Britannien Bizarr

23. Mai 2011 16:06; Akt: 23.05.2011 17:00 Print

Fussballer, Fremdgeher und Maulkörbe

von Oliver Baroni - Zurzeit hält ein Medienskandal Britannien in Atem. Die Zutaten haben es in sich: Eine Fussballlegende, eine grossbusige Waliserin und die Beschneidung der Pressefreiheit.

Bildstrecke im Grossformat »
«Jeder weiss, dass dies der Fussballer ist, der per Gericht versucht, Anschuldigungen über eine Sex-Affäre geheim zu halten. Doch wir hätten es Ihnen nicht sagen dürfen …» Mit diesen Worten machte die schottische Sonntagszeitung am 22. Mai auf. Die Vorgeschichte: hatte vor Gericht eine superprovisorische Verfügung durchgebracht, die englischen und walisischen Medien verbietet, seinen Namen im Zusammenhang mit einer ausserehelichen Affäre zu nennen ... ... einer Affäre mit dem Glamour-Model und «Big Brother»-Star Doch eine gilt nicht für Schottland. Ausserdem wird die Gültigkeit und Wirksamkeit solcher richterlichen Verfügungen im Zeitalter von Twitter und Co. zunehmend in Frage gestellt. So war es auch ein der erstmals Ryan Giggs (der am 22. Mai 2011 sich im ManU-Stadion demonstrativ als Familienmensch inszenierte) als den bisher namenslosen Fussballer «CTB» im Prozess «CTB vs News Group Newspapers» identifizierte. «Heute identifizieren wir den Fussballer, der in Zusammenhang mit einer superprovisorischen Verfügung in tausenden Twitter-Postings genannt wurde», so der «Sunday Herald», «weil wir es als unhaltbar erachten, dass das Gesetz dazu missbraucht werden kann, die der Öffentlichkeit mittels eines Mausklicks zugänglich sind.» Weiter betonte der «Herald», dass sie «nicht den betreffenden Fussballer irgend einer Untat beschuldigen. Ob die Anschuldigungen gegen ihn wahr sind oder nicht, ist in dieser Debatte nicht relevant.» Es gehe um die die immer mehr bedrängt werde. Ein klein, klein wenig darf sich Ryan Giggs glücklich schätzen. Denn aufgrund der ... ist der eigentliche Anlass etwas in den Hintergrund getreten. Die dritte Partei im Prozess «CTB vs News Group Newspapers» ist Imogen Thomas, eine Vertreterin dieser die sich «Glamour Models» nennen und gerne die Nähe von überbezahlten Premier-League-Fussballer suchen. Thomas darum, Giggs namentlich nennen zu dürfen. Doch interessiert es wirklich, dass diese grossbusige Waliserin mit einem berühmten Fussballer ins Bett geht? Das kommt doch immer wieder mal vor.

Fehler gesehen?

«Jeder weiss, dass dies der Fussballer ist, der per Gericht versucht, Anschuldigungen über eine Sex-Affäre geheim zu halten. Doch wir hätten es Ihnen nicht sagen dürfen ...» Mit diesen Worten – und einem seitenfüllenden Foto von Fussballstar Ryan Giggs, dessen Augen mit einem dünnen Zensurbalken verdeckt sind – machte die schottische SonntagsZeitung «The Sunday Herald» am 22. Mai auf. Damit brach sie ein Tabu - wenn auch knapp nicht das Gesetz. Denn Giggs hatte im Vorfeld vor Gericht eine superprovisorische Verfügung durchgebracht, dass englischen und walisischen Medien verbietet, seinen Namen im Zusammenhang mit einer ausserehelichen Affäre mit dem Glamour-Model und «Big Brother»-Star Imogen Thomas zu nennen.

Twitter zwitschert es von den Dächern

Doch eine 'super-injunction', wie jene Gerichtsverfügungen zum Schutze von Persönlichkeitsrechten heissen, gilt nur für Medien in England und Wales, weshalb man in Schottland - und hier in der Schweiz - frank und frei über die amourösen Eskapaden der Manchester-United-Legende berichten kann. Ausserdem wird die Gültigkeit und Wirksamkeit solcher richterlichen Verfügungen im Zeitalter von Twitter und Co. sehr in Frage gestellt.

So war es auch ein Tweet vom 8. Mai, der erstmals Ryan Giggs als den bisher namenslosen Fussballer «CTB» im Prozess «CTB vs News Group Newspapers» identifizierte. Bereits damals hatte die zu News Group gehörende Boulevardzeitung «The Sun» über den Fall berichtet, dabei aber geschickt die Identität Giggs nicht eindeutig verraten. Die Nachricht über die fremdgehende Fussballlegende verbreitete sich in Windeseile durch das Twitterversum – worauf Giggs mit einer Klage reagierte. Eine Klage gegen zwölf Twitter-Nutzer, die als Hauptverbreiter der Nachricht gelten einerseits, gegen Twitter Inc. als Ganzes andererseits. Viel Glück, Herr Giggs!


«Es geht um die Pressefreiheit»

«Heute identifizieren wir den Fussballer, der in Zusammenhang mit einer superprovisorischen Verfügung in tausenden Twitter-Postings genannt wurde», schrieb der «Sunday Herald» am 22. Mai. «Weshalb? Weil wir es als unhaltbar erachten, dass das Gesetz dazu missbraucht werden kann, Zeitungen zu hindern, Informationen zu veröffentlichen, die der Öffentlichkeit mittels eines Mausklicks zugänglich sind.» Die Zeitung stellte fest, dass ihr Status als schottische Publikation ihr diesen Freiraum lässt.

Weiter betonte der «Herald», dass sie «nicht den betreffenden Fussballer irgend einer Untat beschuldigen. Ob die Anschuldigungen gegen ihn wahr sind oder nicht, ist in dieser Debatte nicht relevant.» Viel mehr gehe es um die Meinungs- und Pressefreiheit, die immer mehr bedrängt werde. Dies von Gesetzen, die ursprünglich zum Schutze von Individuen (zum Beispiel minderjährigen Straftätern) entworfen wurden, in jüngster Zeit aber vermehrt von Promis als Maulkorb-Verfügungen benutzt werden. Die Debatte ist nun losgetreten. Es gibt kaum ein Medium auf der Insel, das nun zu Wochenbeginn nicht darüber berichtet.

Busenwunder mit Maulkorb

Ein klein, klein wenig darf sich Ryan Giggs glücklich schätzen. Denn aufgrund der spektakulären Debatte über Boulevardmedien, Persönlichkeitsrechte und Social Media ist der eigentliche Anlass etwas in den Hintergrund getreten. Die dritte Partei im Prozess «CTB vs News Group Newspapers» ist Imogen Thomas, eine Vertreterin dieser sehr britischen Spezies von gesund gebauten C-Promis, die sich «Glamour Models» nennen und gerne die Nähe von überbezahlten Premier-League-Fussballer suchen. Thomas kämpft vor Gericht darum, Giggs namentlich nennen zu dürfen. Doch interessiert es wirklich, dass diese grossbusige Waliserin mit einem berühmten Fussballer ins Bett geht? Das kommt doch immer wieder mal vor. Gell, Rooney?

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli Morgen am 23.05.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Pressefreiheit

    Die Kommentatoren bezeichnen Giggs immer wieder gerne als Modellfussballer, der nur auf dem Fussballplatz von sich reden macht und privat nie ins Abseits läuft. Jetzt wissen wir auch, wie Giggs das schafft.

    einklappen einklappen
  • Ephraim Chiozza am 23.05.2011 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Die Medien

    Ich verstehe, dass Ryan Giggs sich wehrt. Das Privatleben wird von der Presse gar nicht respektiert, sogar das Telefon von Rooney wird angezapft! Oft sind es dann irgendwelche zweifelhaften Quellen die eine frei erfundene Aussage machen und damit das Privatleben einer öffentlichen Person ruinieren! Und das alles weil wir Menschen gierig nach der Sensation sind (oder evtl. ein Buhmann brauchen "der machts auch!" damit wir unsere Frauen beruhigter betrügen können).. Sir Ryan Giggs hat nach dieser Karriere definitiv etwas besseres verdient!!

    einklappen einklappen
  • James am 23.05.2011 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis

    Verstehe ich irgendwie schon. Privatleben haben die doch sonst wirklich nicht. Hätte dies Michael Jackson gemacht wäre er noch am Leben. Nur mal ein Beispiel. Die Medien machen vieles aus.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Horst Birkenlehner am 23.05.2011 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Manche lernen's nie

    Typischer Streisand-Effekt, und das im Jahr 2011, einfach unglaublich (kopfschüttel)

  • James am 23.05.2011 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis

    Verstehe ich irgendwie schon. Privatleben haben die doch sonst wirklich nicht. Hätte dies Michael Jackson gemacht wäre er noch am Leben. Nur mal ein Beispiel. Die Medien machen vieles aus.

    • rosalie am 23.05.2011 21:11 Report Diesen Beitrag melden

      no deed, no telling..

      na und? wer nix falsch macht, wird dann nicht an den medien-pranger gestellt. sollte man eben bedenken, bevor man ins fremde bett hüpft.

    • kevin am 25.05.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

      Ich konnte nich wiederstehn zu schreiben

      haha :D....bombig der kommentar, würde Sie gerne mal sehen wenn alles von Ihnen dokumentiert werden würde und an die öffentlichkeit gelangt. Auch wenn es nur kleinigkeiten sind, die Presse macht daraus einen Weltuntergang. Ich wär auch zu ihr ins bett gehüpft nur so nebenbei.

    einklappen einklappen
  • tomthebong am 23.05.2011 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Im Namen und Schutz der Pressefreiheit

    Man sieht wieder einmal mehr, wie verkommen die westliche Gesellschaft ist. Uns geht es wahrscheinlich zu gut, um Interesse an wichtigen Informationen aufzubringen. Was interessiert uns, was Tiger Woods oder Ryan Giggs in ihrer Freizeit treiben?! So lange Tiger Woods viele "Hole in one" macht und Ryan Giggs Meistertitel für ManU holt, sollen die in ihrerem Privatleben tun und machen, was sie wollen... Und all die Hobby Journalisten bei Boulevard-Zeitungen, welche nicht einmal über eine gute Ausbildung verfügen, erfreuen sich über "Skandale" von Promis. Einfach nur dekadent!

  • Ueli Morgen am 23.05.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Pressefreiheit

    Die Kommentatoren bezeichnen Giggs immer wieder gerne als Modellfussballer, der nur auf dem Fussballplatz von sich reden macht und privat nie ins Abseits läuft. Jetzt wissen wir auch, wie Giggs das schafft.

    • Sepp am 24.05.2011 20:34 Report Diesen Beitrag melden

      Pressefreiheit vs. Privatsphäre

      Hätten Sie es gern, wenn man Ihr Privatleben veröffentlichen würde? Ich schätze nein. Giggs ist ein Fussballer und das ist ein Job wie jeder andre auch. Er ist also keine Öffentlichperson dessen Fehltritte in die Presse gehören.

    einklappen einklappen
  • Eski Moe am 23.05.2011 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wer nicht?

    Boah ich wäre der erste der sich ein so hübsches Ding schnappen würde wenn ich so eine Star-Status hätte. Und mal ehrlich wer schon nicht ausser Federer? Bestes Beispiel und "Vorbild": Charlie Sheen!

    • Susi am 23.05.2011 17:36 Report Diesen Beitrag melden

      Wahre Worte

      Ich bin stoltz auf Dich dass Du so ehrlich bist.

    • Aleksandar Milenkovic am 23.05.2011 17:36 Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Absolut, solch ein heisses Ding, da wird der beste Ehemann schwach. Man lebt halt nur einmal. Schade nur, dass die Medien immer so geil auf News sind, dass sie harte Grenzen überschreiten. Man sollte mal einige Ermittler auf die "Grossen" der Medien loslassen, mal sehen was dort so alles rauskäme...

    • Peter E. am 23.05.2011 17:49 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort

      Wer nicht? Jeder der ehrlich verliebt ist und sich von seinem Hirn statt von seinem Penis steuern lässt - und evtl. auch noch 'rausgefunden hat, dass Sex mit Liebe einfach viel toller ist als nur Sex ohne Liebe. Klar ist diese junge Dame sehr attraktiv, aber das begründed keinesfalls ein Fremdgehen - erst recht nicht, wenn man Familienvater ist. Ich (selbst Vater) verstehe ihn keinesfalls.

    • Boris am 23.05.2011 19:59 Report Diesen Beitrag melden

      Der war gut...

      Da sind wir schon zu zweit :)....und der Vergleich mit Federer hat mich vom Hocker gerissen ^^

    • rosalie am 23.05.2011 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      blabla..

      jaja.. diejenigen, die so was behaupten, haben keine familie, die sie aufs spiel setzen. und wenn euch eure (evtl vorhandene) freundin darauf anspricht, zieht ihr kleinlaut den schwanz ein.

    einklappen einklappen