Legende

06. Februar 2011 21:40; Akt: 07.02.2011 15:59 Print

Gary Moore ist tot

Der frühere Gitarrist der Rockband Thin Lizzy, Gary Moore, ist gestorben. Moore wurden tot in einem Hotelzimmer in Spanien aufgefunden. Über die Todesursache ist noch nichts bekannt.

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Gary Moore war wie sein Gitarrenspiel: Aggressiv und jähzornig, dabei virtuos und in allen Spielarten von Rock und Blues zuhause. Seine Laufbahn begann der Nordire 1969 in der Band Skid Row, in der ein gewisser Phil Lynott mitspielte. 1974 gab er ein kurzes Gastspiel in dessen sehr erfolgreicher Band Thin Lizzy, 1979 kehrte er für das Album «Black Rose» zurück. Moore spielte in vielen Bands, feierte als Solokünstler im harten Rock und in seiner sehr individuellen Spielart eines rockigen Blues weltweit Erfolge. Am Sonntag starb er während eines Spanienurlaubs in der Stadt Estepona.

Seine Fähigkeiten, seine E-Gitarre selbst in aggressiven Soundeinstellungen melodisch singen zu lassen, demonstrierte er bereits 1978 mit dem Instrumental «Parisienne Walkways». Damals startete Moore nach einer jazzrock-orientierten Phase mit Colosseum II einen Soloversuch mit dem Album «Back On The Streets». Danach wurde die Spielart härter, «Victims Of The Future» enthielt 1983 aber mit der Ballade «Empty Rooms» einen seiner bis heute bekanntesten Songs. 1985 bis 1987 erreichte Moore mit den Alben «Run For Cover» - darauf war der Live-Knaller «Out In The Fields» - und «Wild Frontiers» den Höhepunkt seiner Hardrock-Karriere. Mit «After The War» - davon bekannt sind vor allem «Blood If Emeralds» und «Over The Hills And Far Away» - wandte er sich 1989 dem Celtic Rock zu.

1990 widmete er sich dann sehr intensiv dem Blues - «Still Got the Blues» wurde gegen den Trend auch der damaligen Zeit ein weltweiter Erfolg. Dieser Musikrichtung blieb er bis zuletzt treu.

«Blues with a roar»

Schon mit 16 habe er Blues gespielt, sagte Moore 2004 in einem AP-Interview. Damals noch in seiner Geburtsstadt Belfast und zusammen mit dem nicht weniger impulsiven Thin-Lizzy-Gründer Lynott, dem er über Jahre freundschaftlich verbunden blieb. «Ich habe lange Zeit Rock gespielt, und das hat offensichtlich meine Art geprägt, zu spielen. Und jetzt kommt alles zusammen, und ich denke, das ist nicht verkehrt. Es gibt mir einen eigenen Stil, und als ich es anders versuchte, habe ich nur alles und jeden kopiert und versucht, jemand anderes zu sein.»

«Blues with a roar» - Blues mit Gebrüll - nannte er seine Art zu spielen. Denn über die wenigsten seiner Stücke servierte Moore so viel melodischen Zuckerguss wie mit seinem Hit «Still Got the Blues». Moore gab damals im AP-Interview zu, dass seine Art, über Bluesriffs urplötzlich ein rockiges Gitarrensolo explodieren zu lassen, durchaus seinem jähzornigen Naturell entsprochen habe.

Missmutig betrat er damals den Interview-Raum in einem Kölner Hotel, weil seine Betreuer von der Plattenfirma ihn nicht in seinem Zimmer abgeholt hatten. Dem Gitarristen hatte bei der Ankunft am Vorabend sein zugeteiltes Zimmer nicht gefallen, und er war kurzerhand umgezogen. Eine Message an die Betreuer versandete wohl im Handy-Nirwana, und sie konnten ihn daher gar nicht finden. Moores Äusserungen dazu waren nicht druckreif. Aber wie auf seinem damals veröffentlichten Album «Power Of The Blues» konnte seine Laune auch genauso schnell wieder umschlagen, vom missmutigen zum freundlichen Gary Moore.

Und der sagte, dass er seine Launen durchaus durch die Gitarre jagt. «Ich meine, ich habe immer so gespielt. Ich habe mir darüber viele Gedanken gemacht, weil ich nach dem (1990 erschienenen Album) 'Still Got the Blues' viel Kritik dafür einstecken musste, den Blues sehr aggressiv zu spielen. Aber du musst am Ende des Tages noch in den Spiegel schauen können.»

In den Spiegel schauen, das konnte Moore angesichts seines musikalischen Werks bis zuletzt. Blues war für ihn mehr als eine Musikrichtung, die er nie in einer trivialen Schematik erstarren liess: «Jeder kennt die Akkordwechsel, die sind wirklich nicht zu schwer. Aber nichtsdestotrotz: Es kann nicht jeder den Blues spielen.»

Schon gar nicht wie Gary Moore.

Still Got the Blues - einer der grössten Hits von Gary Moore


(ap)