Michael Hirte gewinnt 100 000 Euro

01. Dezember 2008 11:39; Akt: 01.12.2008 12:06 Print

Geierei und Geschäftemacherei um das neue «Supertalent»

Kleiner Mann ganz gross: Der arbeitslose Michael Hirte hat sich mit seiner Mundharmonika in die Herzen der TV-Zuschauer gespielt. Sein «Supertalent»-Gewinn wird nun gnadenlos ausgeschlachtet.

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Sein Aufstieg geht zu Herzen: 1991 verunglückte Michael Hirte mit seinem LKW, lag zwei Monate im Koma und hat seitdem ein lädiertes Bein und ein blindes Auge. Der Hartz-IV-Empfänger musste bisher mit 520 Franken monatlich auskommen: Seit dem 30. November 0.24 Uhr ist der Deutsche jedoch um 100 000 Euro reicher. 6,1 Millionen Zuschauer waren Zeuge seines Erfolges bei «Das Supertalent» (20 Minuten Online berichtete).

«Jetzt muss ich sehen, welche Schulden ich zuerst bezahle»

«Du besitzt nichts und gibst so viel: Jetzt ist es Zeit, dass die Zuschauer dir etwas zurückgeben», hatte Dieter Bohlen seine Interpretation von «Ave Maria» geadelt. Über 72 Prozent kamen dem Wunsch des Jurors nach: «Dass ich es werde, damit habe ich nicht gerechnet. Ein Riesentraum wird wahr, einfach unvorstellbar», freute sich der 44-Jährige laut Kölner «Express».

Doch ob er von seinem Gewinn viel zu Gesicht bekommen wird, ist fraglich. Die Summe müsse unter Umständen versteuert werden, weiss die «Bild»-Zeitung. Zudem können nun auch seine Gläubiger Forderungen stellen: Vor zwei Jahren musste Hirte einen Offenbarungseid leisten. «Jetzt muss ich sehen, welche Schulden ich zuerst bezahle», sagte er dem deutschen Boulevardblatt.

«Falls er gewinnt, steht auch mir ein Teil des Geldes zu»

Und noch jemand hat ein Auge auf die Euro geworfen. Seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Jaqueline kündigte gegenüber «Bild» an, ihren Teil der TV-Beute einzufordern. «Falls er gewinnt, steht auch mir ein Teil des Geldes zu! Erst wollte er die Scheidung nicht. Dann plötzlich jedoch ganz schnell, damit ich keinen Cent bekomme», giftete die 42-Jährige. Und was sagt der Betroffene über seine Ex? «Ich hoffe, dass ich mit ihr demnächst vernünftig reden kann. Ich wünsche ihr jedenfalls alles Gute», sagte er der «Welt».

Überhaupt: In Sachen Bescheidenheit ist der Arbeitslose ein Musterbeispiel. «Ihr müsst doch unheimlich hohe Telefonrechnungen haben», sorgte er sich gegenüber dem «Express» um die Kosten für seine Anrufer. «Warum soll ich Kaviar essen, wenn mir Bockwurst besser schmeckt?», fragte er die Journalisten der «Welt». «Andere würden eine Reise machen. Ich kann mir das nicht leisten. Ich muss erstmal wieder Fuss fassen und ein paar kleine Summen zurückzahlen.»

Wie seine Karriere weitergehe, wisse er nicht. Und die Frage, ob eine CD aufgenommen würde, beantwortet Hirte mit «hoffentlich». Erstaunlich nur, dass bei Online-Händlern wie «Amazon» seine CD schon bestellt werden kann. «Der Mann mit der Mundharmonika» heisst der Silberling, der ab dem 5. Dezember ausgeliefert wird. Nur merkwürdig, dass der Protagonist davon nichts weiss. Andererseits zeigt die Tatsache, dass selbst das Coverbild schon fertig ist: Die Vermaktungsmaschinerie vom TV-Sender RTL läuft bereits auf Hochtouren...

(phi)