Abhör-Affäre

05. Oktober 2010 12:58; Akt: 05.10.2010 13:03 Print

Knast für «Die Hard»-Regisseur

In «Die Hard» jagte John McClane Verbrecher, in der Realität wurde John McTiernan nun eines Verbrechens überführt: Der Regisseur des Films muss für ein Jahr hinter Gitter.

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Er ist nicht nur dazu da, Schwangeren durch ihre Umstände zu helfen. Die «Die Hard»-Filme belegen: Alkohol oder der dazugehörige Kater bilden auch die Grundlage, um eine Nation zu retten. Erstens saufen, zweitens Terroristen wegpusten. Vorsicht: Trinkende Kollegen am Arbeitsplatz sollten nach dieser Erkenntnis aus Gesundheitsgründen gemieden werden. Fälschlicherweise hatten viele angenommen, die magischen Worte würden nur im Kugelhagel nützen. Dabei weiss jeder Cowboy: Der Allrounder unter den Zitaten hilft auch bei diversen anderen Anlässen. Anwendungsgebiete: Strafzettelzustellung, Herzoperationen, Toiletten ohne Klopapier, Hochzeitsreden, Bienenangriffe, frühzeitige Ejakulation. Wer sich in Harlem verfährt und den Weg sucht, ist aufgeschmissen. Wer in Harlem jemanden sucht, der einem den ganzen Tag folgt und dabei unterstützt, Terroristen zu fangen, muss nur einen Schwarzen fragen. Er wird überglücklich seinen Job hinwerfen und bereitwillig helfen. Ein kleiner Tipp: Oft sind diese Jungs besonders komisch oder verrückt und erklären einem gerne den subtilen Unterschied zwischen Schwarz und Weiss. Wie vier Filme eindrucksvoll belegen, sind die Nachbarn aus dem Norden charakterliche Abgründe, menschliche Versager und böse bis aufs Blut. Diese Erkenntnisse sollten natürlich auf jeden Teutonen in privater Umgebung übertragen werden. Merke: Ein paar üble Franzosen wie im aktuellen Film runden das Bild des stinkenden Europäers ab. Ob NYPD oder LAPD: Solange du ein bis zwei Terroristen im Jahr fängst, hast du völlige Narrenfreiheit. Es ist in Ordnung, Befehle der Vorgestzten zu ignorieren, böse Buben zu töten statt vor Gericht zu bringen und Gebäude, Autos oder Helikopter zu zerstören. Berichte schreiben und andere langweilige Polizeiarbeit haben mit deinem tagtäglichen Job natürlich nichts zu tun.

Er zeigt uns, wo der Hase langläuft: John McClane alias Bruce Willis lehrt uns fünf einfache Regeln, mit denen wir den Alltag meistern können.

Fehler gesehen?

Eigentlich ist der Fall schon drei Jahre alt: 2007 verurteilte ein Gericht John McTiernan zu vier Monaten Gefängnis und einer Busse von 100 000 Dollar. Der Regisseur von Filmen wie «Hunt for Red October» oder «Predator» war beschuldigt worden, den Privatdetektiv Anthony Pellicano auf einen Produzenten angesetzt und die Behörden belogen zu haben, als diese ihn nach dem Schnüffler fragten.

Offenbar hatte McTiernan anno 2000 Charles Rovens Telefon abhören lassen: Die Filmleute hatten an einem gemeinsamen Projekt gearbeitet und der Regisseur misstraute seinem Produzenten. Das FBI konnte Tonbänder vorlegen, auf denen sich der Detektiv mit McTiernan über die Abhör-Aktion unterhält. Als die Behörde ihn darauf anspricht, lügt er die Beamten kurzerhand an.

Ein Berufungsgericht hob das Urteil 2008 trotz der Beweise auf. Die Staatsanwaltschaft erweiterte daraufhin die Klage und reichte sie im April 2009 wieder ein. Nun muss der 59-Jährige nicht für vier, sondern für zwölf Monate in den Knast, während die Geldbusse dieselbe bleibt. McTiernans Anwalt kündigte in der «Los Angeles Times» an, erneut gegen das Urteil vorgehen zu wollen.

(phi)