Gaddafis Geisel

18. Juni 2010 15:39; Akt: 19.06.2010 11:32 Print

Göldi talkte aus der Haft mit Radio-Moderator

von David Cappellini - «Hier spricht Geisel A aus Tripolis»: Während Max Göldi in Libyen festgehalten wurde, rief er bei DRS Virus an und wünschte sich einen Hendrix-Song.

Göldi ruft DRS Virus an: Auschnitt aus der Sendung.
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Virus-Moderator Robin Rehmann traute seinen Ohren nicht: Am 15.April 2009 meldete sich abends per Telefon ein Mann in der Radio-Redaktion, um sich einen Song zu wünschen. Der Fremde begann das Gespräch mit dem Satz «Hier ist Geisel A aus Tripolis». Danach erklärte er, dass er ausnahmsweise Zugang zum Internet habe - ansonsten werde das Netz vom libyschen Geheimdienst blockiert. Ex-Viva-VJ Rehmann glaubte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es sich beim Virus-Hörer tatsächlich um den in Libyen festgehaltenen Max Göldi handeln könnte. «Die ganze Story war damals noch nicht wirklich gross in den Medien - zudem erschien mir das schlichtweg zu unglaublich», so Rehmann zu 20 Minuten Online.

Nach Göldis Freilassung, ein knappes Jahr später, sah Moderator Rehmann dann ein Interview mit dem ABB-Mann. «Da dachte ich erstmals, die Stimme tönt wirklich ähnlich und hörte mir unseren Beitrag nochmals an.» Im kurzen Radio-Interview mit Rehmann gab Göldi bereitwillig Auskunft, erzählte, dass er schon seit neun Monaten in Libyen festsitze und auch schon im Gefängnis sass. Bloss Rehmanns Frage, ob er denn alles habe, wollte Göldi damals nicht beantworten. Grund: «Die Telefone werden abgehört.» Letztendlich verabschiedete sich Göldi mit den Worten «Es bleibt mir nichts anderes übrig als durchzuhalten» und wünschte sich den Song «Voodoo Child» von Jimi Hendrix.

Radio als Informationsquelle für Göldi

Der Sprecher der Familie Göldi, Andreas Bantel, bestätigt gegenüber 20 Minuten Online, dass es sich bei dem Anrufer um Max Göldi handelt. «Er hat aus der Schweizer Botschaft angerufen und sich das Lied gewünscht», sagt Bantel. Max Göldi konnte sich zu dieser Zeit in der Schweizer Botschaft frei bewegen und Internet und Telefon nutzen. «Das Radio war für Göldi ein wichtiger Bezug zur Heimat. So konnte er sich auf dem Laufenden halten», sagt Bantel.

Zurzeit befindet sich Max Göldi «an einem Ort, wo er Ruhe hat und Abstand gewinnen kann», sagt sein Sprecher. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut.

(Mitarbeit: meg)

Diesen Song wünschte sich Max Göldi:


Jimi Hendrix/Voodoo Child/LIVE AT WOODSTOCK - MyVideo Schweiz