«Zu unsicher»

03. April 2019 04:52; Akt: 03.04.2019 09:32 Print

Lisa und Lena löschen ihren Tiktok-Account

Sie wurden auf der Lip-Sync-Plattform weltberühmt, nun sagen sie tschüss: Die deutschen Zwillinge Lisa und Lena haben ihr Tiktok-Profil mit über 30 Millionen Followern gelöscht.

Die Social-Media-Sensationen Lisa und Lena haben ihren Tiktok-Account gelöscht. (Video: Glomex/Tamedia)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Lisa und Lena (16) verkündeten am Samstag mit einem Instagram-Post, dass sie ihren Tiktok-Account deaktivieren werden. Diese Botschaft verwundert: Die eineiigen Zwillinge aus Stuttgart erlangten mit der Lip-Sync-Plattform weltweite Aufmerksamkeit und führten mit fast 33 Millionen Abonnenten den meistgefolgten Tiktok-Account.

Umfrage
Hast du auch einen Tiktok-Account?

Ausserdem ist Tiktok eine der erfolgreichsten Apps unserer Zeit: Die Plattform, die bis zum vergangenen August und vor der Übernahme durch den chinesischen Tech-Riesen ByteDance unter dem Namen Musical.ly bekannt war, ist von den meisten Handys der Generation Z nicht mehr wegzudenken. Im Jahr 2018 war sie laut dem «Business Insider» sogar die am häufigsten heruntergeladene App.

Der Entscheid von Lisa und Lena, ihren Account zu löschen, ist denn auch für viele ihrer Fans nicht nachvollziehbar. Hier drei der Gründe, wieso die deutschen Social-Media-Stars den Schritt gemacht haben.

1. Sie haben Tiktok satt

Lisa und Lena wollen sich in der Tiktok-Tanz-Lip-Sync-Dauerschleife nicht ewig wiederholen. «Wir haben das Gefühl, dass es an der Zeit ist, weiterzugehen», erklären die Zwillinge in einem handgeschriebenen Brief ihren 14 Millionen Insta-Followern den Ausstieg. «Wir werden älter und unsere Interessen verändern sich», schreiben sie weiter. Und: Sie würden weiterhin mit ihrer Community über Instagram, Youtube und Twitch in Kontakt bleiben.

Die Fans zeigen Verständnis, für einige kommt der Entscheid aber plötzlich: «Ich hätte niemals gedacht, dass ihr einmal aufhören werdet. Aber ich danke euch für die Zeit, auf der ihr auf Tiktok wart», lautet einer der Kommentare auf Instagram.

Für Daniel Koss, CEO der Schweizer Influencer-Agentur Yxterix ist klar, dass es sich um einen strategischen Business-Schritt handelt. Es sei ein guter Zeitpunkt, aufzuhören. «Sie hatten den grössten Account der Welt und würden in Zukunft bestimmt bald überholt werden. Jetzt können sie nochmal richtig Promo damit machen», so Koss. Imagetechnisch sei es cooler aufzuhören, wenn man an der Spitze ist.

2. Die App ist einigen Usern zu unsicher

Vergangenen Sonntag, einen Tag nach der Verkündigung des Tiktok-Aus, meldeten sich Lisa und Lena in einer Instagram-Story erneut zum Thema, da «viele Leute immer noch nicht verstehen» würden, wieso sie Tiktok gelöscht haben. «Wir sind dankbar für die 32,7 Millionen Leuten, die uns folgten, aber wir wollen keine App unterstützen, die nicht sicher ist.»

Damit nehmen sie wohl Bezug auf den Datenschutzskandal, mit dem Tiktok in den USA erst vor wenigen Wochen Schlagzeilen machte: Die Richtlinien der App entsprachen nicht dem Kinderschutz und Tiktok hatte ohne elterliche Zustimmung Namen, E-Mail-Adressen und sonstige Daten von unter 13-Jährigen verwendet, wie die United States Federal Trade Commission am 27. Februar urteilte.

Die Konsequenz: Das chinesische Unternehmen musste 5,7 Millionen Dollar Busse bezahlen und die Richtlinien verschärfen. Ein Mindestalter wurde nun eingeführt: Wer die Social-Media-Plattform nutzen möchte, muss mindestens 13 Jahre alt sein.

Dass Tiktok in Bezug auf Kinderschutz problematisch sein kann, davor warnt auch die Stadtpolizei Winterthur in einer Mitteilung: Es komme vermehrt vor, dass Kinder auf dem Netzwerk blossgestellt, beleidigt oder gemobbt würden, trotz «sicherheitsrelevanten Diensten», die gemäss Tiktok in die App integriert sind. Die Stadtpolizei rät deswegen, dass Eltern genau hinschauen und die Thematik mit ihren Kindern ansprechen sollen.

3. TikTok bietet weniger attraktive finanzielle Möglichkeiten

Je mehr Follower eine Influencerin oder ein Influencer hat, desto mehr Geld kann sie oder er pro bezahlten Post verlangen. Das ist auch bei Tiktok der Fall, jedoch sind die Möglichkeiten auf der Video-Plattform bedeutend eingeschränkter: So kann man beispielsweise keine Links auf seinem Profil oder den Posts verlinken, wie das bei Instagram der Fall ist.

Weil auf Tiktok lediglich Videos von einer maximalen Länge von 15 Sekunden hochgeladen werden können, ist es damit bedeutend schwieriger, gesponserte Produkte zu promoten.

Viele Tiktok-Stars nutzen deswegen andere Social-Media-Plattformen, um Produktplatzierungen zu machen. Lisa und Lena haben zu dem Aspekt zwar nichts gesagt – ein weiterer Grund für ihr Tiktok Aus ist es aber allemal. Experte Daniel Koss sagt: «Lisa und Lena wollen mehr Aufmerksamkeit auf ihren anderen Kanälen erhalten, wo sie durch Brand-Kooperationen deutlich mehr verdienen.»

Zudem würden die beiden sich von ihrem Influencer-Image wegentwickeln – was letztlich höhere Gagen bringen kann, sagt Daniel Koss. «Aktuell wollen viele aus der Online-Welt dieses Bekannt-aus-dem-Internet-Image verlieren.»

Ziehen jetzt weitere Tiktok-Stars nach?

In den vergangenen Monaten zogen auch andere Tiktok -Stars einen Schlussstrich mit der gehypten App: Comedian Bart Baker, der fast 5,2 Millionen Abonnenten hatte, hat seinen Account ebenfalls deaktiviert.

Und die Amerikanerin Kristen Hancher, die mit 21,6 Millionen Abonnenten zu den bekanntesten Usern gehört, äusserte sich in einem Post nicht nur positiv über Tiktok : «Seit Musical.ly zu Tiktok wurde, haben sich die Werte der Plattfrom verändert. Und mit vielen dieser Werte stimme ich nicht überein.» Der Clip wurde von der Plattform gelöscht.

(mim)