06. April 2005 08:32; Akt: 06.04.2005 15:32 Print

Fürst Rainier gestorben

Der «Glamourfürst der Riviera» ist tot. Fürst Rainier III. von Monaco starb heute Mittwoch um 06.35 Uhr im Alter von 81 Jahren.

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Seine Traumhochzeit mit der amerikanischen Schauspielerin Grace Kelly 1956, deren tragischer Unfalltod 1982 sowie das muntere Liebesleben der Töchter Caroline und Stéphanie füllten jahrzehntelang die Klatschspalten. Doch der grau melierte Grimaldi-Fürst verstand sich auch als «Aufsichtsratsvorsitzender» des «Unternehmens Monaco».

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang regierte Rainier III. das Fürstentum an der Côte d'Azur, das kleiner ist als der Central Park in New York. Damit war er der am längsten amtierende Monarch Europas. Im Alter von 26 Jahren bestieg Rainier im Mai 1949 den Thron, nachdem sein Grossvater Louis II. abgedankt hatte. Der junge Monarch war für seine Aufgabe in Schulen und Universitäten der Schweiz, Englands und Frankreichs ausgebildet worden. Im Krieg kämpfte er an der Seite der Franzosen gegen die deutschen Besatzer.

Geschickt bemühte sich der 33. Fürst von Monaco, seinen eng mit Frankreich verbundenen Ministaat auf eine feste wirtschaftliche Grundlage zu stellen. Rainier siedelte Unternehmen der Chemie-, Kosmetik und Pharmabrache an, baute ein Kultur- und Kongresszentrum und schob den Tourismus an. Während nach dem Zweiten Weltkrieg das Glücksspiel noch 70 Prozent der Staatseinnahmen ausmachte, waren es zuletzt weniger als 4 Prozent. Rainier vergrösserte sein Fürstentum auch um 195 Hektar, unter anderem durch neue Deiche.

Glanz und Glamour brachten der griechische Reeder Aristoteles Onassis und vor allem Grace Kelly nach Monte-Carlo. Der Jet-Set traf sich im Kasino und die grosszügigen Steuervorteile lockten zahlreiche Sportgrössen an, darunter Boris Becker und Michael Schumacher.

Doch machte der zweifelhafte Ruf des Finanzplatzes Monaco dem Fürstentum zu schaffen. Frankreich drohte 2000 damit, die Beziehungen grundlegend zu überdenken. Rainier lenkte ein und verschärfte den Kampf gegen die Geldwäsche. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) führte das Fürstentum auf einer Schwarzen Liste der Länder, die zu Steuerflucht ermutigen und sich nicht kooperativ verhalten.

Thronfolgeregelung geändert

Am 14. September 1982 ereilte Rainier ein schwerer Schicksalsschlag. Seine Frau kam bei einem Autounfall ums Leben. «Sie war immer da und bereit, etwas mit mir zusammen zu machen oder etwas für mich zu tun, wenn ich es nicht konnte», sagte der Fürst: «Wir waren ein Team, und das Team gibt es nicht mehr.» Trotz postumen Gerüchten über Affären von Gracia Patricia oder ihre angebliche Trunksucht führte das Traumpaar eine skandalfreie Ehe.

Dafür machten ihre Töchter reichlich Schlagzeilen. Stéphanie versuchte sich im Musikgeschäft und heiratete 1985 ihren ehemaligen Leibwächter Daniel Ducruet. Die Ehe ging schon im Jahr darauf in die Brüche, nachdem Ducruet beim Liebesspiel mit einer belgischen Stripperin an einem Swimmingpool gefilmt worden war, und wurde wahrscheinlich auf Druck Rainiers gelöst. Später stürzte sie sich in eine Affäre mit dem Schweizer Zirkusdirektor Franco Knie und gab 2003 dem zehn Jahre jüngeren portugiesischen Zirkusartisten Adans Lopez Peres das Ja-Wort. Die geschiedene und verwitwete Caroline heiratete 1999 Prinz Ernst August von Hannover, dessen Eskapaden das Haus Grimaldi im Gespräch hielten.

Mit Rainiers Gesundheit ging es seit einer Bypass-Operation 1994 bergab. Der Fürst übertrug Erbprinz Albert immer mehr Aufgaben, wollte den Junggesellen vor einer Thronbesteigung aber zunächst verheiratet sehen. Doch Heiratspläne sind nicht bekannt.

In aller Stille änderte das 18-köpfige Parlament 2002 die Verfassung. Nunmehr können auch Alberts Schwestern oder deren Kinder den Thron besteigen, falls der neue Monarch kinderlos stirbt. Ohne dies wäre Monaco in diesem Fall an Frankreich gefallen.

Im Februar 2000 wurde Rainier an der Lunge operiert, es war der dritte Eingriff innerhalb von zwei Monaten. Kurz vor seinem 79. Geburtstag musste der Fürst im Mai 2003 erneut ins Krankenhaus, wegen eines «allgemeinen Erschöpfungszustands» nach mehreren Bronchitis-Erkrankungen. Im Dezember 2003 zwang ihn eine Grippe zu einem Klinikaufenthalt, im Januar 2004 erneut ein Erschöpfungszustand, und im Februar letzten Jahres waren es Herzprobleme. Wegen einer Lungeninfektion wurde er noch einmal im Herbst 2004 und zuletzt am 7. März in die Herz-Lungen-Klinik seines Fürstentums eingeliefert.

(ap)