US-Staatsanwalt

28. Januar 2020 01:56; Akt: 28.01.2020 03:17 Print

«Prinz Andrew zeigt null Kooperation»

Das Mitglied der Royals wird im Fall Jeffrey Epstein für sein Verhalten scharf kritisiert.

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Am 21. Februar 2020 fuhr ein gelber Schulbus mehrmals am Buckingham-Palast vorbei. An der Seite des Busses war zu lesen: «Wenn Sie diesen Mann sehen, dann bitten Sie ihn, das FBI anzurufen, um Fragen zu beantworten.» Hinter der Aktion steht die US-Anwältin Gloria Allred, die mehrere Frauen in dem Skandal vertritt. Sie wird ungeduldig: Der Prinz zeigt im Fall Epstein «null Kooperation». Auf eine Anfrage des FBI hat er nicht reagiert. November 2019: In einem Interview mit BBC hatte sich der zweitälteste Sohn von Königin Elizabeth II. erstmals zu seiner Beziehung zu Epstein und den gegen ihn selbst erhobenen Missbrauchsvorwürfen geäussert. Das Gespräch mit der Journalistin Emily Maitlis zog heftige Kritik auf sich. Doch er selbst war damit offenbar mehr als zufrieden. Zumindest kurz danach. Das verriet die BBC-Moderatorin bei Radio Times. Das erste gemeinsame Bild nach dem misslungenen TV-Interview: Am 22. November 2019 reiteten Prinz Andrew und die Queen zusammen im Windsor Park. Dabei dürfte die Königin ihrem Sohn mitgeteilt haben, dass er sein Büro im Buckingham-Palast räumen müsse. Am 20. November 2019 legte Prinz Andrew seine öffentlichen Ämter als Mitglied des britischen Königshauses nieder. Grund dafür ist ein Interview, das er zum Thema Jeffrey Epstein gegeben hat. Der Prinz wies dabei die Missbrauchsvorwürfe einer zum mutmasslichen Tatzeitpunkt minderjährigen Frau gegen ihn zurück. Er habe an jenem Tag mit seiner Tochter Pizza im Restaurant Pizza Express in Woking, England, gegessen. Er habe «Ihre Majestät gebeten, auf absehbare Zeit von öffentlichen Aufgaben zurücktreten zu dürfen», erklärte Prinz Andrew am 20. November 2019. Königin Elizabeth II., seine Mutter, habe dem Anliegen zugestimmt. Der Vorwurf: Andrew soll in den Jahren 2001 und 2002 dreimal Sex mit der damals minderjährigen Virginia Giuffre gehabt haben. «Ich bedaure weiterhin in unmissverständlicher Weise meine unbedachte Verbindung zu Jeffrey Epstein», erklärte Prinz Andrew in Bezug zum misslungenen Interview. Virginia Giuffre soll von US-Unternehmer Epstein an den Prinzen ausgeliehen worden sein. Das britische Königshaus hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Queen soll «jenseits von wütend» sein. Am 21. November 2019 wurde bekannt, dass die «entsetzte» Queen Andrew zum Rücktritt gezwungen habe. Das FBI hat die Ermittlungen aufgenommen. Prinz Andrew hat angegeben, mit allen möglichen Justizbehörden zusammenarbeiten zu wollen. Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer, die nun brisante Details bekannt geben. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Epstein verstarb am 10. August 2019 in Gefangenschaft.

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Die amerikanische Staatsanwaltschaft hat dem britischen Prinzen Andrew eine fehlende Zusammenarbeit bei den Ermittlungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vorgeworfen. Der New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman sagte am Montag, der Prinz habe bislang «null Kooperation» gezeigt. Auf eine Anfrage der Bundespolizei FBI habe Prinz Andrew nicht geantwortet.

Berman hielt eine Pressekonferenz vor dem früheren Haus Epsteins in New York ab. Prinz Andrew hat zugegeben, sich in der Vergangenheit dort aufgehalten zu haben. Der 59-Jährige hatte im November zugesagt, bei den Ermittlungen zum Epstein-Skandal zu helfen. Das britische Königshaus reagierte am Montag zunächst nicht auf eine Anfrage zum Vorwurf des New Yorker Staatsanwalts.

Der einst mit Epstein befreundete Prinz hatte im vergangenen Jahr nach scharfer öffentlicher Kritik all seine öffentlichen Funktionen aufgegeben. Dem zweitältesten Sohn von Königin Elizabeth II. wird vorgeworfen, 2001 Sex mit einer damals 17-Jährigen gehabt zu haben, die von Epstein dazu gezwungen worden war. Der Prinz bestreitet die Vorwürfe.

Ermittlungen laufen weiter

Epstein war im vergangenen August in einer New Yorker Gefängniszelle tot aufgefunden worden. Nach Angaben der Gerichtsmedizin beging der 66-Jährige Suizid. Wenige Wochen zuvor war er wegen des Verdachts des Menschenhandels mit Minderjährigen in Haft genommen worden.

Auch nach Epsteins Tod laufen die Ermittlungen weiter. Dabei geht es um die Frage möglicher Gehilfen des Multimillionärs.

(chk/sda)