R&B-Star

23. Februar 2019 16:58; Akt: 23.02.2019 17:05 Print

Polizeifoto von R. Kelly veröffentlicht

Der US-Sänger R. Kelly hat sich nach den neuen Anschuldigungen wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen der Polizei gestellt.

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Plädiert auf unschuldig: R. Kelly (rechts) mit seinem Anwalt Steve Greenberg. (25. Februar 2019) R. Kelly wird mehrfacher sexueller Missbrauch vorgeworfen: Am Freitagabend stellte er sich der Polizei. (22. Februar 2019) Sein Anwalt Steve Greenberg richtete sich daraufhin an die Medien. Der Sänger sitzt seither in Haft. Mittlerweile wurde das Polizeifoto des Sängers, der sogenannte «Mugshot», veröffentlicht. 2013 sang Lady Gaga zusammen mit R. Kelly «Do What U Want (With My Body)» – einen «trotzigen» und «provokativen» Song, wie sie ihn heute nennt. Jetzt will sie ihn aus dem Netz verbannen. Im November 2013 performten die beiden Musik-Superstars gemeinsam in der Show «Saturday Night Live». Heute will Gaga nichts mehr mit R. Kelly zu tun haben. Dem Musiker wird seit Jahrzehnten sexueller Missbrauch vorgeworfen. Mit der Doku-Serie «Surviving R. Kelly» werden ... ... die Anschuldigungen aufs Neue thematisiert, immer mehr Prominente wenden sich inzwischen vom Superstar ab. Darunter ... ... Musiker John Legend, der sich in der Doku auf die Seite der Frauen stellt. «Ich glaube diesen Frauen und werde verdammt noch mal nicht einen Serien-Kindervergewaltiger verteidigen. Einfache Entscheidung», so Legend. Erst kürzlich gewann Lady Gaga einen Golden Globe für ihren Filmsong «Shallow». Sie ist selbst Missbrauchsopfer und habe das Stück mit R. Kelly in einer «düsteren Phase meines Lebens gemacht», meldet sie sich nun zu Wort. In «CBS This Morning» nahm R. Kelly Stellung zu den Vorwürfen. Die Sendung veröffentlichte einzelne Ausschnitte aus dem Interview. Das ganze Interview soll am Mittwoch und Donnerstag ausgestrahlt werden.

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R. Kelly, gegen den ein Haftbefehl vorlag, meldete sich am Freitagabend bei der Polizei in Chicago und wurde in Gewahrsam genommen, wie ein Polizeisprecher sagte. Am Samstagnachmittag sollte er einem Haftrichter vorgeführt werden.

Kelly wird von der Staatsanwaltschaft des schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in zehn Fällen beschuldigt. Nach Angaben von Staatsanwältin Kim Foxx stammten die Fälle aus den Jahren 1998 bis 2010 und betreffen vier Opfer, darunter drei Minderjährige zwischen 13 und 16 Jahren.
Der 52-jährige Kelly sieht sich seit Jahrzehnten mit dem Vorwurf konfrontiert, minderjährige Frauen missbraucht zu haben.

2008 freigesprochen

1994 heiratete er die damals 15-jährige R&B-Sängerin Aaliyah, deren Debüt-Album «Age Ain't Nothing But a Number» er produzierte. Später wurde ihre Ehe annulliert. 2001 kam Aaliyah bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
Ein Jahr später wurde gegen Kelly Anklage wegen Kinderpornographie erhoben, doch wurde er im Jahr 2008 freigesprochen. Er blieb allen Vorwürfen zum Trotz erfolgreich.

Doch seit einem explosiven Dokumentarfilm im Januar reissen die Enthüllungen nicht mehr ab. In der sechsstündigen Dokumentation des US-Senders «Lifetime» beschuldigten mehrere Frauen den Sänger, Sex mit Mädchen unter 16 Jahren gehabt zu haben.

«Weitere belastende Videos»

Andere Zeugen versichern, der durch Hits wie «I Believe I Can Fly» bekannte Musiker habe Frauen wie Sexsklavinnen gehalten. Als Konsequenz kündigte das Plattenlabel RCA inzwischen die Zusammenarbeit mit Kelly auf. Nach Angaben des Opfer-Anwalts Michael Avenatti werden die neu aufgekommenen Anschuldigungen durch ein aufgetauchtes Video untermauert, das den Sänger beim Sex mit einer Minderjährigen zeigen soll. Avenatti hatte bereits vor einigen Tagen mitgeteilt, das Video an die Ermittler in Kellys Wohnort Chicago übergeben zu haben.

Nun will der Anwalt im Besitz eines zweiten und bald auch eines dritten Videos sein. Avenatti will nach eigenen Angaben auch gegen das Umfeld des Sängers vorgehen, das über mehr als zwei Jahrzehnte geschwiegen habe, weil sie «die goldene Gans nicht schlachten wollten».

Mit Drogen und Alkohol vollgepumpt

Der Sänger liess alle Vorwürfe über seinen Anwalt Steve Greenberg zurückweisen. Nach Kellys Inhaftierung erklärte Greenberg, die Anschuldigungen beruhten auf alten und falschen Anschuldigungen. Greenberg sagte, der Musiker werde «rehabilitiert»: «Ich glaube, die Frauen lügen alle». Bei einem Schuldspruch drohen Kelly pro Anklagepunkt zwischen drei und sieben Jahre Haft.

Bereits am Vortag hatten zwei andere Frauen dem Star vorgeworfen, sie in den 1990er Jahren in Baltimore zu einer After-Show-Party eingeladen, sie mit Drogen und Alkohol vollgepumpt und anschliessend in seinem Hotelzimmer zum Sex gedrängt zu haben. Eine der beiden Frauen, die nach eigenen Angaben ebenfalls noch Jugendliche war, gab demnach dem Drängen nach.

(20 Minuten/afp)