Jürg Marquard

05. Juni 2019 21:43; Akt: 05.06.2019 21:43 Print

«Gründer sind stolz, einen minimalen Lohn zu zahlen»

Bei «Die Höhle der Löwen» scheitern regelmässig Deals im Nachgang der Gründershow. Verleger und Löwe Jürg Marquard erklärt, warum.

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Mitte Mai startete die international erfolgreiche Gründershow «Die Höhle der Löwen» auch in der Schweiz. Dabei versuchen motivierte Jungunternehmer die fünf Löwen von ihrer Idee zu überzeugen und Investmentkapital zu generieren. Ein Start-up, das bereits in der ersten Folge drei Investoren begeistern konnte, war die Online-Schreinerei Ecoleo. Jürg Marquard, Roland Brack und Tobias Reichmuth wollten zusammen für 24 Prozent ... ... Anteil 200'000 Franken investieren – doch nach der Sendung stieg letzterer Löwe aus. «Bezüglich der künftigen Unternehmensstruktur von Ecoleo hatten wir unterschiedliche Vorstellungen. Tobias und wir wollten den eigenen Grundsätzen treu bleiben», sagte CEO Markus Fust gegenüber Hallowil.ch. Das bedeutet, dass sowohl von der Summe als auch der Beteilung je ein Drittel wegfällt. Und damit ist Ecoleo nicht das einzige Unternehmen, bei dem ein eigentlich ausgemachter Deal ... ... nach der Sendung scheitert. Auch bei der Firma Hundespielzeug von Martin Sailer, der sich ebenfalls in der ersten Folge vor die Löwen traute, kam schlussendlich kein Investment zustande. Für 150'000 Franken hat Sailer das Unternehmen an Tobias Reichmuth und Roland Brack verkauft. «Mit dem konnte ich gut leben. Ich hätte ja dafür lebenslang 10 Prozent der Produktionskosten jedes verkauften Spiels erhalten», so Sailer gegenüber ... ... Tagblatt.ch. Doch es kam anders. Aus dem Deal wurde nach der Sendung nichts, da beide Löwen ausstiegen. Mehr Details könne er dazu aber keine sagen. Nur so viel: Roland Brack kaufte zwar keine Firmenanteile, dafür bietet er die Hunde- und Katzenspielzeuge auf seiner Plattform brack.ch an. Auch bei der zweiten Sendung gingen Unternehmer mit Deals nach Hause, die schlussendlich aber nichts werden. So etwa bei der Kaffee-Firma Mastercoldbrewer. Insgesamt 750'000 Franken für 12,5 Prozent sprachen die fünf Investoren Tobias Reichmuth, Roland Brack, Bettina Heine, Anja Graf und Jürg Marquard dem Jungunternehmen aus St. Gallen zu. Das Kapital sollte ins Marketing und den Ausbau des Salesteams gehen. Nach der Aufzeichnung ... ... kam es aber anders: «Im Anschluss an die Sendung werden auf Basis des Deals per Handschlag die schriftlichen Verträge erstellt und weitere Details festgelegt. In dieser Phase sind Gründe aufgetaucht, die gegen eine Zusammenarbeit sprechen», sagt CEO Roland Laux zu Startupticker.ch. «Das ist legitim und kommt auch bei Finanzierungsrunden ausserhalb einer TV-Sendung vor.» Die Gründe nannte er aber nicht. Die 29-jährige Tanja Schenker war am Dienstagabend in der TV24-Sendung «Die Höhle der Löwen» zu Gast. Mit ihrem nachhaltigen Luxuslabel Happy Genie hat sie eine vegane Handtasche aus Apfelresten entwickelt. Beim Design der Tasche gibt es viele Möglichkeiten: Zur Auswahl stehen vier verschiedene Basisfarben. Die Henkel kann man austauschen, die Grösse verändern, die Schulterriemen gibts in verschiedenen Farben, und vorne an der Tasche befindet sich eine abnehmbare Clutch, die es in 30 Designvarianten gibt. Jürg Marquard sowie Bettina Hein waren an einem Deal interessiert und einigten sich auf einen Firmenanteil von 25 Prozent für 200'000 Franken Kapital. Die Freude bei der 29-jährigen Schenker war aber nur von kurzer Dauer. Inzwischen ist der Deal bereits Geschichte. «Zum Glück platzte der Deal, da wir komplett unterschiedliche Werte haben.» Für sie sei die nachhaltige Produktion des Produkts genauso wichtig wie die fairen Arbeitsbedingungen. «Herr Marquard und ich haben eben nicht dieselbe Vorstellung von fairen Löhnen.» Jürg Marquard widerspricht dieser Darstellung: «Faire Arbeitsbedingungen sind für uns Löwen in allen Bereichen absolut relevant. In diesem Falle standen die geforderten Personalaufwände der Gründerin in keinem Verhältnis zu den erzielten und zu erwartenden Umsätzen.» In der umsatzarmen Startphase sollte man laut Marquard das gesprochene Investment grösstenteils in das Unternehmen und dessen Entwicklung investieren. Die junge Designerin hofft nun trotz der Löwen-Enttäuschung darauf, dass durch die Sendung mehr Leute auf Happy Genie aufmerksam werden. Ihr Ziel: «Happy Genie weltweit als nachhaltiges, veganes und faires Luxusunternehmen zu positionieren.»

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Wie viele Deals sind bei Ihnen seit Beginn der Sendung konkret zustande gekommen? Und wie viele sind geplatzt?
Diese Frage darf ich im Moment noch nicht beantworten. Aber ich denke, diese Quote wird auf keinen Fall höher sein, als dies in anderen Ländern der Fall ist.

Warum kommen ihrer Meinung nach viele Geschäfte nach Ende der Sendung doch nicht zustande?
Weil es erst nach der Sendung zu einer sogenannten Due Diligence, einer vertieften Überprüfung der Geschäftszahlen, der Budgets und aller rechtlichen Aspekte, kommen kann. Diese Arbeit nimmt recht viel Zeit in Anspruch. Der Zeitrahmen, der uns in der Sendung zur Verfügung steht, würde dazu niemals ausreichen.

Wie oft kommt es im realen Leben – also abseits der Show – vor, dass Deals in den Finanzierungsrunden platzen?
Dies kommt im realen Wirtschaftsleben sehr oft vor.

Wie schwer ist es als Löwe, schon während des Pitches einzuschätzen, ob man mit dem Unternehmen arbeiten kann?
Alles andere als einfach! Mehr als einen ersten Eindruck kann man in der kurzen Zeit nicht bekommen.

Der Deal mit der Zürcherin Tanja Schenker und ihrem Label Happy Genie ist nach Drehschluss geplatzt. Sie sagten, dass unterschiedliche Werte der Grund dafür gewesen seien. Stimmt das?
Tanja Schenker hat gesagt, dass unterschiedliche Werte der Grund für das Nichtzustandekommen des Deals gewesen seien, nicht ich! Ich teile die Wertvorstellungen von Tanja in Bezug auf das Produkt zu 100 Prozent. Der Grund, warum Bettina Hein und ich Tanja eine Absage erteilen mussten, waren die Zahlen zu Happy Genie, die uns von einer Firma Antanas AG Wochen nach unserem Handshake-Deal in der Sendung zugestellt wurden.

Konkret?
Wenn Tanja mir dies erlaubt, werde ich diese Zahlen 20 Minuten zur Verfügung stellen – und ich bin überzeugt, dass sich dann weitere Fragen erübrigen würden. Bettina und ich sind erfahrene und verantwortungsbewusste Investoren und haben uns den Entschluss nicht leicht gemacht.

Auch bei den Löhnen sollen sie sich nicht einig gewesen sein.
Die überrissene Lohnforderung von Tanja war nur das Tüpfelchen auf dem i. Dazu möchte ich noch erwähnen, dass bei fast allen Investments, die wir getätigt haben, die Gründer stolz darauf sind, sich nur einen minimalen Lohn auszuzahlen, weil sie alles verfügbare Geld in den Aufbau der Firma stecken wollen.

Was ist Ihnen persönlich bei einer Zusammenarbeit mit Start-ups wichtig?
Ich arbeite gern mit geradlinigen, ehrlichen und zielstrebigen Leuten zusammen.

Wie haben Sie die ersten Folgen von «Die Höhle der Löwen Schweiz» erlebt?
Ich freue mich riesig über den Erfolg der Sendung. Meine persönliche Zielvorstellung in Bezug auf die Zuschauerquote wurde schon mit der ersten Sendung übertroffen. Aber von meiner Sendung «Traumjob» her weiss ich, dass es immer mal wieder stärkere und schwächere Folgen gibt. Dies hängt nicht zuletzt auch mit der Wetterlage zusammen. 30-Grad-Tage sind nicht gerade förderlich für hohe Zuschauerzahlen.

(kao)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Anker am 05.06.2019 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abgelehnt!

    Live Beispiel bei uns auf der Bank: Kreditanfrage Fr. 250'000. / Einnahmen noch praktisch null, Verlust in den ersten Jahren einkalkuliert. Budgetierter Lohn des Geschäftsführer's/Gründers: Fr. 150'000 im Jahr... Was ist hier falsch? Die Bank sollte mit dem Kredit den (zu) hohen Lohn des Gründers und dessen Lebensstandard finanzieren. Abgelehnt!

  • Zürcher Banker am 05.06.2019 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider Realität

    Als Banker muss ich J.M. recht geben. Viele Start-up's kommen zur Bank und fragen nach einem Kredit. Wenn der mit Abstand grösste Ausgabeposten ein Lohn des Gründers ist, dann darf dies einfach nicht sein. Schliesslich sollte der UNTERNEHMER das unternehmerische Risiko tragen und nicht die Bank. Er hat beim Erfolg ja auch das UPSIDE alleine!

  • Elia Moretti am 06.06.2019 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unser Firmenstart ..

    vor 23 Jahren machte es erforderlich, während 3 Monaten ganz ohne Gründer-Lohn auszukommen. 2 Jahre später galt es, noch einmal ähnlich durchzubeißen. Marquard hat recht, wenn er persönliche Opfer einfordert. Übrigens: es hat sich mehr als nur gelohnt, standhaft zu sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 101st am 06.06.2019 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    100'ooo.

    ist ein MinimalLohn.

  • Berni am 06.06.2019 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Kelch

    Es geht nur noch um Geld,Geld Regiert die Welt,

  • Ernst am 06.06.2019 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    So viel zu fairen Löhnen.

    Das Zitat «Gründer sind stolz, einen minimalen Lohn zu zahlen» zeigt ja nur, dass Marquard stolz darauf ist, dass sich Gründer nicht einmal den Mindestlohn auszahlen. So viel zu fairen Löhnen.

  • Jean am 06.06.2019 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Firmengründer mit fürstlichen Lohn

    Wenn alles stimmt, es sieht so aus, dass die nette Tanja gern ihre eigene Firma gründen möchte aber nicht auf ihr Lebensstil verzichten (in ein früheren Artikel war die Rede von CHF 100000.00) will.

  • Danielo R am 06.06.2019 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfolgsquoten der Kandidaten

    Mich wurde interessieren wieviel von den Kandidaten schlussendlich reüssieren und nicht die Einschaltquoten . Ich denke, dass es eher einer Werbekampagne der Investoren gleichkommt.