Mordprozess in Chicago

12. Mai 2012 08:20; Akt: 12.05.2012 14:28 Print

Ex-Schwager von Hudson hat wohl lebenslänglich

Der frühere Schwager von US-Schauspielerin Jennifer Hudson ist wegen dreifachen Mordes schuldig gesprochen worden. Als das Urteil verlesen wurde, überwältigten Jennifer Hudson die Gefühle.

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Weil er die Mutter, den Bruder und den Neffen von Jennifer Hudson getötet haben soll, hat ein Gericht den ehemaligen Schwager der Oscar-Preisträgerin schuldig gesprochen. Die Schauspielerin und Sängerin, die jeden Prozesstag im Gericht war, weinte bei der Urteilsverkündung. Die Verteidigung will in Berufung gehen.

Drei Tage lang berieten die Geschworenen darüber, ob William Balfour, der 31-jährige Ex-Mann von Hudsons Schwester Julia, im Oktober 2008 den dreifachen Mord begangen hat. Nur eine Stunde vor dem einstimmigen Schuldspruch in allen Anklagepunkten liessen sie den Richter wissen, dass drei Geschworene noch immer nicht gänzlich von der Schuld Balfours überzeugt seien.

Für Hudson war das Urteil eine Erleichterung. Nach dreieinhalb Jahren wurde der Mann, an dessen Schuld sie nie zweifelte, für den Mord an ihren Angehörigen zur Rechenschaft gezogen. Bei der Urteilsverkündung am Freitag wurde die 30-Jährige von ihren Emotionen übermannt. Sie hatte im Zeugenstand ganz unverhohlen ihre Verachtung für Balfour ausgedrückt.

«Da sitzt er», hatte sie zum Prozessbeginn in dem Chicagoer Gericht gesagt. Als sie ihre Reaktion auf die Absicht ihrer Schwester Julia Hudson schilderte, Balfour zu heiraten, kämpfte sie mit den Tränen. «Niemand von uns wollte, dass er sie heiratet. Uns gefiel nicht, wie er sie behandelte.»

Hudson laut Staatsanwältin sichtbar erleichtert

Hudson war bei ihrer Zeugenaussage zusammengebrochen und weinte, als Fotos der blutüberströmten, von Kugeln durchsiebten Leichen den Geschworenen beim Schlussplädoyer gezeigt wurden. Dennoch war sie keinen Tag dem Prozess gegen Balfour ferngeblieben aus dem Gefühl heraus, dies ihrer Mutter schuldig zu sein. «Sie sagte mir 'Wenn ich es gewesen wäre (, die getötet worden wäre), wäre meine Mutter jeden Tag hier gewesen. Also werde ich jeden Tag hier sein'», erklärte die örtliche Staatsanwältin Anita Alvarez. Sie habe nach dem Urteil mit Hudson gesprochen, und diese sei sichtbar erleichtert gewesen. Hudson wolle nicht mit den Medien über das Urteil sprechen, sondern werde «zur angemessenen Zeit» eine Erklärung veröffentlichen.

Der Sprecher der Geschworenen sagte, er hoffe, das Urteil werde Hudson helfen, innerlich mit der grausamen Tat abzuschliessen. «Ich hoffe, sie kann diese Sache hinter sich lassen und weiter ihr Leben leben», sagte der 47-Jährige.

Laut Staatsanwaltschaft tötete Balfour im Oktober 2008 Hudsons 57-jährige Mutter Darnell Donerson, ihren 29-jährigen Bruder Jason und ihren siebenjährigen Neffen Julian. Auslöser war demnach ein Streit mit Hudsons Schwester Julia, von der er damals bereits getrennt lebte. Hudsons Mutter und ihr Bruder wurden in ihrem Elternhaus im Süden Chicagos tot aufgefunden. Der Mutter war in den Rücken geschossen worden, dem Bruder zwei Mal in den Kopf. Julian war mehrfach in den Kopf geschossen worden. Seine Leiche wurde nach dreitägiger fieberhafter Fahndung in einem verlassenen Auto gefunden.

Verteidigung kündigt Berufung an

Balfour soll Julia Hudson bedroht haben, nachdem die Beziehung in die Brüche ging. Die Scheidung wurde im vergangenen Jahr abgeschlossen. Staatsanwalt James McKay sagte, an Julia Hudsons Geburtstag einen Tag vor dem Angriff habe Balfour gedroht: «Wenn du mich jemals verlässt, werde ich dich umbringen - aber erst bringe ich deine Familie um.»

Balfour droht nun eine lebenslange Haftstrafe. Er hatte sich für nicht schuldig erklärt. Seine Verteidigerin Amy Thompson kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Das Strafmass steht noch aus.

(ap)