Schmerzensgeld

20. Juni 2011 18:29; Akt: 20.06.2011 19:19 Print

Gericht befasst sich mit Eva-Herman-Zitat

Die umstrittenen Hitler-Aussagen der früheren Nachrichtensprecherin Eva Herman beschäftigen jetzt auch den Deutschen Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

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Johannes B. Kerner wirft während der Aufzeichnung seiner Talkshow die umstrittene Ex-Moderatorin Eva Herman aus der Sendung. Streitpunkt sind Hermans Äusserungen über die familiären Werte der Nazis. Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki lehnte am 12. Oktober 2008 den TV-Fernsehpreis für sein Lebenswerk ab. «Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet. Ich finde es schlimm, dass ich das hier viele Stunden ertragen musste.» Aufregung in der ARD-Sendung «Menschen bei Maischberger» zum Thema Ufos: Rocksängerin Nina Hagen nannte ZDF-Wissenschaftsmoderator Joachim Bublath («Knoff-Hoff»-Moderator) ein «Alien-Geschöpf» - der verliess daraufhin das Studio. Nina Hagen war bereits in den 70er-Jahren für einen handfesten TV-Skandal gut: Im ORF-Talk «Club 2» führt sie vor, wie frau sich möglichst effektiv selbstbefriedigen kann. Resultat: Moderator abgezogen, die Sendung ausgesetzt. Peinlich: In der Tele24-Sendung «Livestyle» mit Patricia Boser packt Ramona Drews, Gattin von Schlagerkönig Jürgen Drews, 2000 ihre Brust im Studio aus, um zu beweisen, dass sie auch fünf Jahre nach der Schwangerschaft noch Muttermilch hat. Maskierte Demonstranten mit dem Transparent «Freedom and Sunshine for Giorgio Bellini» umzingeln vor laufender Kamera Leon Huber, Moderator der «Tagesschau» am 1. Mai 1981. 1980 wird im «CH-Magazin» über die Jugendunruhen in Zürich diskutiert. Auch zwei Vertreter der Jugendbewegung, das vermeintlich biedere Ehepaar Anna und Hans Müller, sind dabei und fordern härtere Strafen für die Jugendlichen. Nickel Pallat, Manager der Band Ton/Steine/Scherben, setzt sich 1971 in einer WDR-Talkshow gegen Unterdrückung ein. Um sein Plädoyer zu «unterstreichen», drischt er mit einem eingeschmuggelten Beil auf den Diskussionstisch ein. Margarethe Schreinemakers steile Karriere erlitt 1996 einen herben Knacks: Sie hatte sich und ihre Steueraffäre in ihrer Liveshow kurzerhand selbst zum Thema gemacht. Sat1 schaltete die Live-Sendung mittendrin ab. 1986 treffen Serge Gainsbourg und Whitney Houston in einer französischen Live-Sendung aufeinander. Gainsbourg raunte der Amerikanerin auf offener Bühne zu: «I want to fuck with you.» Houstons Gesichtsausdruck spricht Bände.

Die Reihe der Skandale in der Geschichte des Fernsehens ist lang. Der Auftritt von Eva Hermann bei Johannes B. Kerner gehört aber sicherlich dazu.

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In letzter Instanz wird der Pressesenat des Bundesgerichtshof (BGH) darüber entscheiden, ob das «Hamburger Abendblatt» die Buchautorin mit ihren Äusserungen zur Rolle der Familie, zur Nazi-Zeit und zur 68er-Bewegung falsch zitierte und hierfür Schmerzensgeld bezahlen muss.

30 500 Franken Schmerzensgeld

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln hatte den Springer-Verlag am 28. Juli 2009 zu umgerechnet 30 500 Schweizer Franken Schmerzensgeld verurteilt. Die Zeitung habe die umstrittenen Äusserungen nicht richtig wiedergegeben.

Herman hatte 2007 bei der Vorstellung ihres neuen Buches vor Journalisten gesagt: «Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das - alles, was wir an Werten hatten - es war 'ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle. Aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben…»

Das «Hamburger Abendblatt» fasste diese Äusserung damals folgendermassen zusammen: «In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich, da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut, z. B. die Wertschätzung der Mutter, die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat.»

(mor/ap)