Karl Lagerfeld ist tot

19. Februar 2019 12:29; Akt: 19.02.2019 22:51 Print

«Es wird keine Beerdigung geben»

Der deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist mit 85 Jahren gestorben. Er hat mehr als ein halbes Jahrhundert die Mode mitbestimmt.

Karl Lagerfeld war 36 Jahre lang Chefdesigner des Modehauses Chanel.
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Seit mehreren Wochen gibt es allerlei Spekulationen über den Gesundheitszustand des legendären Designers. Im Januar war er erstmals der berühmten Chanel-Show bei der Pariser Fashion Week ferngeblieben.

Am Dienstag ist der deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld im Alter von 85 Jahren gestorben, wie das Modehaus Chanel, das er 36 Jahre lang geleitet hat, bestätigt. Eine offizielle Todesursache wird noch nicht genannt. Französische Medien berichten, dass Lagerfeld an Krebs gestorben sei.

Im Spital verstorben

Lagerfeld soll am Montagabend ins American Hospital von Paris im Stadtteil Neuilly-sur-Seine als Notfall eingeliefert worden sein. Einen Tag später ist er dort verstorben.

Wie er vor kurzem gegenüber dem französischen Magazin «Numéro» sagte, wünschte er sich keine Beerdigung. «Eine Beerdigung? Wie schrecklich! Es wird keine Beerdigung geben. Ich will verbrannt werden, und meine Asche soll zusammen mit der meiner Mutter verstreut werden.» Ob sein Wille so umgesetzt wird, ist derzeit noch offen.

Karl Lagerfeld ist tot

«Karl der Grosse»

In der Welt der Mode galt der am 10. September in Hamburg geborene Karl Lagerfeld seit dem Tod von Yves Saint Laurent als Alleinherrscher. Als Geburtsjahr nannte er selbst einmal 1935, andere Quellen sprachen von 1938 oder auch 1933. Seit 1983 war Lagerfeld für den Luxuskonzern Chanel tätig.

Noch länger entwarf er Damenmode für das italienische Haus Fendi. Zudem brachte er regelmässig Mode unter seinem eigenen Namen heraus.

Balmain, Patou, Chloé und Fendi

Karl Lagerfeld hat königliche Körper in Traumkreationen gehüllt und Outfits für Popstars wie Madonna und Kylie Minogue entworfen. Er hat mehr als ein halbes Jahrhundert die Mode mitbestimmt. Mitte der 50er-Jahre begann er in Paris grosse Couture-Häuser wie Balmain, Patou, Chloé oder Fendi zum Erfolg zu führen.

Er habe sich schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne, sagte Lagerfeld einmal in einem seiner zahlreichen Interviews.

Der deutsche Modeschöpfer rüttelte die traditionsreiche Luxusmarke aus ihrem Dornröschenschlaf. Die typischen Tweedstoff-Jacken poppte er mit Bändern und Fransen neu auf, Haute-Couture-Kleider kombinierte er mit Sportschuhen. Treu blieb er dem klassischen Cocktailkleid und dem rosa Kostüm. Kollektionen unter seinem eigenen Namen entwarf er ab Mitte der 70er-Jahre. Heute hinterlässt der Wahlpariser ein Modeimperium, dessen Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird.

Seine Mode war elegant, minimalistisch und innovativ. Unvergesslich sind das kleine Chanel-Jäckchen, die tiefe Rücken-Décolletés, seine Wollmäntel mit Gürtelschliesse am Kragen. Lagerfeld hat klassische Formen erneuert und «Looks» geschaffen. Er schickte die schönsten Models über die Laufstege, darunter Claudia Schiffer und Inès de la Fressange.

Zuletzt müde gefühlt

Zuletzt fehlte er genau da, wo er jedes Mal frenetisch gefeiert wurde: auf dem Laufsteg zum Finale einer Chanel-Show. Die offizielle Begründung: Lagerfeld habe sich müde gefühlt. In Paris, wo er nach dem Tod von Modeschöpfer Yves Saint-Laurent der letzte noch verbliebene Modezar war, war die Sorge gross. Erst im November hatte er noch die berühmte Festtagsbeleuchtung auf der Pariser Prachtmeile Champs-Élysées eingeweiht.

Auch für H&M entworfen

Lagerfelds unermüdlicher Gestaltungswille beschränkte sich nicht nur auf die Haute-Couture. Für Aufsehen sorgte 2004 seine Ankündigung, kostengünstige Mode für den schwedischen Discount-Modefilialisten H&M zu entwerfen. Lagerfeld war der erste Design-Kooperationspartner. Ihm folgten unter anderen Lanvin und Versace.

Frankreichs Presse nannte den Sohn des Hamburger «Glücksklee»-Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld wegen seiner rastlosen Kreativität auch «König der Masslosigkeit» oder «Karl den Grossen». Eine Anspielung an den gleichnamigen Herrscher, der bis 814 König des Frankenreichs war, das unter ihm zu seiner grössten Ausdehnung und Machtentfaltung fand.

Schwarze Sonnenbrille, weisser Mozartzopf, steifer Vatermörderkragen und Ringe an jedem Finger: So kannte Lagerfeld die ganze Welt. Seinen fast schon maskenhaften Stil hat er zu seinem Markenzeichen gemacht.

Nachfolge bereits geregelt

Der Chanel-Konzern gab unterdessen bekannt, dass Virginie Viard, Karl Lagerfelds engste Mitarbeiterin und Vize-Kreativdirektorin von Chanel, dem Designer als Kreativdirektorin nachfolgen soll.

(rab/sda)