14. April 2005 09:31; Akt: 14.04.2005 15:34 Print

Jackson-Prozess: Mutter des Opfers sagt unter Tränen aus

Die Mutter des 15-jährigen Jungen, der Michael Jackson des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, ist am Mittwoch im Zeugenstand mehrfach in Tränen ausgebrochen.

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Vor der Jury im Gericht von Santa Maria (Kalifornien) führte sie aus, dass sie Jackson bei einer gemeinsamen Reise in 2003 in einem Flugzeug dabei beobachtet habe, wie der den Kopf ihres Sohnes ableckte. Bereits nach den ersten Zusammentreffen zwischen dem Sänger und ihrem krebskranken Sohn im Jahr 2000 sei sie «beunruhigt» gewesen, aber letzten Endes habe sie Jackson vertraut.

Auf Prozessbeobachter machte die für die Anklage wichtige Zeugin einen «labilen» Eindruck. Einmal wandte sie sich an die Geschworenen mit der flehentlichen Bitte, sie nicht zu beurteilen. Vor ihrer Zeugenaussage hatte sich die Frau am Mittwochvormittag (Ortszeit) zunächst auf den fünften Verfassungszusatz (5th Amendment) der USA berufen, um sich selbst durch ihre Aussage nicht belasten zu müssen. Damit dürfen die Anwälte sie nicht zu Sozialhilfe-Zahlungen befragen, die die Mutter unrechtmässig kassiert haben soll.

Staatsanwalt Tom Sneddon hatte in seinem Eröffnungsplädoyer bereits auf dieses mögliche Betrugs-Vergehen hingewiesen. Justizexperten erwarten von Jacksons Anwälten, dass sie die Glaubwürdigkeit der Frau in Zweifel ziehen und sie als geldgierige Lügnerin darstellen werden, die mit ihrem Sohn die Anschuldigungen gegen Jackson fabrizierte.

Jackson muss sich wegen sexuellen Missbrauchs, Freiheitsberaubung und Kindesentführung vor Gericht verantworten. Nach der Ausstrahlung einer umstrittenen Dokumentation im US-Fernsehen, die den Sänger Hand in Hand mit dem damals 13 Jahre alten Krebspatienten zeigte, soll Jackson die Familie in 2003 auf Neverland festgehalten und zu einer positiven Darstellung gedrängt haben.

Jackson habe ihr erzählt, dass er Morddrohungen erhalten habe, die sich gegen ihre Kinder richteten, gab die Frau zu Protokoll. Zu ihrem eigenen Schutz sollte sie damals strikt die Anweisungen zweier Jackson-Mitarbeiter befolgen. Dabei handelte es sich nach Angaben der Mutter um den deutschen Dieter Wiesner und dessen Geschäftspartner Ronald Konitzer. Im Zeugenstand ahmte die Frau den deutschen Akzent der früheren Jackson-Helfer nach, berichtete die «Los Angeles Times». Einer der beiden habe sie «dumme Frau» genannt und ihr damit gedroht, er könnte sie «ausradieren lassen, wenn ich sie ärgern würde».

(sda)