Dschungelcamp-Profiteure

03. Februar 2011 12:06; Akt: 03.02.2011 12:52 Print

Indiras Arbeit fürs Klo

von Philipp Dahm - Rainer Langhans hats geschafft: Er kann durch Werbung seinen Camp-Besuch vergolden – was man von RTL nicht behaupten kann. Den Vogel schiesst aber Indira ab.

Rainer Langhans trifft sein Alter Ego. (Quelle: YouTube)
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Nach dem Ende von «Ich bin ein Star – holt mich hier raus» versuchen die beteiligten Kandidaten, das Beste aus ihren fünf Minuten Ruhm zu machen. Bereits profitiert hat Rainer Langhans: Der Alt-Hippie war 2010 im Werbespot eines Online-Schuhhändlers persifliert worden und hatte das Kaufhaus daraufhin verklagt. Aussergerichtlich einigten sich die Parteien dann jedoch: Jetzt spielt der 70-Jährige selbst in dem Reklameclip mit, für den er selbst das Drehbuch geschrieben haben soll.

Weniger kommerziellen Erfolg mit dem Dschungelcamp hatte dagegen RTL: 500 000 Euro kostete die Show den Kölner Sender täglich, hat das Fachblatt «Werben & Verkaufen» errechnet. Schon vor dem Sendestart sei dieses Ergebnis den Machern klar gewesen, sagte ein Insider dem Magazin. Im TV-Segment wird die Zurückhaltung mit den Marktpreisen begründet: Ein halbminütiger Spot kostete 55 000 Euro.

Einerseits ist der Januar reklametechnisch ein schwacher Monat. Andererseits waren auch die Werbeblöcke der vorigen Dschungelcamp-Staffeln nie ausgebucht: Möglicherweise wollen sich nicht alle Firmen mit den Ekel-Promis in Verbindung bringen lassen. Anders sieht es dagegen im Internet aus: Hier haben hohe Abrufzahlen (plus 284 Prozent) dafür gesorgt, dass RTL online mit den «Camperinos» Geld verdienen konnte. Die Werbeauslastung lag hier laut Meedia.de bei 80 bis 90 Prozent.

Alle Hände voll zu tun: Seht her, es ist Liebe!

80 bis 90 Prozent beträgt – zumindest nach Meinung des Autors – auch die Chance, dass aus dem Techtelmechtel zwischen den Kandidaten Jay und Indira keine traumhafte Liebesromanze wird. Die Ankunft der beiden in Deutschland hatte etwas von Kasperletheater: Seht her, wir lieben uns wirklich! Das Paar, dem die ernsten Absichten nicht ganz abgenommen werden, zottelte betont zweisam über den Frankfurter Flughafen und liess sich dabei bereitwillig vom Paparazzi-Mob ablichten.

Und zwar derart zweisam, dass sich die «Welt» beim Anblick der Fotos fragt, wie das Duo es schaffte, «Hand in Hand zwei schwer bepackte Gepäcktrolleys vor sich her zuschieben». Indiras Mutter Manju flötet im dazugehörigen «Bild»-Artikel: «Ich glaube an die Liebe meiner Tochter zu Jay und freue mich auch sehr über ihr Glück. Er kommt aus demselben Kulturkreis, und das wollte ich auch immer.»

Warum wir das Matterhorn vor Indira schützen müssen

Doch nicht nur mit ihrer vermeintlichen Lebensliebe will Indira punkten, sie hat auch noch einen neuen Song produziert. Nachdem die 31-Jährige im Jahr 2009 eine Coverversion von Rudi Carrells «Wann wird's mal wieder richtig Sommer?» herausbrachte und das Video zum Lied «Oh» für einen recht kalkulierten Eklat sorgte (siehe Video ganz unten), stellte die Ex-Bro’Sis-Sängerin am 1. Februar im hessischen Bensheim ihr neues Machwerk namens «Hol de Radio» vor.

Das Ganze ist miesester Proll-Pop mit Alm-Anleihen aus der untersten Schublade. Das Stück ist so schlecht, dass sich sogar die sonst so Weis-treue «Bild»-Zeitung fragt: «Hat Indira etwa jeglichen Anspruch an ihre Musik aufgegeben?» Und als ob das alles noch nicht schlimm genug wäre, hat der User, der Indiras Song auf YouTube geladen hat, auch noch das Matterhorn unter das Konterfei der Deutschen gestellt. Nur damit das klar ist: Wir wollen damit ganz gewiss rein gar nichts zu tun haben. Basta!


Schlimmer geht’s nimmer: «Hol de Radio, alle hören's im Auto und manche auf dem Klo», heisst es im Lied von Indira Weis. Quelle: YouTube


Das Indira nicht erst seit heute schlechte Musik macht, beweist diese Besprechung ihres Videos zum Song «Oh» von 2006. Quelle: YouTube