Kritik am Sonntagskrimi

15. August 2011 09:54; Akt: 15.08.2011 17:57 Print

Luzerner «Tatort» – «Schweizer Käse»

Die am Sonntag ausgestrahlte Schweizer «Tatort»-Folge kommt in den deutschen Medien schlecht weg. Vor allem Sofia Milos, die Sprache und die Inszenierung werden kritisiert.

Bildstrecke im Grossformat »
Meedia.de: «Dass Frau Milos mit ihrer Lockenpracht wie Falschgeld durch den Film stöckelt und noch dazu grauenhaft synchronisiert wurde, ist am Anfang durchaus gewöhnungsbedürftig. Gegen Ende des Film kann man der bescheuerten Idee mit der US-Austauschpolizistin aber sogar einen gewissen trashigen Unterhaltungswert abgewinnen. Immer noch besser als die Betroffenheits-Visagen, die sonst im ‹Tatort› leider allzuoft zur Schau getragen werden.» Stern.de: «Insgesamt hinterlässt der erste Fall einen zwiespältigen Eindruck: Der Film besticht durch tolle Schauplätze, hinreissende Landschaftsaufnahmen und kühle Architektur. Er ist rasant und bietet Action wie in einem Hollywood-Film, auf der anderen Seite sind die Dialoge oft behäbig, immer geht Tempo verloren. Vielleicht ist das alles typisch Schweiz: Die Uhren ticken in der Alpenrepublik nicht langsamer, aber einfach anders.» Bild.de: «Über zehn Jahre hatten die Schweizer keinen eigenen ‹Tatort›. Und Millionen Krimi-Fans dürften sich nach DIESER Folge gestern Abend wünschen, das wäre so geblieben ... […]Mindestens zwei weitere Fälle soll Kommissar Flückiger in Luzern noch lösen - ohne Milos. Laut SRF wird bei der ARD erst noch entschieden, ob die Käse-Krimis auch bei uns laufen ...» Spiegel.de: «So die kriminalistische Gemengelage - aus der im Laufe des Films leider so gut wie keine Spannung erwächst. Sämtliche Figuren bleiben unscharf, zudem agieren sie zuweilen wie Schlafwandler, die Anspielungen auf den realen Polit-Betrieb bleiben im Ungefähren. […]Will es sich das Schweizer Fernsehen durch diese ‹unklischierte Darstellung› bewusst nicht mit der mächtigen Rechtspartei verderben - oder ist man besorgt um die Aussenwirkung der Schweiz in den Nachbarländern Österreich und Deutschland? Beides wäre eine Kapitulationserklärung des SRF. […]Den Start in den ‹Tatort›-Verbund haben die Schweizer so oder so vermasselt. Grüezi, Tristesse!» Faz.net: «[Sofia Milos] mischt die allenthalben spürbare Gediegenheit des Luzerner Polizeimilieus sehr passabel auf, ohne dabei ihren, wie sie selbst sagt, ‹Exotenbonus› - Amerika, Frau, attraktiv - zu überreizen. Und von Markus Imboden ist zu sagen, dass er aus dem Drehbuch von Nils-Morten Osburg einen durchgängig evidenten Fernsehfall entwickelt hat […].Gubsers Flückiger ist zudem einfach ein sympathischer Kerl ohne erkennbare Seelenprobleme oder zurückliegende Lebenskatastrophen - allein seine selbstverständliche Normalität ist wohltuend angesichts so vieler polizeilicher Psychokrüppel, die beileibe nicht nur beim ‹Tatort› auf dem Bildschirm erscheinen.» freitag.de: «Ein anderes Problem des Tatort ist die Nachsynchronisation für den untertitellesefaulen deutschen Fernsehzuschauer. Es lässt die Folge billig wirken wie einen Kung-Fu-Film aus den siebziger Jahren auf RTL2, weil da immer ein Abstand ist zwischen den Lippen und den Worten, und es reduziert das Schweizerische am Schweizer Tatort auf putzige Helvetismen wie ‹Dem sagt man Gedankenübertragung› oder ‹Wenn sie nicht sofort umparkieren, gibt es eine Busse›. Dabei ist es gerade die Putzigkeit, die der Schweiz Unrecht tut, wenn nicht Gewalt an-. Kein erwachsenes Land dieser Erde will dauernd von dem grösseren Nachbarland, das der Meinung ist, zu wissen, wie der Hase läuft, weil es dialektale Verwandschaften gibt, über den Kopf gestreichelt werden. Die Schweiz hat doch auch Gefühle, und die kommen bestimmt besser zum Ausdruck, wenn sie sich nicht laufend einem mehrheitsdeutschen Hochsprachensnobismus unterwerfen muss, der dann trotzdem noch über sie schmunzelt.» Kölner stadtanzeiger: «Die ARD bemängelte obendrein die hochdeutsche Synchronfassung des auf Schwyzerdütsch gedrehten Films. Wappler ordnete Überarbeitung an. Es wurde nachgedreht, angeblich für die Summe von 100 000 Franken, die das SRF nicht kommentieren will. […] Wenn einmal der Wurm drin ist - dann bleibt er drin. Die Story ist unübersichtlich, unspannend und uninspiriert inszeniert geblieben.» Hamburger Abedblatt: «Aufnahmen der prachtvollen Alpenregion rund um den Vierwaldstättersee sorgen daher dafür, dass die Bilderbuchschweiz zu ihrem Recht kommt. Ausgerechnet die einzige vorsätzliche Verschweizerung gereicht dem Film dagegen zum Nachteil: Die Schauspieler haben sich selbst neu synchronisiert und reden nun ein sehr künstlich klingendes Fernseh-Schwyzerdütsch. […] Die Geschichte ist interessant, Gubser sehenswert, Milos zumindest sexy. Dass der Film dennoch enttäuscht, liegt nicht zuletzt am überschaubaren Tempo der Inszenierung.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Neugier auf den Schweizer «Tatort: Wunschdenken» war gross. Nach der Ausstrahlung der Folge «Wunschdenken» stellte sich allerdings bei vielen Zuschauern Ernüchterung ein. Zumindest wenn man die zum Teil vernichtenden Kritiken in den Medien als Massstab nimmt (siehe Bildstrecke oben).

Umfrage
Teilen Sie die Kritiken oder die positiven Stimmen zur Tatort-Folge «Wunschdenken»?
31 %
40 %
29 %
Insgesamt 2473 Teilnehmer

«Grüezi Tristesse», brachte der «Spiegel» den Schweizer Tatort auf einen Nenner. In anderen Medien ist von «trashiger Unterhaltung», von einem «zwiespältigen Eindruck» und von «Käse-Krimi» die Rede. Die Folge sei «unübersichtlich, unspannend und uninspiriert».

Immerhin: «FAZ.net» spricht von einem «durchgängig evidenten Fernsehfall».

Wie haben Sie den Schweizer Krimi erlebt? Teilen Sie die Kritiken oder Pluspunkte, die die Medien angeführt haben? Stimmen Sie in den Polls ab und sagen Sie uns Ihre Meinung im Talkback unten!

Interviews zum Schweizer Tatort. (Video: Keystone)

(phi)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brumm B am 15.08.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Halt nur Tatort

    Tatort ist halt nur Tatort, was erwartet ihr denn? Sofia Milos ist absolut sehenswert und das reicht. Schade dass sie schon wieder weg ist, wieso auch immer.

  • Filmkritiker am 15.08.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Dialekte?

    Warum muss in einem Film der in Luzern spielt, jeder Schauspieler einen Dialekt aus einem anderen Kanton haben??

    einklappen einklappen
  • Peter am 15.08.2011 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatort

    Ich fand den Schweizer Tatort so mittelmäßig. Die Story ist gut, wenn sie einfacher zu verstehen gewesen wäre. Die Rolle der amerikanischen Austauschpolizistin Abi ist billig und unnötig. Zur deutschen Fassung sage ich nur schlechte Synchronisation.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicole am 17.08.2011 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Fremdschämen

    Liebes Schweizer Fernsehen.. Der Tatort vom Sonntag war ja wohl einfach nur oberpeinlich!! Die Geschichte an sich könnte man ja vielleicht noch leben lassen..Aber bis auf zwei Akteure fielen die anderen nur deshalb auf, dass jede Gerichtssendung in DE fähigere Leute hat..Und dann dieses saudoofe Hochdeutsch kriegt wohl jeder Schüler der zweiten Klasse besser hin. Übt ihr diesen megapeinlichen Akzent eigentlich in der Schauspielschule? Wenn ja dann gute Nacht! Lasst die Finger doch besser ganz von eigenen Tatortfolgen und schickt lieber den Stefan Gubser öfter zu Tatort Konstanz.

  • Elsbeth Thalmann am 17.08.2011 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Tatort-Krimi vom Sonntag, 14.8.11

    Sehr geehrte Damen und Herren von 20 Minuten: Ich fand den Krimi EINSAME SPITZE. Stefan Gubser natürlich, engagiert. Seine Partnerin eine Augenweide, auch sehr professionell, die Handlung spannend, die Erotik knisternd - ohne triebhafte Fleischschau - kurz, mir gefiel er über alle Massen und weit besser, als alles bislang Dagewesene. Herzlichen Dank und weiter so! Den "Verriss" finde ich echt unangebracht.

  • Wolfgang Russ aus der Region Stuttgart am 16.08.2011 00:34 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Unterhaltung

    Meinen Töchtern und mir hat der Film sehr gut gefallen!

  • Bobby am 16.08.2011 00:07 Report Diesen Beitrag melden

    Not that Bad!

    Die Lovestory war ein wenig trivial, aber nicht unüblich bei höheren Beamten. Die Stimmung im Polizeiapparat war sehr gut getroffen. Kompliment.......

  • Achim am 16.08.2011 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    Kultur???

    Würden die Kölner Kommissare "Regional bedingt" Kölsch reden, würde kein Mensch ausserhalb Köln auch nur ein Wort verstehen! Alles Ausreden hier... Frau Wappler soll am besten ihren Platz räumen! Kulturschaffende zu sein, heisst nicht, alles zu können!