Zurich Film Festival

27. September 2011 15:14; Akt: 27.09.2011 16:00 Print

Roman Polanski ist zurück

Nach seiner Verhaftung im Jahre 2009 am Klotener Flughafen, kehrt Roman Polanski nun auf den grünen Teppich zurück. Am Zurich Film Festival nimmt er seinen Tribut-Award entgegen.

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Die Veranstalter des Zürcher Filmfestivals kündigen an, dass am 27. September der 76-jährige Star-Regisseur Roman Polanski mit dem «Goldenen Auge» für sein Regie-Lebenswerk geehrt werde. Doch so weit kommt es nicht: Ein Polizist aus dem Kanton Aargau, der eine Einladung ans Zurich Film Festival erhalten hatte, googelt den Namen des Filmemachers und stösst so auf seine Vergangenheit. Der Polizist gibt daraufhin den Namen Polanski ins Schweizer Fahndungssystem «Ripol» ein und bemerkt, dass dieser weltweit zur Verhaftung ausgeschrieben ist. Er informiert das Bundesamt für Justiz (BJ). Die Schweiz informiert mit einem «dringenden Fax» an das US-Büro für internationale Angelegenheiten über die geplante Einreise des Filmregisseurs. Das BJ fragt dabei gezielt an, ob der Haftbefehl von 1978 noch gelte. Das US-Büro für internationale Angelegenheiten alarmiert daraufhin die Staatsanwaltschaft in Los Angeles, die «ein ausdrückliches Haftersuchen» für Polanski an Bern übermittelt. Der polnisch-französische Doppelstaatsbürger wird von den USA seit seiner Flucht nach Frankreich 1978 wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen im Jahre 1977 gesucht. Seit 2005 ist Polanski international zur Verhaftung ausgeschrieben. Roman Polanski wird bei seiner Einreise in die Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Justiz durch die Kantonspolizei Zürich am Flughafen in Kloten verhaftet. Er sitzt in Winterthur in Auslieferungshaft. Polanskis Anwälte (im Bild Hervé Temime) reichen beim Bundesstrafgericht Beschwerde gegen den Auslieferungshaftbefehl ein. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf hingegen verteidigt das Vorgehen ihres Bundesamtes bei der Festnahme. Mit einer Warnung Polanskis hätte man Amtspflichten verletzt. Das Bundesstrafgericht weist die Beschwerde gegen den Auslieferungshaftbefehl ab und verwehrt Polanski die Haftentlassung wegen Fluchtgefahr. Die USA ersuchen die Schweiz formell um die Auslieferung des Starregisseurs. Nach einer Anhörung Polanskis wird das Bundesamt für Justiz über die Auslieferung entscheiden. Das Bundesamt für Justiz weist das Haftentlassungsgesuch von Polanski ab. Grund: Hohe Fluchtgefahr. Polanskis Anwälte legen beim Bundesstrafgericht Beschwerde gegen den negativen Haftentlassungsentscheid des BJ ein. Das Bundesstrafgericht heisst die Beschwerde gut und gibt damit grünes Licht für seine Freilassung aus der Auslieferungshaft gegen eine Kaution von 4.5 Millionen Franken. Nach 70 Tagen Haft in Winterthur darf Polanski in sein Chalet in Gstaad einziehen. Er kann dort arbeiten, das Grundstück darf er aber nicht verlassen. Starregisseur Roman Polanski wird nicht an die USA ausgeliefert – der 76-Jährige ist ein freier Mann. Die Schweizer Regierung erklärte, die amerikanischen Behörden hätten vertrauliche Zeugenaussagen zu Polanskis Prozess nicht vorgelegt. Daraus könnte hervorgehen, dass Polanski seine Strafe mit einer 42-tägigen Inhaftierung zur psychiatrischen Begutachtung bereits abgesessen habe. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf sagte, neben Zweifeln an der Darstellung des Sachverhalts im Auslieferungsgesuch spiele auch das Vertrauen eine Rolle, das Polanski in die Schweiz setzen durfte. Der Regisseur sei seit 2006 Chaletbesitzer in Gstaad und in der Schweiz nie behelligt worden. Er sei im begründeten Vertrauen in die Schweiz gereist, keine rechtlichen Nachteile erwarten zu müssen.

Besser spät als nie: Roman Polanski holt am Dienstag, den 27. September 2011, seinen Tribut-Award in Zürich ab.

Zum Thema
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Da ist er wieder: Am Dienstagabend, den 27. September 2011, kehrt Roman Polanski zurück ans Zurich Film Festival. Mit dem Award «A Tribute To» wird der Regisseur für sein Lebenswerk geehrt – endlich. Die Auszeichnung für sein künstlerisches Schaffen hätte Polanski bereits vor zwei Jahren entgegennehmen sollen. Aufgrund seiner Verhaftung war ihm dies aber verwehrt geblieben.

Zurück in der Vergangenheit

Wir erinnern uns: Am 26. September 2009 war der polnisch-französische Doppelbürger auf Veranlassung der US-Justiz bei seiner Einreise in die Schweiz festgenommen worden. Ihm wurde Sex mit einer Minderjährigen – im Jahre 1977 – vorgeworfen.

Nachdem Polanski seinen zehnmonatigen Hausarrest im Schweizer Bergdorf Gstaad abgesessen hatte, wurde er im Juli 2010 freigelassen.

Mehr über Roman Polanski lesen sie am Dienstagabend auf 20min.ch

(los)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • giovanni bernasconi am 27.09.2011 23:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wo war Obama?

    Wieso war Obama nicht eingeladen? Dann haette die eifrige ZH Polizei ihn auch verhaften koennen, und so ein Gleichgewicht bilden.

  • Beat Riemer am 27.09.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht runterspielen

    Neben dem Vergewaltigungsvorwurf an einer 13-jährigen war da noch Sodomie (Sex mit Tieren) und die Abgabe gefährlicher Drogen an eine Minderjährige.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • giovanni bernasconi am 27.09.2011 23:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wo war Obama?

    Wieso war Obama nicht eingeladen? Dann haette die eifrige ZH Polizei ihn auch verhaften koennen, und so ein Gleichgewicht bilden.

  • Beat Riemer am 27.09.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht runterspielen

    Neben dem Vergewaltigungsvorwurf an einer 13-jährigen war da noch Sodomie (Sex mit Tieren) und die Abgabe gefährlicher Drogen an eine Minderjährige.

    • Andy am 27.09.2011 20:59 Report Diesen Beitrag melden

      Übersetzungsfehler

      Sodomy kann zwar Sex mit Tieren bedeuten, im englischen Sprachraum wird das Wort aber idR schlicht für Analsex verwendet. Die sogenannten "Sodomy Laws" decken sogar alles ab was nicht auf rein vaginalen GF bezogen ist- und das war (und ist teilweise noch) offiziel in vielen US Bundesstaaten illegal.

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