07. April 2005 18:02; Akt: 07.04.2005 18:08 Print

Monaco: Drei Monate Trauer tragen

Die Fürstenfamilie wird drei Monate Trauer tragen, Staats- und Gemeindebedienstete einen Monat.

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Die rotweisse Landesfahne auf Halbmast auch in Fenstern und auf Balkonen, in den Schaufenstern zugesperrter Geschäfte Fürstenporträts mit Trauerflor, Staatsdiener in Schwarz - Monaco trauerte am Tag nach dem Tod von Rainier III. . «Ich habe unseren Felsen selten so verlassen gesehen», sagte ein Passant und zeigte auf die menschenleeren Gässchen der Altstadt. Während eine Flut von Beileids-E-Mails aus aller Welt das Fürstenhaus erreicht, legen Untertanen Blumen vor dem Palast der Grimaldis nieder.

Kronprinz Albert, der künftige Fürst Albert II., bleibt beim toten Vater und damit der Beisetzung von Papst Johannes Paul II. in Rom fern. Monaco trauert nach strengsten Regeln um den beliebten «Seigneur», der den Mini-Staat an der Côte d'Azur knapp 56 Jahre lang regierte.

Drei Monate lang in Schwarz

Die Fürstenfamilie wird drei Monate Trauer tragen, Staats- und Gemeindebedienstete einen Monat. Auch wer wann Abschied nehmen darf von dem in einer Kapelle des Palastes aufgebahrten Rainier, hat die Staatsführung bis ins Detail festgelegt.

Nach der fürstlichen Familie werden am Montag die Diplomatenschar und Vertreter anderer Staaten exklusiv zum Verstorbenen vorgelassen.

Gaffer unerwünscht

Am Sonntagnachmittag sowie am Dienstag und Mittwoch sind die echten Monegassen an der Reihe sowie diejenigen, die eine Residenz im Steuerparadies des Jet-Sets nachweisen können. «Von aussen kommende Besucher», also Touristen und Neugierige, dürfen keinen Blick auf den Leichnam werfen.

Zahlreiche Prominenz aus Politik und Königshäusern erwartet das Fürstentum zur Beisetzungsfeier am 15. April in der Kathedrale von Monaco. Erzbischof Bernard Barsi hält die Trauermesse. Sie wird auf Grossleinwände in sechs Kirchen übertragen.

Halbmast ist in Monaco bis zum Tag nach der Messe geflaggt. Dann wird Rainier in der Krypta der Kathedrale neben seiner dort seit 1982 ruhenden Ehefrau beigesetzt.

Casinos und Schulen bleiben an dem Tag geschlossen. Firmen, Büros und Geschäfte sollen sich anschliessen. Der Fussballclub AS Monaco sagte sein Sonntagsspiel ab. Das am Wochenende beginnende ATP-Tennisturnier von Monte Carlo und das Formel-Eins-Autorennen im Mai finden dagegen statt.

Beileid aus Amerika

US-Präsident George W. Bush würdigte das Lebenswerk des Fürsten. Rainier werde als «angesehener Führer» in Erinnerung bleiben, der den Wohlstand seines Volkes gesichert habe, hiess es in Washington.

Monaco - den zweitkleinsten Staat der Erde - kannten viele Amerikaner erst seit der Traumhochzeit Rainiers 1956 mit Hollywood- Schauspielerin Grace Kelly, die so zur Fürstin Gracia Patricia wurde. Kellys Mutter hatte damals verkündet: «Meine Tochter heiratet einen Prinzen aus Marokko.»

Grosse Fussstapfen

Die Medien gingen bereits der Frage nach, ob der 47-jährige Alberts das Rüstzeug habe, um in die grossen Fussstapfen seines Vaters zu treten.

Der Autor und Monaco-Kenner Frédéric Laurent beruhigte gleich in mehreren Zeitungen: «Rainier war ein - eher konservativer - Fürst nach dem Muster des 19. Jahrhunderts. Der liberalere Albert wird eindeutig ein monegassischer Regent des 21. Jahrhunderts sein.»

Neuer Nationalfeiertag

Rainier III. war am Mittwochmorgen 81-jährig an Lungenentzündung gestorben. Nach seinem Tod wird auch der Nationalfeiertag von Monaco verlegt.

Bislang wurde er am 19. November begangen, an dem in Frankreich der Namenstag des Heiligen Rainer von Pisa gefeiert wird. Künftig ist es der 15. November, der Namenstag des deutschen Kirchenlehrers Albertus Magnus.

(sda)