10. April 2005 19:04; Akt: 10.04.2005 19:31 Print

Queen Elizabeth II. fand doch noch warme Worte

Das Eis brach Königin Elizabeth II. erst beim Stehempfang. Mit unbewegter Miene hatte sie zuvor den kirchlichen Segen in der St George's Kapelle auf Schloss Windsor für Charles und Camilla verfolgt.

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Und draussen vor der Kirche schien sie sich zu einem Lächeln geradezu zwingen zu müssen; den Blickkontakt mit ihrer neuen Schwiegertochter vermied sie ganz.

Doch am Ende fand die «Eiskönigin», wie sie von der Zeitung «News of the World» bezeichnet wurde, doch noch warme Worte für die langgeschmähte Frau an der Seite ihres Sohnes.

Camilla im «Siegerlager»

Bei Champagner und Häppchen taute die Queen nach den Worten des Schauspielers Stephen Fry auf, der zu den Gästen gehörte. Demnach begann die reitbegeisterte Königin unter Anspielung auf das Pferderennen Grand National vom selben Tag ihren Toast auf das Brautpaar.

«Ich habe Ihnen zwei Dinge von grösster Wichtigkeit mitzuteilen. Das erste ist, dass «Hedgehunter» das Grand National gewonnen hat. Das zweite ist, dass mein Sohn trotz «Becher's Brook» und «The Chair» (zwei Hindernisse) sowie anderer furchtbarer Hindernisse durchgekommen ist, und darauf bin ich stolz und wünsche den beiden alles Gute», sagte Elisabeth II. laut Fry.

Nach der Aussage anderer Gäste hiess die Queen ihren ältesten Sohn und Camilla im «Siegerlager» willkommen und sagte weiter: «Mein Sohn sitzt zu Hause im Trockenen mit der Frau, die er liebt.» Während der von Pannen begleiteten Hochzeitsvorbereitungen und noch am Tag der Trauung hatte es seitens der Königin nicht nach Tauwetter ausgesehen.

Queen wollte «massvolle» Hochzeit

Nach ihrem Willen sollte die Hochzeit des Tronfolgers «massvoll» und unauffällig über die Bühne gehen. Schliesslich hatten Charles und Camilla in mehr als 30 Jahren leidenschaftlicher Beziehung ihre Ehen zerstört.

Dies musste Königin Elizabeth als weltliches Oberhaupt der Kirche von England hinsichtlich dieser Vermählung in Gewissenskonflikte stürzen. Deshalb war sie nicht einmal im Standesamt dabei - dafür aber wachte dort im kleinen Ascot-Raum die in Öl gemalte sittenstrenge Königin Victoria über die Trauungszeremonie.

Kein Vergleich zur Märchenhochzeit mit Diana

Überhaupt war die Trauung von Windsor kein Vergleich zur rauschenden Märchenhochzeit von Charles und Diana Spencer im Jahr 1981, als sich Kutsche an Kutsche reihte und 600 000 Zaungästen den Weg zur St. Paul's Cathedral säumten. In Windsor gab es nur 20 000 Neugierige und ein einziges Luxusauto für das Brautpaar.

Einer königlichen Hochzeit angemessener ging es dann in der historischen St George's Chapel mit Klängen von Bach und Händel zu, als sich Charles im Frack und Camilla im golddurchwirkten hellen Kleid mit angedeuteter Schleppe vor dem Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams ewige Treue gelobten.

Doch auch dort musste sich das Brautpaar nach den Vorschriften der anglikanischen Kirche das Büssergewand anlegen und um Vergebung für die Schuld an ihren gescheiterten Ehen bitten: «Wir bekennen uns zu unseren mannigfaltigen Sünden und beklagen unsere Schlechtigkeit.» Nicht einmal einen Kuss erlaubten sich der 56- jährige Prinz und die 57-jährige Camilla.

Wie ein «Paar alter Pantoffeln»

Die Menschen am Strassenrand sahen die Hochzeit entspannter. Sie seien gekommen, um Charles zu unterstützen, sagte eine Zuschauerin. Auch die nicht unkritische Hofberichterstatterin Jennie Bond legte sich für das frischgebackene Ehepaar ins Zeug: Seelenverwandt seien die beiden, sie passten zusammen «wie ein bequemes Paar alter Pantoffeln».

(sda)