21. November 2007 11:04; Akt: 21.11.2007 16:45 Print

Switzerland's Nr. 1 Pin-Up

Einige Models versuchen bei einer renommierten Agentur unterzukommen, andere versuchen ihr Glück in einer TV-Reality-Show. Doch ein Basler Retro-Model namens Zoe Scarlett ist daran, alle links zu überholen.

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Es ist nicht einfach, als Model Erfolg zu haben. Junge Damen hoffen darauf, bei einer Modelagentur unter Vertrag genommen zu werden – wo sie dann wiederum hoffen müssen, dass genau ihr Gesicht unter all den anderen hübschen überhaupt wahrgenommen wird. Oder sie versuchen ihr Glück an Castings zu Reality-Shows, wo sie dann unter der Ägide von selbsternannten Style-Gurus aufgefordert werden, sich gegenseitig anzuzicken.

Oder man schlägt einen ganz anderen Weg ein: Do it yourself. Bereits heute kann Zoe Scarlett aus Liestal mehr Magazin-Covers vorweisen als alle «Supermodel»-Teilnehmerinnen zusammengezählt.

Von der Rock'n'Roll-Subkultur her kommend, besitzt Zoe Scarlett einen unverkennbaren Stil – schon mal etwas, das sie von den unzähligen 08/15-Models abhebt. Wenn man dann erfährt, dass die Dame auch noch Kolumnenschreiberin, Moderatorin und Auto-Tunerin ist, ist der Sonderstatus perfekt. Diesen Exoten-Bonus nutzt Zoe Scarlett geschickt, dazu kommt natürlich noch harte Knochenarbeit, und schon darf sie sich mit Recht «Switzerland's Nr. 1 Pin-Up» nennen.

20minuten.ch: Was macht ein Pin-Up-Model den ganzen Tag lang, wenn sie nicht gerade posiert?

Zoe Scarlett: Dasselbe wie andere Leute auch - sie steht am Morgen auf, geht duschen und geht danach ihrer geregelten Arbeit nach. Nur, dass in meinem Fall die Arbeit etwas anders ausfällt. Shootings, Interviews und Moderationen, aber ich verbringe auch sehr viel Zeit am Computer - ich schreibe selber Berichte für diverse Publikationen - zum Beispiel für die deutsche «Dynamite!», in der ich seit neustem eine regelmässige Kolumne habe. Und ab nächstem Jahr kommt noch was Neues - ist aber noch top secret!

Sie bezeichnen sich als Pin-Up Model - was bedeutet «Pin-Up» konkret für Sie?

Wie der Name schon sagt, sind Pin-Ups 'Bilder zum aufhängen'. In längst vergangenen Zeiten entstand dieser Name daraus, als Männer in der Armee oder auf hoher See die Bilder ihrer Frau in aufreizender Pose in ihren Schlafkojen aufhängten. Für mich persönlich ist Pin-Up Teil meines Lebens. Es ist nichts Schmutziges, Dreckiges oder Negatives, sondern etwas, das die Schönheit einer Frau betont. Nicht plump wie zum Beispiel in einem Männermagazin, wo man alles zeigt, wo Mann alles sieht. Beim Pin-Up-Genre kann der Betrachter seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Wie verhält sich das im Vergleich zum gängigen Modelling und was halten Sie vom 'normalen' Modelbusiness?

Ich finde das Modelbusiness an sich OK - ich bin halt kein normales Model und werde dementsprechend nicht für gängige Modelaufträge gebucht. Als Pin-Up Model hat man weniger Grenzen - da kann es mal etwas ins Fetish-Genre hinein gehen, mal etwas Richtung Gothic. Als normales Model hast du eher konservativere Aufträge und musst extrem auf dein Gewicht achten. Du bist mit einer Agentur verbunden, für die du gewisse Kriterien erfüllen musst - das ist bei mir alles nicht der Fall.

Pin-Up-Models sind also freier, was die Figur betrifft?

Schon eher. Ich bin zwar nahe dran an 90-60-90, aber ich habe halt keine 90-60-90-Masse. Als Pin-Up ist es auch schön, eine grosse Oberweite und ein rundes Hinterteil zu haben - sehr weiblich zu sein, alles Sachen, die im Mainstream-Modelling nicht so erwünscht sind.

Sind normale Models für Sie weniger weiblich?

Bei normalen Models ist weniger Ausstrahlung, weniger Sex-Appeal, weniger Glamour gefragt. Klar, mit Schminke und Styling kann nachgeholfen werden, aber man kann sich nicht wirklich so zeigen, wie die Natur einen geschaffen hat. Ich war auch schon bei Shootings für Mainstream-Magazine dabei, merkte aber schnell, dass ich mich auf diese Art gar nicht zeigen möchte, mich nicht in ein Schema hineindrücken lassen will. Also schlug ich meinen eigenen Weg ein.

Was halten Sie von der gegenwärtigen Miss Schweiz?

Vor zwei Wochen lernte ich sie, Jennifer Anne Gerber und Mahara Mc Kay an einer Gala in Bern kennen und muss sagen: Das sind alles wunderschöne Frauen, die sehr viel Stil und Eleganz besitzen.

Ist Retro Pin-Up gegenwärtig im Trend? Es sind immerhin 20 weitere Pin-Ups bei Dir auf der Site verlinkt ...

In den USA ist es mittlerweile ein grosses Business, in dem viel Geld verdient wird. Europa hinkt noch etwas hinterher. Das ist aber auch verständlich und historisch bedingt. Die ersten Pin-Ups stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs: Bilder von Frauen, die Soldaten mit in den Krieg nahmen, auf Flugzeugrümpfe malten und so weiter. Ergo sind in Amerika die Pin-Ups bis heute fester Bestandteil ihrer Kultur. Aber in Europa werden sie wieder populärer. Nicht zuletzt dank der Modewelt, die alte Kreationen wieder aufleben lässt.

Vorbilder?

Meine Eltern sind beide Fünfzigerjahre-Fans. Bei uns zuhause sah es immer aus wie in den Fünfzigerjahren und mein Vater hat bis heute eine Garage mit US-Cars . Das alles prägte mich - und so waren meine Vorbilder seit jeher die klassischen Schönheiten aus dieser Zeit: Jayne Mansfield, Judy Garland, Brigitte Bardot, Audrey Hepburn, Rita Hayworth. Ich werde oft mit Marilyn Monroe verglichen - was ich gar nicht so gerne habe, denn Marilyn war eine traumhafte Künstlerin, eine Ikone, meilenweit von dem entfernt, wo ich momentan stehe.

Der 'Zoe Scarlett Kalender 2008' wurde vom renommierten Hot Rod Fotografen Dirk Behlau geschossen. Auch zieren Sie etliche Covers von Custom-Car-, Tattoo- und Rockabilly-Magazinen. Rock'n'Roll, Tattoos, Hot Rods - Sie sind also auch privat voll auf dieser Schiene?

So wohne ich, so lebe ich, so fahre ich Auto, so bin ich an diesen Events vertreten. Seit ich klein bin, ist das mein Lebenselixier!


"Switzerlands Number 1 Pin Up Model" - gibt es noch weitere Schweizer Pin Ups?

Es gibt einige wunderschöne Frauen, die es als Hobby machen, aber ich bin europaweit eine der einzigen, die es professionell betreibt und in ganz Europa vertreten ist.

Die nächsten Projekte?

Soeben ist die DVD über Drag Racing in der Schweiz heraus gekommen. Dabei habe ich die Moderation und alle Interviews gemacht. Im Januar stehen diverse Werbekampagnen an - ich darf aber da leider noch nicht mehr darüber verraten ...