Nach Engagement gegen Fremdenhass

14. März 2019 20:37; Akt: 14.03.2019 20:54 Print

Neonazis bedrohen Helene Fischer

Mehr als 100 anonym verschickte Drohmails mit Unterschriften wie «Nationalsozialistische Offensive» oder «NSU 2.0» beschäftigen derzeit die deutschen Ermittler.

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Seit mehreren Wochen beschäftigt die Berliner Staatsanwaltschaft eine Serie von E-Mails mit rechten Gewaltandrohungen unter anderem an Politiker, Anwälte, Journalisten, den Zentralrat der Juden, Politiker der Linkspartei und Prominente.

Trotz unterschiedlicher Absender vermuten die Ermittler einen Zusammenhang. Wie der Norddeutsche Rundfunk und die «Süddeutsche Zeitung» am Donnerstag berichteten, spricht die ähnliche Wortwahl der anonym verschickten Mails mit Unterschriften wie «Nationalsozialistische Offensive», «NSU 2.0» oder «Wehrmacht» für einen Zusammenhang. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte Ermittlungen unter anderem wegen Volksverhetzung.

Helene Fischer auch davon betroffen

Zu den Empfänger der Drohmails gehört auch Schlagerstar Helene Fischer. Die 34-Jährige hatte vergangenen September in Zusammenhang mit den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz auf Instagram und Facebook an ihre Fans appelliert, ein Zeichen gegen Rassismus und Gewalt zu setzen. «Wir können und dürfen nicht ausblenden, was zur Zeit in unserem Land passiert, doch wir können zum Glück auch sehen wie gross der Zusammenhalt gleichzeitig ist – das sollte uns stolz machen», schrieb die 34-Jährige damals.

An einem ihrer Konzerte soll sie zudem nachgedoppelt haben: «Erhebt gemeinsam mit mir die Stimme. Gegen Gewalt. Gegen Fremdenfeindlichkeit. Und lasst uns gemeinsam dieses Lied singen: ‹Wir brechen das Schweigen› – hier in Berlin. Seid ihr mit mir?»

Bombendrohung führte zu Evakuation eines Bahnhofs

Bisher blieben die Drohungen den Medienberichten zufolge alle virtuell. Allerdings führten sie zuletzt wegen Bombendrohungen am Montag zur Räumung des Hauptbahnhofs in Lübeck und am Dienstag zur Räumung des Finanzamts in Gelsenkirchen.

An die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner sei am Dienstag eine Mail gegangen, in der gedroht worden sei, Briefbomben zu schicken. Auch sei davon die Rede gewesen, Bürger «auf offener Strasse exekutieren» zu wollen.

Mittlerweile gebe es mehr als hundert solcher Drohschreiben. Die Staatsanwaltschaft in Berlin bestätigte, dass die Ermittlungen seit dem 21. Januar gebündelt laufen. Demzufolge sind derzeit aber nur 78 Drohschreiben mit mutmasslich rechtsextremistischem Hintergrund aus der Serie bekannt. Verdächtige seien noch nicht ermittelt worden.

(rab/afp)