Sexvideo-Affäre

11. Januar 2011 14:28; Akt: 11.01.2011 14:44 Print

Mosley will Medien an die Kette legen

Nach der Affäre um ein Sexvideo will der frühere Motorsportchef Max Mosley die Medien gerichtlich disziplinieren. Sie sollen Prominente «warnen», bevor eine Story erscheint.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der 70-Jährige erschien am Dienstag persönlich zu einer Anhörung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. Der ehemalige Präsident des Internationalen Automobilverbandes FIA wirft der britischen Regierung vor, ihn nicht ausreichend vor der Veröffentlichung des Videos in der Boulevardpresse geschützt zu haben. Damit habe Grossbritannien gegen das Grundrecht auf Schutz der Privatsphäre verstossen.

Im Mittelpunkt des Rechtsstreits steht ein Video, das im Frühjahr 2008 vom Revolverblatt «News of the World» auf seiner Website veröffentlicht wurde und das Mosley bei Sado-Maso-Spielen mit Prostituierten zeigte. Mosley klagte vor einem Londoner Gericht wegen Verletzung seiner Privatsphäre und erhielt rund 120 000 Franken Schadensersatz zugesprochen. Doch das genügte dem früheren Motorsportboss nicht.

Ende für «Kiss and Tell»-Storys

Konkret verlangt Max Mosley in Strassburg, dass die britischen Medien künftig Personen von öffentlichem Interesse vorab informieren müssen, wenn eine Geschichte über sie veröffentlicht werden soll. Damit sollen diese die Möglichkeit erhalten, vor Gericht eine einstweilige Verfügung zu beantragen. Das wäre faktisch das Ende so genannter «Kiss and Tell»-Storys, doch auch «seriöse» Medien bekämpfen Mosleys Antrag. Sie fürchten Einschränkungen für den investigativen Journalismus und die Arbeit der Medien generell.

Ein Vertreter der britischen Regierung wies die Vorwürfe vor dem Strassburger Gericht zurück. Die britische Justiz habe sich um ein Gleichgewicht zwischen dem Recht auf Privatleben und dem Recht auf Pressefreiheit bemüht, sagte er. Mosley zeigte sich aber zuversichtlich: Die Richter hätten «sehr wohl verstanden, worum es in dieser Affäre geht», sagte er nach der Anhörung. Das Urteil wird erst in einigen Monaten erwartet.

(pbl/ap)