Schwere Vorwürfe

10. Juni 2009 08:03; Akt: 10.06.2009 10:29 Print

Schlug der Gucci-Schwindler wieder zu?

von Thom Nagy - Im Frühjahr 2007 ging sein Bild um die Welt: Juan Isidro Casilla lächelte als falsches Gucci-Model von den Seiten verschiedener Schweizer Zeitungen. Jetzt soll er wieder betrogen haben, sagt ein Ex-Lover.

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Eigentlich wollte sich Juan Isidro Casilla in Therapie begeben, nachdem sein Lügengebäude 2007 in sich zusammengesackt war. Damals hatte er nicht nur ein gefälschtes Inserat bei der «SonntagsZeitung» und beim «heute» platziert, sondern sich auch fälschlicherweise als Popstar, Model und Zirkus-Chef ausgegeben. Mit diesen Aktionen zog er sich zwar den Zorn verschiedener Verlagshäuser zu (und machte Schulden in Höhe von 100 000 Franken), schaffte es dafür aber europaweit in die Medien. Spiegel Online berichtete ebenso über den kuriosen Fall wie RTL. Es war sein grösster Wunsch, berühmt zu werden - jetzt hatte er sein Ziel erreicht. Sein zweifelhafter Ruhm verpuffte aber ebenso schnell, wie er gekommen war - und Casilla gelobte Besserung.

Wiederholungstäter

Aber schon ein Jahr später waren die guten Vorsätze vergessen, wie dieses Video zeigt, in dem er sich als Model für Calvin Klein inszeniert:

Und im April dieses Jahres hat der Betrüger erneut zugeschlagen - mit dem Unterschied, dass sein Opfer dieses Mal kein grosses Unternehmen, sondern ein früherer Liebhaber war: «Wir lernten uns über die Website Gayromeo.ch kennen», erzählt Louis P.* im Interview mit 20 Minuten Online. «Wir haben uns nach einer Weile getroffen und eine Affäre angefangen. Mitte April hat er dann zum ersten Mal bei mir übernachtet.» Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte: «Ende April erhielt ich einen Brief vom Globus, in dem ich aufgefordert wurde, einen hohen Betrag einzuzahlen. Und das, obwohl ich dort seit Ewigkeiten nicht mehr eingekauft hatte.» Auf Anfrage stellte sich heraus, dass der erste Einkauf auf seine Kundenkarte just am Tag getätigt wurde, nachdem Casilla bei Louis übernachtet hatte. Damit aber nicht genug: Beim Globus wurde er nach einer groben Schilderung seines Problems gefragt, ob es sich bei dem von ihm Verdächtigten vielleicht um einen Herrn Namens Casilla handle - dieser sei nämlich bekannt für ähnliche Vorfälle.

Anzeige erstattet

«Ich bin daraufhin zur Polizei gegangen und habe Anzeige erstattet. Juan ist geständig und hat sich auch bei mir entschuldigt», erzählt Louis. «Weil ich laut Globus meine Sorgfaltspflicht verletzt habe, indem ich meine Karte unbeaufsichtigt in meiner Wohnung liess, muss ich trotzdem die Hälfte des geforderten Betrags bezahlen. Aber wer rechnet schon damit, dass ihm eine Karte aus der eigenen Wohnung geklaut wird?» Auf Wiedergutmachung von Juan kann er indes nicht zählen. Das «Model» sei nämlich pleite - und arbeitslos. «Darum geht es mir aber eigentlich gar nicht», meint Louis noch zum Abschluss. «Mich ärgert viel mehr, dass er momentan ungestört neue Opfer anpeilen kann und auf Gayromeo.ch immer noch online ist. Der nächste Fall wird bestimmt folgen. Ohne Therapie ist dieser Mensch einfach nicht fähig, sein Treiben bleiben zu lassen.»

Stadtpolizei bestätigt

Die Medienstelle der Stadtpolizei Zürich hat auf Anfrage bestätigt, dass eine entsprechende Anzeige eingegangen ist. Das Verfahren sei aber noch nicht abgeschlossen und deshalb könne man keine näheren Auskünfte geben.
Juan Isidro Casilla selber war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

*Name von der Redaktion geändert