Ottfried Fischer

16. März 2011 15:21; Akt: 16.03.2011 15:28 Print

Richterlicher Rückschlag für «Pfarrer Braun»

von Till Erdtracht, AP - Im ersten Prozess war der frühere «Bild»-Reporter wegen Nötigung Ottfried Fischers verurteilt worden. Doch die Berufung entwickelt sich schlecht für den pfundigen Schauspieler.

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Ein früherer «Bild»-Zeitungsredakteur hat am 16. März vor dem Landgericht München den Vorwurf der Nötigung von Schauspieler Ottfried Fischer bestritten. Der Reporter hatte Fischers PR-Agentin auf ein von ihm erworbenes Video hingewiesen, das den Schauspieler beim Sex mit zwei Prostituierten zeigt und um Stellungnahme gebeten. Es folgten exklusive Beiträge in der «Bild», in dem Fischer Details zum Verhältnis mit den Frauen preisgab.

Die «honorige, nette Berichterstattung» der «Bild»

In dem Berufungsverfahren sagte der Journalist aus, er habe Fischer nicht zur Zusammenarbeit genötigt und nicht mit der Veröffentlichung des brisanten Bildmaterials gedroht. Vielmehr habe Fischers PR-Agentin angesichts der bereits bekannt gewordenen Sex-Affäre auf Interviews gedrängt, um das Image Fischers aufzupolieren. Die Beiträge seien dann sehr positiv für Fischer ausgefallen.

Die Richterin sagte zu den Artikeln, das sei «honorige, nette Berichterstattung» für einen Schauspieler gewesen, der wegen der Affäre in einer katastrophalen Situation gesteckt habe. Die PR-Agentin sagte aus, sie habe sich nicht von dem Journalisten unter Druck gesetzt gefühlt. Sie habe Fischer zu einer «offensiven Medienarbeit» geraten. Auch ohne das Video hätte sie auf Fischer eingewirkt, dass er der «Bild» ein Interview geben solle. Die Richterin erkannte darin Widersprüche zu früheren Angaben und warf ihr vor, «mal hü, mal hott» zu sagen.

Ende März muss Fischer auftreten

Die beiden Prostituierten hatten das Video im Sommer 2009 im Auftrag von zwei Zuhältern heimlich gedreht. Mit dem Film wollten sie erreichen, dass Fischers Kreditkartenfirma angeblich noch ausstehende Gelder für sexuelle Dienste überweist (20 Minuten Online berichtete). Alle vier wurden wegen der intimen Aufnahmen vom Amtsgericht München im Oktober zu Geldstrafen verurteilt und akzeptierten die Entscheidung.

Der damalige «Bild»-Reporter, der das Video von einem der Männer gekauft hatte, wurde vom Amtsgericht München wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 14 400 Euro verurteilt. Der Journalist legte Berufung ein, seine Anwälte fordern einen Freispruch für ihren Mandanten. Weil der Verkäufer des Videos nicht als Zeuge erschien, wurde der Berufungsprozess auf den 28. März vertagt. Dann soll auch Fischer, der in dem Verfahren als Nebenkläger auftritt, vernommen werden.