13. Juni 2005 21:42; Akt: 14.06.2005 09:31 Print

Jackson auf der ganzen Linie freigesprochen

Die Geschworenen am Gericht von Santa Maria (Kalifornien) sprachen Michael Jackson von allen Anklagepunkten frei. Der Superstar konnte das Gerichtsgebäude am Montag damit als freier Mann verlassen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Urteil wurde im Beisein Jacksons um 2.15 Uhr Ortszeit (23.15 Uhr MEZ) verlesen. Die zwölf Geschworenen einigten sich am siebten Beratungstag, nachdem sie über 32 Stunden hinter geschlossenen Türen getagt hatten.

Jackson hörte das Urteil im Beisein seiner Familie an, darunter seine Mutter und seine Schwester, Janet Jackson. Der Popstar hatte die Urteilsfindung zuvor auf seiner nahe gelegenen Neverland-Ranch abgewartet. Die Ranch liegt rund 45 Autominuten vom Gericht in der Kleinstadt Santa Barbara.

Totenstille im Saal

Dutzende Fans des einstigen «King of Pop» hatten sich um das Gericht herum versammelt und riefen in Sprechchören «Michael ist unschuldig». Polizisten sicherten das Gericht und beschränkten Zugang zu dem Gebäude.

Jackson wurde vorgeworfen, im Frühjahr 2003 einen 13-jährigen Jungen sexuell missbraucht und ihm Alkohol gegeben zu haben. Zudem sollte er die Familie des Jungen unter Druck gesetzt und quasi gefangen gehalten haben. Im Falle eines Schuldspruchs hätten dem Popstar bis zu 20 Jahre Haft gedroht.

Bei der Verlesung des Urteils herrschte im Gerichtsraum Totenstille. Jackson blieb so reglos wie während der meisten Zeit des Prozesses, führte dann ein Tuch an die Augen. Einer seiner Verteidiger brach in Tränen aus. Jackson erhob sich schliesslich und wurde von seinem Hauptverteidiger Thomas Mesereau umarmt.

Staatsanwalt «enttäuscht»

«Wir sind enttäuscht», sagte Staatsanwalt Tom Sneddon. Die Staatsanwälte hatten versucht, Jackson als Persönlichkeit mit abwegigen Neigungen darzustellen, der auf seinem Anwesen eine Porno-Spielwiese eingerichtet habe.

Die Geschworenen mussten in jedem der zehn Anklagepunkte ein einstimmiges Urteil treffen. Sie folgten letztlich den Argumenten der Verteidigung, die versucht hatte, die Glaubwürdigkeit der als Hauptzeugin aufgetretenen Mutter des 13-jährigen Jungen in Frage zu stellen.

Auf einer Pressekonferenz beschrieben Jury-Mitglieder, wie sie zu ihrem Spruch gelangten. «Es gab tonnenweise Beweismittel zu berücksichtigen», sagte einer von ihnen. «Wir haben alles bedacht.» Die Geschworenen wurden namentlich nicht genannt. Sie baten darum, so anonym in ihr Alltagsleben zurückzukehren wie sie auch in die Jury gewählt worden seien.

Mehrere hundert Jackson-Fans und über 2000 Journalisten haben sich vor dem Gerichtsgebäude versammelt. Die Fans begrüssten das Urteil mit Jubel. Der Sänger zeigte sich kurz der Menge, legte eine Hand auf sein Herz und warf den Menschen Kusshände zu.

Nach Verlassen des Gerichts wurde Jackson von Mitarbeitern zu einem schwarzen Geländewagen geführt, mit dem er direkt zu seiner Ranch Neverland fuhr. Auch dort wurde er von Fans mit Applaus begrüsst.

«Ich hätte nie einen Pädophilen geheiratet», erklärte Jacksons Exfrau Debbie Rowe. Das Urteil zeige, dass die Justiz in den USA funktioniere.

Die Anklagepunkte

Die Anklage gegen Jackson umfasste insgesamt zehn Punkte:

Punkt eins: Verschwörung zu Kindesentführung, Freiheitsberaubung und Erpressung, darunter 28 konkreten Fällen zwischen dem 1. Februar und 31. März 2003.

Punkte zwei bis fünf: Unzüchtiges Verhalten mit einem Kind unter 14 Jahren zwischen dem 20. Februar und 12. März 2003.

Punkt sechs: Versuch, ein Kind unter 14 Jahren zwischen dem 20. Februar und 12. März 2003 zu unzüchtigem Verhalten bei Jackson anzuregen.

Punkte sieben bis zehn: Verabreichung einer berauschenden Substanz - Alkohol - als Beihilfe zum Kindesmissbrauch.

Die Geschworenen befanden Jackson in allen Punkten für nicht schuldig.

(Quelle: SDA/AP)