Ahoi, Nordkorea!

03. September 2011 12:13; Akt: 04.09.2011 12:05 Print

Kims kesser Kahn

Deutschland hat sein «Traumschiff», die USA haben ihr «Love Boat» und Nordkorea hat die «Mangyongbong»: Pjöngjangs erstes Kreuzfahrtschiff, Karaoke und Selbstbedienung inklusive.

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Wir stellen vor: Der nordkoreanische Frachter «Mangyongbong 92» anno 2003 im Hafen des japanischen Städtchens Niihata, wo das Schiff wegen Sicherheitsmängeln und des Verdachts auf Waffenschmuggel quasi «gegroundet» wurde, dann aber doch gen Heimat schippern durfte. Was mit dem Schiff heute transportiert wird? Die Antwort: gute gelaunte Nordkoreaner. Pjöngjang hat den Kahn wieder flott gemacht und zum Kreuzfahrtschiff umgebaut. In der nordkoreanischen Hafenstadt Rason hiess es am 30. August 2011 erstmals: Leinen los für die tollen Touristen aus dem Armenhaus Asiens. Kim Jong-ils Landsmann vorne im Bild durfte seinem Gesicht zufolge nicht mit auf die Reise. Grosser Tamtam vor der «Jungfernfahrt»: Im Gegensatz zu westlichen Luxusdampfern schlafen die Passagieren in Gruppen-Schlafräumen statt in kleinen Kabinen. Wut herrscht dagegen in Südkorea, denn für das Nachbarvolk gilt: Wir müssen leider an Land bleiben. Trotzdem ist die Premiere international: Einige Chinesen, Russen und Amerikaner waren zugegen, als der Seelenverkäufer in See stach. Die Mangyongbong wurde übrigens 1992 gebaut - zum 80. Geburtstag von Kim Il Sung. Wenn das kein gutes Omen ist! Aber das ist doch kein Grund, sich hinter der Plastikblume zu verstecken?! Der Spasstrip auf dem Chill-Out-Schiff dauert fünf Tage und führt von Rason zum Gebiet um den Berg Kumgang. Im Interesse der Passagiere kann man nur hoffen, dass der frühere Frachter nach seinem Umbau in besserer Verfassung ist als das rostende Senkblei im Hintergrund. Und wenn es schon mal Luxus gibt im Land der begrenzten Möglichkeiten, dann lassen die Autokraten auch schon mal was springen, beziehunsweise fliegen: ... ... Auf diesem Wege wurde das Ballon-Budget des Propagandaministeriums auf Jahre ausgereizt. Nicht nur an Deck hatten die Mitreisenden eine «Mordsgaudi», ... ... sondern auch unter der Wasserlinie, wo mit Karaoke für Bombenstmmung gesorgt wurde. Selbst ist der Nordkoreaner: Im Bordrestaurant laben sich die Passagiere am Selbstbedienungsbuffet. Ähnlich begeistert wie Nordkorea sind übrigens auch jene US-Reisebüros, die den Trip als Kuriosum in ihr Programm aufgenommen haben. Rief dieser Nordkoreaner: «Ich bin der König der Welt»? Wir wissen es ehrlich gesagt nicht. Ein chinesischer Journalist hält den Sonnenuntergang fest. Deutschland hat das «Traumschiff», die USA ihr «Love Boat» und Nordkorea seine «Mangyongbong». Allen drei einen herzlichen Glückwunsch! Der Mann mit der Sonnenbrille ist der Vize-Bürgermeister der nordkoreanischen Stadt Rason. Neben Hwang Chol Nam steht Park Chol Su von der Taepung International Investment Group. Die beiden repäsentieren offenbar das einfache Volk. Abschiedsgruss oder Hilferuf?

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Mit der Musik von «Love Boat» aus dem unten stehenden Video im Ohr, mit der «Mangyongbong» im Blick und mit Pjöngjang im Herzen kommt sofort Ferienstimmung auf.


«Love Boat», die Inspiration der «Mangyongbong». Quelle: YouTube

(phi)