt N. am 12.12.2019 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wahre Heldinnen, die niemand kennt!

    Die wahren Heldinnen, sind die Frauen, die damals das sexuelle Angebot von Weinstein ausschlugen und nie berühmt wurden. Diejenigen, die auf das Angebot eingingen, viel Kohle verdienten und berühmt wurden und am Ender ihrer Karriere #metoo schreien, das sind keine Heldinnen, sondern, ähm, wie sagt man zu Frauen, die ihren Körper für Geld verkaufen auch wieder!

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  • Nicht OK, aber.... am 12.12.2019 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    John

    ...Amerikanisch überdreht halt das ganze.... Viele Schauspieler verdanken ihm die Karriere und Jahre später ist alles "mee too" ... in

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  • Kirchenmaus am 12.12.2019 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Geld geht (fast) alles

    Sich mit seinen Millionen "freikaufen", um dann wieder das Spielchen von vorne beginnen zu können? Das tun noch ganz andere "Kaliber"; z.B. für Wiederwahlen und sooo...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Geldsack am 12.12.2019 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amerikanisches Rechtssystem

    Genau so funktioniert das amerikanische Rechtssystem. Wer genug Geld hat kann sich immer aussergerichtlich einigen und kommt ohne Verurteilung davon. Gerecht ist das nicht und in der Schweiz nicht möglich, da hier bei Straftaten der Staat der Kläger ist und nicht das Opfer.

  • Elena am 12.12.2019 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ich finde die Bewegung gut

    Zumindest lernen so reiche und mächtige Männer, dass ein Wandel in der Gesellschaft stattfindet wo sie sich mit Geld und Macht nicht mehr alles erlauben können und dass falsche Entscheidungen allenfalls Konsequenzen nach sich ziehen. Ich will mir die Zustände in Hollywood / Showbizz vor 50 Jahren gar nicht vorstellen. Als Mann mit Geld konnte man sich vermutlich fast alles erlauben. Es ist übrigens auch nicht ok, eine Frau vor die Wahl zu stellen, entweder du schläfst mit mir oder du kriegst die Rolle nicht, egal wie die Frau sich entscheidet.

  • Ehrliche Frau am 12.12.2019 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Seid doch einmal ehrlich

    Ich bin einmal ganz ehrlich. Bin 21-jährige und in Ausbildung. Für 1 Million würde sogar ich mich verkaufen. Jede und jeder hat seinen Preis. Ein bischen von Weinstein befummelt werden oder auch mehr, für 1 Million, na klar.

  • Samuel Müller am 12.12.2019 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    ich traue beiden nicht

    Wieviele dieser Frauen haben sich in sein Umfeld begeben obwohl sie wussten dass er nicht ganz sauber war? Wieviele haben ein Stück vom Kuchen gewollt und davon profitiert? Weinstein kann man von mir aus verurteilen ! Man soll aber auch bei jedem der "Opfer" offenlegen inwiefern sie von Weinsteins bekanntschaft Profitiert haben. Müssten diese Frauen alles zurückzahlen was sie dadurch erreicht oder verdient haben gäbe es vermutlich sofort keine mehr, die "mee too" scheien würde.

  • mrblack am 12.12.2019 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Die Mädels wurden alle reich und berühmt weil sie das mitgemacht haben. Und jetzt gibts noch mal ein paar Millionen oben drauf.. Mann ich wünschte manchmal ich wär ne Frau. Leben nun den Luxus Lifestyle und alle Träume wurden war. Dafür würde ich mich auch fünf mal von ner reichen alten belästigen lassen. Aber die Chance hab ich gar nicht.