Online-Aktivismus

08. November 2019 04:51; Akt: 08.11.2019 07:38 Print

Jugendliche auf Tiktok werden politischer

Die Video-App Tiktok ist bei Teenagern die derzeit beliebteste Social-Media-Plattform. Sie nutzen sie vermehrt, um für ihre Ideale einzustehen.

So setzen sich Tiktok-User auf der App für ihre Anliegen ein. (Video: Tiktok/Wibbitz/20 Minuten)
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Die Video-App Tiktok hat sich einer der ganz grossen und vor allem beliebtesten Social-Media-Plattformen entwickelt. Die Nutzer posten in der App etwa Meme-Videos, bewegen die Lippen zu bekannten Hits, oder machen unter viralen Hashtags an Challenges mit. Die kurzen Videoclips und der teils absurde Humor treffen vor allem den Zeitgeist der mehrheitlich jungen Nutzer.

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Jetzt findet man in der App jedoch vermehrt Videos, die im Kern eine ernsthafte Botschaft enthalten: Die User nutzen die Plattform, um auf sozialpolitische Missstände wie Waffengewalt an Schulen oder die Klimaerwärmung aufmerksam zu machen.

Der Hashtag #ForClimate hat auf Tiktok eindrückliche 407 Millionen Video-Aufrufe generiert. Laut einem kürzlich veröffentlichten Artikel der BBC helfe die Unbeschwertheit der App dabei, den Aktivismus unter Jugendlichen zu fördern.

Lohnerhöhung dank Tiktok

So teilt die Australierin Tara Bellerose (21) auf ihrem Account nicht nur Videos von herzigen Tieren, mit denen sie im Bundesstaat Victoria auf einer Farm lebt, sondern auch Facts rund ums Klima – und das sehr erfolgreich: Sie kommt mit ihren Clips auf ganze 11,4 Millionen Likes.

Die US-Amerikanerin Gillian Sullivan (16) aus Nevada rief via Tiktok zu einem Schülerstreik für faire Lehrerlöhne auf. Ihr Video generierte soviel Aufmerksamkeit, dass der Streik gar nicht mehr nötig war: Die Lehrer in ihrem Schulbezirk kriegten wenig später ihre längst versprochene Lohnerhöhung. «Dank Social Media und Leuten, die aufs Thema aufmerksam machten, haben wir bekommen was wir wollten», so die Schülerin in einem weiteren Video.

«Früher hielt ich die App für einen Scherz»

Der Trans-Junge Jaden Spencr, Aborigine Eshia Anderson und die an Krebs erkrankte Leah Smith haben etwas gemeinsam: Alle drei haben schon 1,2 Millionen Likes gesammelt – mit ihren Posts, und mit ihrem Engagement.

Leah erzählt gegenüber BBC, dass sie auf der App offen und ehrlich über alles sein kann. Die Unterstützung, die sie von den anderen Usern bekommt, helfe ihr, die Behandlung durchzustehen.

Eshia hingegen nutzt die Tiktok, um ihre Erfahrungen mit Rassismus zu teilen. Und Jaden räumt in seinen Videos mit Stereotypen gegenüber Transmenschen auf. «Früher hielt ich die App für einen Scherz – aber jetzt schreiben mir jeden Tag Leute und sagen mir, dass ich sie zum Coming-Out ermutigt habe», so Jaden gegenüber BBC.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr.e am 08.11.2019 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ich nicht lache

    Nope. Das machen die für die Klicks und Likes. Aber war ein netter Versuch uns hier einen Bären aufzubinden.

  • Luzerner30 am 08.11.2019 05:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, danke

    Eine von vielen Social Media Plattformen, die ich in meinem Leben nie anrühren werde. Warum? Weil ich kein Mitteilungs- und Geltungsbedürfnis an Tausende Anonyme habe und mir meine Sicherheit und Bestätigung von waschechten Freunden im realen Leben hole. Es ist nett, wenn da gewisse Themen angeschnitten werden. Tiefer gehende Analysen oder Diskussionen werden da aber wohl kaum geführt und abgesehen vom Klima und Transgender gibt es auf der Welt noch viele andere (wichtigere) Probleme, die bloss zu komplex sind, von solchen Kids verstanden zu werden

  • Typ, zu alt für Tiktok am 08.11.2019 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirzfiguren

    Ist das Freitagsdemonstrieren für faule? Brauchst nicht mal mehr aus dem Haus zu gehen um das Ego zu polieren. Können diese Kinderchen wirklich nichts besssres als sich zu präsentieren und anderen ihre Meinung zu diktieren?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MS am 08.11.2019 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Das problem ist.. 98% machen es fü die aufmerksamkeit und 2% wollen aktiv was ändern..

  • Beaetel am 08.11.2019 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine neue Platform?

    Kenn ich nicht, kann ich also auch nicht beurteilen. Werde vielleicht mal reinschauen ...

  • Rodney McKay am 08.11.2019 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Snowies und Flakies

    "um für ihre Ideale einzustehen" Irgendwie macht man dies doch in der Analogen Welt und nicht in der 0/1-Binär-Welt. Gut wenn es halt physisch wäre, müsste man mehr bewegen als den Daumen (um für das grosse politische Statement einzustehen).

  • Dingdong am 08.11.2019 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Activism at Home

    Ja genau, ich betriebe Aktivismus auch am liebsten von zu Hause aus und mit dem Händy. Passt zur Jungend. Statt Work-at-Home lieber Activism-at-Home.

  • Ma/Wy am 08.11.2019 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle sollten es mal versuchen

    Ja, es ist die Zeit der Veränderung. Bin selber mit Medien eher holprig unterwegs. Doch hier sehe ich , dass es auch positives geben kann. Die Welt kann schneller untereinander Kontakt haben u. Meinungen können sogar unter den Jungen Menschen Ausgetauscht werden , während die Politiker in ihren Ländern mit Kriegen aufeinander los gehen. Alle sollten das mal versuchen !!!

    • Rufer in der Wüste am 08.11.2019 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Ma/Wy

      Sie machen es sich wirklich sehr einfach. Offensichtlich haben Sie die Dynamik der Meinungsbildung nicht so richtig verstanden. Ein Krieg ensteht nicht einfach einmal so, weil es ein Politiker will. Die Auslöser sind bisweilen sehr komplex und unterschiedlich. Sicher sind poltische/wirtschaftliche Interessen ein gewichtiger Auslöser. Da gibt es aber noch den Religionsaspekt sowie soziale Asspekte die dann zu Bürgerkrieg oder Kriegen zwischen Staaten führen. Wenn Sie wirklich meinen, dass Socialmedia Kriegen verhindern kann, sind Sie naiv.

    • Hidu am 08.11.2019 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ma/Wy

      und (falscher) aktivismus aktiv gefördert werden

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