Eurovision Song Contest

12. Dezember 2008 09:43; Akt: 12.12.2008 10:10 Print

Grand Prix: Die Rückkehr der Jury

Schluss mit dem Punktegeschacher beim Grand Prix: Der Eurovision Song Contest 2009 in Moskau wird mit einer veränderten Abstimmungsregel über die Bühne gehen.

Bildstrecke im Grossformat »
Pünktlich um 21 Uhr betritt am Donnerstagabend ein weisser Centaur die Belgrader Bühne ... ... gefolgt von einem Arien singendem Blumenbouquet ... Keine Frage: der Eurovision Song Contest läuft! Willkommen in Belgrad: Popsänger Zeljko Joksimovic und TV-Moderatorin Jovana Jankovic führen durchs Programm. Island tritt als Erster an und beweist, dass es ausser Björk weitere Musik zu bieten hat ... ... ordentlich schlechten Eurodance nämlich. Der Name ist Programm: Das Gesangsduo nennte sich 'Euroband'. Für Schweden tritt Charlotte Perrelli an ... ... langer Refrain, kurzer Rock - klassischer ESC. Mor ve Ötesi rocken für die Türkei. Jetzt, aber! Die Ukraine lässt nichts anbrennen ... ... Sängerin Ani Lorak räumt ab. Litauen führt vor, wie man den Eurovision Song Contest gewinnt: Mit einem langhaarigen Softie, nämlich, der eine Musical-Ballade hinschletzt. Der ESC ist heuer ohnehin sehr Balladenlastig - auch Albanien setzt mit Sängerin Olta Boka auf diese Karte. Herzig lächeln kann er, der Paolo Meneguzzi, der für die Schweiz antritt. Die Töne treffen ... da kann es schon mal hapern ... ... doch der Song «Era Stupendo» kommt beim Saalpublikum gut an. Sie trifft keinen Ton, die arme Tschechin Tereza Kerndlova, und auch der Song ist eine einzige Katastrophe ... ... dafür haben sie und ihre tschechischen Spice Girls die bisher kürzesten Röcke und die engsten Hotpants des Abends zu bieten. Ruslan Alehno trat für Weissrussland und sang «Hasta la vista baby!» Hatte nicht DJ Bobo diese Idee auch schon? «Pirates of the Sea» nennt sich der lettische Beitrag ... ... und ist an Banalität kaum zu übertreffen. Wenn das so weitergeht, stehen die Chancen für die Schweiz gar nicht so schlecht ... Sie sind so heiss, dass selbst die Plattenteller zu brennen anfangen ... ... Deep Zone & Balthazar legen für Bulgarien eine bizarre Performance hin ... ... - mitsamt einem Jürg-Marquard-Doppelgänger an der Gitarre. Direkt aus der Polizeischule: Simon Mathew singt für Dänemark. Die blinde Sängerin Diana Gurtskaya sang für Georgien. Zuerst in schwarz ... ... dann - tätä! - in weiss. Grosse Gefühle bei den Ungarn: Csezy mit «Candlelight». Keine Frage: Malta will bei den osteuropäischen Staaten punkten ... ... «Vodka» heisst der Song der Sängerin Morena. Die zypriotische Bettie Page? Mit Evdokia Kadi schickt Zypern ein wahrer Vamp an den ESC. Passend dazu ihr Songtitel: «Femme Fatal». Balkanpop mit einer Prise R'n'B und einem guten Schuss Optimismus: Tamara, Vrcak & Adrijan singen für Mazedonien. Portugal brachte mit Vania Fernandes eine grosse Stimme nach Belgrad. Und eine Windmaschine. Der Besuch der alten Dame: Als Überraschung schaut noch Lys Assia vorbei. Vor 53 jahren war sie die Siegerin des allerersten Song Contests ... Kaum zu glauben, dass die rüstige Aargauerin bereits 84 Lenze zählt. Da verzeiht man es ihr auch, dass sie Belgrad mit Bulgarien verwechselt ... Eine Viertelstunde dauert das Televoting, danach sind die Resultate erstaunlich rapide parat ... Die Ukraine, Kroatien, Albanien, Island, Georgien, Dänemark, Schweden, Lettland, die Türkei und Portugal sind am Samstag im Finale. Was fällt auf? Die Schweiz erleidet eine weitere Schlappe am ESC.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bilder von zweiten Grand Prix-Halbfinale 2008.

Es soll für jedes Land eine Jury geben, die zu 50 Prozent Einfluss auf die Punktevergabe der jeweiligen Nation hat, wie der Unterhaltungschef des deutschen Senders NDR, Ralf Quibeldey, der «Deutschen Presse-Agentur» in Hamburg sagte. Dies hätten die Verantwortlichen für den Eurovision Song Contest (ESC) auf einer Tagung in der russischen Hauptstadt beschlossen. Die Jury soll jeweils aus fünf Mitgliedern bestehen, «die aus einem professionellen Musikumfeld» stammen. Daneben stimmen auch die Zuschauer wieder per Televoting ab.

Mit der neuen Abstimmungsregel zeigte sich der Grand-Prix-Chef sehr zufrieden: «Das ist eine gute Sache. Ich glaube, dass die Qualität der Musik so stärker zu ihrem Recht kommen wird.» Er erwartet einige Überraschungen beim künftigen Abstimmungsverhalten. In den vergangenen Jahren hatte die Übermacht der osteuropäischen Länder, die sich gegenseitig Punkte gaben, immer wieder für heftige Diskussionen gesorgt.

(sda)