Mann des Jahres

20. Dezember 2018 11:12; Akt: 20.12.2018 11:15 Print

In Hollywood ist gerade keiner cooler als Jonah Hill

Die Karriere des 35-Jährigen kam trotz Oscar-Nominierungen nie recht in Fahrt. Seit Jonah Hill sich weniger bemüht, ist er beliebter denn je.

Bildstrecke im Grossformat »
So kennen wir ihn: Adrett mit Doppelkinn auf dem roten Teppich und doch immer im Schatten der Kollegen. An den Oscars 2012 war Jonah Hill zwar selbst nominiert, bewundernde Blicke ernten aber Stars wie Gwyneth Paltrow, auch ohne Preisaussicht. Wir spulen zurück: Die High-School-Comedy «Superbad» war 2007 Hills erstes Karriere-Hoch. Der Film legte den Pfad fürs zähe Fett-und-funny-Image. Ein Jahr später stand er bereits süss und bemüht auf dem roten Teppich der Oscars – aber noch weit weg vom polierten Hollywoodstar. An den Kids' Choice Awards 2010 ist Hill schon kommerziell bekannt und nicht nur bei Katy Perry beliebt. Den Hollywood-Hotshot erkennt in Perrys Kollegen da noch kaum jemand. Im selben Jahr spielte Hill neben Russell Brand in der Buddy-Comedy «Get Him to the Greek» und gab seinem inzwischen bewährten Funny-Face-Image Feuer. Der erste ernsthafte Versuch zum Kurswechsel kam 2011: Neben Brad Pitt und Philip Seymour Hoffman spielte Jonah Hill im Biopic «Moneyball». Die Rolle des Manager-Assistenten im Baseball-Universum brachte dem Schauspieler seine erste Oscar-Nominierung (und den Red-Carpet-Moment mit Gwyneth Paltrow) ein. Im selben Jahr erscheint er mit halbierter Körpermasse an den MTV Video Music Awards in Los Angeles. Man munkelte, es sei sein Versuch, an ernstere Rollen zu kommen. Schlanker als früher ist Hill auch als Undercover-Cop in «21 Jump Street» und der Spring-Break-Fortsetzung «22 Jump Street» noch. Neben einem aufgebufften Posterboy wie Channing Tatum wirkt er trotzdem witzig wie eh und je. Die «Jump Street»-Filme werden zum Mainstream-Erfolg, Hill und Co-Star Tatum sind seither eng befreundet und treiben auch abseits der Leinwand gern Schabernack, wie hier 2016 an den Golden Globes. Hill ist damals durchaus erfolgreich, aber in erster Linie wieder Clown. Besonders glücklich sieht er dabei nicht aus. Dabei hatte er 2014 seinen grossen Auftritt neben Leonardo DiCaprio in «The Wolf of Wall Street». Der Film brachte ihm seine zweite Oscar-Nominierung ein. Die Zusammenarbeit mit Martin Scorsese und DiCaprio brachte viel Prestige, finanziell war sie für Hill aber erst mal wenig lukrativ: Während des zähen siebenmonatigen Drehs verdiente er 60'000 US-Dollar – DiCaprio hingegen im zweistelligen Millionenbereich. Doch die Freundschaft zu DiCaprio, die währt. Aktuell produzieren die beiden den Clint-Eastwood-Film «The Ballad of Richard Jewell» um das Bombendrama an den Olympischen Spielen 1996. Diesmal wird Hill den Lead spielen, während DiCaprio Gerüchten zufolge in der Nebenrolle unterstützt. In Rollen mit Tiefgang scheint Jonah Hills Potenzial zu liegen. Nach ruhigeren Jahren war der heute 35-Jährige im August neben Joaquin Phoenix in Gus Van Sants «Don't Worry, He Won't Get Far on Foot» zu sehen. Sein Leinwand-Comeback gilt unter Kritikern bereits wieder als oscarwürdig. Seit dem Mini-Break setzt Hill seinen Fokus auch privat neu. Sichtbar in einer Reihe Tattoos, die der Schauspieler in den letzten Monaten anhäufte. Der «Hello, Beanie!»-Schriftzug am Unterarm ist seiner kleinen Schwester Beanie Feldstein gewidmet. Seit März zeigt sich Hill auf Instagram. Auch da steht die Familie immer wieder im Zentrum. Zum Geburtstag teilte der Schauspieler ein Throwback-Pic mit Beanie. Wenig später ein aktuelles mit dem Grosi. Der neue Fokus aufs Wesentliche mag mit dem plötzlichen Tod von Jonahs Bruder, Musikmanager Jordan Feldstein, im vergangenen Dezember zusammenhängen. Dass mehr Zeit mit der Familie dem Schauspieler guttut, steht bei Bildern wie diesem ausser Frage. Hills neues Lebensgefühl scheint sich durch alle Lebensbereiche zu ziehen. Im Mai trifft er an der Met-Gala Designer John Galliano und kommentiert: «Bey und J, Kid und Play, PB und J und jetzt Galliano und Hill. Manche Duos funktionieren einfach». Sweet. Ebenfalls an der Met-Gala: Jonah Hills Hip-Hop-Connection Migos. Die Jungs kennen sich seit Teenagertagen. Wenig später darauf jettet er am 1. Juni an Kanye Wests «Ye»-Pre-Listening-Party nach Wyoming. Genau wie Rapper Nas, Chris Rock und die restlichen exklusiv geladenen Gäste. Deplatziert wirkt der 35-Jährige längst nicht mehr. Familie, Mode, Hip-Hop: Der Schauspieler besann sich in den letzten Jahren zurück auf seine Wurzeln und reflektierte sein Erwachsenwerden in seinem ersten Projekt als Regisseur. Am 9. September feierte «Mid90s», eine Coming-of-Age-Geschichte um eine Gruppe Skater-Kids in Los Angeles, am Filmfestival in Toronto Weltpremiere. Ab dem 18. Oktober zeigten auch reguläre Kinos in den Staaten den Film; einen Schweizer Verleih gibt es nicht. Sein Debütfilm brachte Hill gute Kritiken samt einer Auszeichnung als Top Independent Film des Jahres 2018 ein. Das renommierte «New York Magazine» widmete dem Neo-Regisseur sein September-Cover. Inmitten der Filmpromo ging die sehnlichst erwartete Netflix-Produktion «Maniac» am 21. September global online. Im Sci-Fi-Drama spielt Hill die Hauptrolle neben Emma Stone. Die gesellschaftskritische Netflix-Serie war ein weiterer Schritt weg vom festgefahrenen Fett-und-funny-Stempel. In seiner Novemberausgabe widmete auch das Magazin zur wichtigen US-Wirtschaftszeitung «Wall Street Journal» Hill eine Titelseite – und einen Award als Innovator of the Year. Zur Verleihung am 7. November kam auch Channing Tatum. Er überreichte seinem guten Freund auf der Bühne den Preis. Mitte November machte schliesslich auch das Lifestyle-Magazin «GQ» Jonah Hill zum Coverstar und ernannte ihn zu einem seiner Männer des Jahres. Selbst sollte ihm der öffentliche Image-Wandel nicht gelingen: Zumindest bei sich selbst scheint Jonah Hill 2018 angekommen zu sein. Und das ist ja eh cooler als jedes noch so glamouröse Karriere-Update.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als zynischer Dicker in Filmen wie «Superbad» oder «This Is the End» wurde Jonah Hill, der heute seinen 35. Geburtstag feiert, berühmt. Diese Erfolge schürten aber eben nicht nur sein Image, sie leiteten lange auch die Karriere des Amerikaners.

Umfrage
Hat Jonah Hill das Zeug zum grossen Hollywood-Star?

Für seine Rolle neben Brad Pitt im Baseball-Drama «Moneyball» (2011) gab es zwar Branchenlob samt Oscar-Nominierung, aber die drastische Gewichtsabnahme darum herum blieb auf keiner Ebene nachhaltig.

Der Karriere-Kick-off nach dem Knick

Wieder dick, erspielte sich Hill neben Leonardo DiCaprio in «The Wolf of Wall Street» 2014 eine weitere Oscar-Nominierung. Doch während Hill der Prestige-Job 60'000 US-Dollar einbrachte, sackte Martin Scorseses Star DiCaprio eine zweistellige Millionen-Gage ein.

Selbst als Hill 2015 dann doch auf der «Forbes»-Bestverdiener-Liste landete, reichte es ihm nie wirklich zu durchschlagendem Mainstream-Erfolg. Er gönnte sich eine Pause. Und siehe da, 2018 poppt der 35-Jährige plötzlich voller Potenzial auf allen Kanälen auf.

Hier sind 5 Gründe für Jonah Hills (späten) Erfolg:

1. Er stellt sich beruflich breiter auf

Hill beteiligt sich schon länger als Autor an Drehbüchern, etwa für «21 Jump Street» und «Why Him?». Im September zeigte er am Toronto International Film Festival mit dem Coming-of-Age-Film «Mid90s» seine erste Regiearbeit. Renommierte Medien vom «New York Magazine» bis zur «GQ» ehrten das Gesamtpaket mit Titelseiten.


Der Trailer zu «Mid90s». (Video: A24)

2. Er ist eng mit der Hip-Hop- und Modeszene verbandelt

Aus seiner Liebe für Hip-Hop machte Hill nie einen Hehl. Der Eminem-Look in «21 Jump Street» habe er sich auf den Leib geschrieben, am 1. Juni streamte der Schauspieler live von Kanye Wests Pre-Listening-Party in Wyoming.

Mit Designern von gefeierten Modelabels wie Proenza Schouler oder dem Skater-Brand Palace ist Jonah Hill so eng, dass er sich auch mal für alberne Promo einlullen lässt.


Vor zwei Jahren machte Jonah Hill Werbung für die Palace-x-Reebok-Kooperation. (Quelle: Youtube/John McFarlan)

Hills Karrierevorteil: Die Mode- wie auch die Hip-Hop-Szene sind in der Regel Trendorakel – nicht zuletzt, weil deren Power-Player die Möglichkeiten haben, Karrieren zu pushen.

3. Er spielte den Lead in der coolsten Netflix-Serie des Jahres

Im Sci-Fi-Drama «Maniac» erzählt Erfolgsregisseur Cary Fukunaga (41, «It», «True Detective») mit so trippy wie ästhetischen Bildern sowie satirischer Storyline ein im Kern gar nicht mal so realitätsfremdes Zukunftsszenario. Der Cast um Emma Stone, Justin Theroux und Sally Field brillierte, allen voran Hill.


Der Trailer zu «Maniac». (Video: Netflix)

4. Er hat seine Mitte gefunden

Und das nach Karriere- wie Gewichts-Jo-Jo und privaten Schicksalsschlägen – sein Bruder, Musikmanager Jordan Feldstein, starb vergangenes Jahr kurz vor Weihnachten überraschend an einem Herzinfarkt – ganz generell im Leben.«Ich habe meine Zwanziger damit verbracht, zu versuchen, so zu sein, wie andere mich wollen», erzählt Hill Talkmaster Jimmy Kimmel. Jetzt er selbst zu sein, sei grossartig.

5. Er ist zurück im Oscar-Rennen

Auch als Schauspieler ist Jonah Hill aktuell in Bestform. In seiner Rolle als reicher Los-Angeles-Hippie und AA-Betreuer des querschnittgelähmten Cartoonisten John Callahan (Joaquin Pheonix) in «Don't Worry, He Won't Get Far on Foot» gilt Hill unter Kritikern aktuell wieder als Oscar-Anwärter.


Der Trailer zum Kritikerhit «Don't Worry, He Won't Get Far on Foot» mit Jonah Hill. (Video: Filmcoopi)

(mel)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 20.12.2018 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Cooler Typ

    Ich mag seine Schauspielerischen Darstellungen, kann ein grosser werden

  • Der Wolf am 20.12.2018 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Jonah Hill

    Der Typ ist einfach genial!

  • Filmfan am 20.12.2018 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Gönnen und so

    Fand seine Filme schon immer sehr witzig. Cooler Typ!

Die neusten Leser-Kommentare

  • t.t. am 20.12.2018 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    War Dogs

    Einer meiner lieblings-Schauspieler! Auch in War Dogs zeigte sich sein schauspielerisches Talent von der besten Seite!

  • Word am 20.12.2018 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Evan Peters

    Mich hat persönlich die Wandlungsfähigkeit von Evan Peters (American Horror Story) schwer beeindruckt. In jeder Saison spielt er einen völlig unterschiedlichen Charakter als zuvor, und das absolut überzeugend. Ich finde da gibt es sehr wenige, die da mithalten können.

  • Skater am 20.12.2018 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Finde ihn super

    Inspirierend und auf dem Boden geblieben. Schön wie er von diesen eher trotteligen Rollen in ernste Rollen geschlüpft ist. Denn sein Fachwissen und Talent ist sehr gross. Und ich kann es als Kind der Ära von Mid90s und ehemaliger Skater kaum erwarten den Film zu sehen.

  • Nevada91 am 20.12.2018 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cooler Typ 

    Ich lieb den Typ!

  • Lena am 20.12.2018 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist das

    Wer ist der Brtli 08/15 ?