Irre Theorie

11. September 2018 13:57; Akt: 11.09.2018 16:49 Print

Spielte Küblböck sein Abschlussstück nach?

Das Drama um Daniel Küblböck bewegt das Netz. User haben festgestellt: Seine Tat hat viele Parallelen zu seinem Abschlussstück an der Schauspielschule.

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So zeigte sich Daniel Küblböck kurz vor seinem Verschwinden auf einem zweiten, neuen Insta-Profil: auf dem Kreuzfahrtschiff, unter dem Namen Rosa Luxemburg und als Frau. Auch in seinem Abschlussstück spielte er einen Transvestiten. Dass er von einem ... ... Kreuzfahrtschiff gesprungen sei, könne kein Zufall sein, finden User. Die Tat widerspiegle die Geschichte des Stücks, von dem er ausgeschlossen worden sei. Daniel habe seine Version von der Geschichte inszeniert, heisst es weiter. «Dass er nur Frauenkleidung auf dem Schiff getragen hat, ist auch mit diesem Stück in Verbindung zu bringen.» Daniel Küblböck betrieb einen zweiten Instagram-Account. Wie die Profilbeschreibung vermuten lässt, wollte sich der 33-Jährige einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. Daniel beschrieb den Rosa-Luxemburg-Account mit den Worten: «Künstlerin, Schauspielerin, transsexuell». Rosa Luxemburg war Autorin und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine bekannte Vertreterin des Marxismus und der Arbeiterbewegung. Das erste Foto auf dem Kanal, das der Sänger Anfang September veröffentlichte, zeigt Wasser und einen mit Wolken bedeckten Himmel. Möglicherweise zeigt es den Start seiner Reise mit dem Kreuzfahrtschiff AIDAluna von Hamburg nach New York. Der Dampfer ist seit dem 29. August unterwegs. Die Route des Schiffs geht von Hamburg über Bergen, die Orkney-Inseln, Reykjavik (wo dieses Bild entstand), Qaqortoq, St. John's, Halifax, Bar Harbor bis nach New York. Zwischen Qaqortoq (Grönland) und St. John's (Kanada), kurz vor Neufundland, soll Daniel am Sonntag gegen 5 Uhr Ortszeit über Bord gegangen sein. Während seiner Reise veröffentlichte Küblböck mehrere Selfies aus seiner Bordkabine. Darauf zu sehen ist er in Frauenkleidern, mit Schmuck und Make-up. An Bord des Schiffs soll er ... ... laut Bild.de wegen seines Auftretens bereits aufgefallen sein. Sogar beim Check-in soll Daniel schon Frauenkleider getragen haben. Die Selfies aus seiner Kabine versah der Künstler mit den Hashtags #Transsexuell, #Transformation und #Aida. Im Netz wird derzeit wild spekuliert, was die aktuelle Tragödie ausgelöst hat. So schreibt etwa ein User auf Instagram: «Aus Berichten ist bekannt, dass seine Mutter ihn gern als Mädchen gehabt hätte. Soweit ich weiss, geht er in seiner frühen Biografie darauf ein. Nehmen wir das als Wahrheit hin, dieses Gefühl ‹nichts wert zu sein›, nun gefolgt von dem eignen Antrieb, eben doch vielleicht der Mutter zu entsprechen, eine Frau zu sein. Es war zu viel für ihn. Traurig.» Ein anderer Nutzer glaubt, dass der Wunsch nach einer ... ... Geschlechtsumwandlung für Daniel unerfüllt blieb: «Ich gehe davon aus, dass man ihm von psychologischer Seite her die OP verweigert hat. Und die Verzweiflung so gross gewesen ist, dass er nur noch den Sprung ins Meer in seinem Dasein gesehen hat. Wer so einen Abgang macht, muss sich schon ziemlich aus der Realität verabschiedet haben.» Es handelt sich dabei natürlich um reine Spekulation. Die Hintergründe bleiben weiterhin ein Rätsel. Sein grösstes Vorbild scheint Victoria Beckham gewesen zu sein. Dieses Foto der 44-jährigen Designerin veröffentlichte er nur einen Tag vor seinem Verschwinden auf dem Zweit-Account. «Grösstes Vorbild», kommentierte Daniel das Bild und fügte vier schwarze Herzen hinzu. So zeigte sich Daniel Küblböck auf seinem anderen Instagram-Account @DanielKaiserKübelböck. Dort gab er seinen über 13'000 Followern Einblick in sein Leben an der Theaterschule in Berlin. Dieses Selfie ist das letzte Bild, das er auf diesem Kanal veröffentlichte. Es stammt vom 28. Juli.

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Auch wenn die Suche inzwischen eingestellt wurde: Die Anteilnahme um Daniel Küblböck (33) im Netz reisst nicht ab. Tausende User bekunden ihr Mitgefühl auf seinen Social-Media-Profilen. Auf Twitter laufen hitzige Debatten über böse Kommentare zum schrillen Sänger und Schauspieler und über die Frage, ob man ihn bereits für tot erklären dürfe.

Auch unterschiedliche Theorien um sein Verschwinden machen die Runde. Eine davon besagt, dass Küblböcks Sprung vom Schiff weder Zufall noch Kurzschlussreaktion sein könne – weil die Tat auffällig viele Parallelen zum Abschlussstück aufweise, das er mit seinen Kollegen an einer Schauspielschule in Berlin einstudiert hatte.

Theaterfigur springt von Schiff

«Alles, was mir weh tut von früher, soll weg sein», zitiert ein Insta-User aus «Unschuld», einem Stück, das eine der Grundlagen fürs Abschlussstück bildet. Und fügt an, dass es sich um eine Passage aus jenem Stück handle, aus dem Küblböck ausgeschlossen worden sei. Die Story erzählt unter anderem von einer Frau, die ins Meer springt und ertrinkt.

Auf der Bühne hätte Küblböck einen Transvestiten spielen sollen. Allerdings wurde ihm die Teilnahme an der Endaufführung von der Schulleitung verweigert, wie es in einem Facebook-Post heisst, den er Anfang August wohl selbst verfasst hat. Wieso, ist unklar. Er selbst erhob schwere Mobbing-Vorwürfe.

Der Nutzer hat seine Theorie gleich unter mehreren Insta-Fotos auf Küblböcks zweitem Insta-Account angebracht. Jenem Account, den der Sänger und Schauspieler erst Anfang September unter dem Pseudonym Rosa Luxemburg und als «transsexuelle Künstlerin» ins Leben gerufen hatte.

Auch andere sind überzeugt, dass sich Küblböck mit seinem Sprung von der Aida auf die Theatergeschichte bezog. «Daniel hat seine eigene Version von Dea Lohers ‹Unschuld› inszeniert ... Dass er nur Frauenkleidung auf dem Schiff getragen hat, ist auch mit diesem Stück in Verbindung zu bringen ...», heisst es etwa in einem inoffiziellen Medienforum in der Rubrik «Castingshows».

Alkoholisiert und abwesend

2015 hat Küblböck seine Ausbildung an der ETI Schauspielschule Berlin aufgenommen und diesen September abschliessen sollen. Im angeblich von ihm verfassten Post Anfang August, der inzwischen entfernt wurde, schrieb er, es gehe ihm «psychisch und physisch» schlecht. «Ich muss diesen Schmerz der letzten Monate erst noch verkraften.» Küblböck schrieb von monatelangen Schikanen seiner Klasse und von der Verweigerung, an der Endaufführung teilzunehmen.

Die Schule hat die Mobbingvorwürfe zurückgewiesen. Küblböck sei ein «sensibler Mensch» und «ein Sonderling» gewesen, sagen ausserdem Mitschüler gegenüber der «Bild». Er sei oft alkoholisiert zur Schule gekommen und habe mitunter bei den Proben gefehlt.

Die kanadische Polizei ermittelt

Küblböck war als Feriengast und in Frauenklamotten auf der Aida unterwegs nach New York und soll am frühen Sonntagmorgen vor Neufundland vom Kreuzfahrtschiff ins rund 10 Grad kalte Wasser gesprungen sein. Die genauen Umstände des Vorfalls sind derzeit Gegenstand von Untersuchungen der kanadischen Polizei.

Die Chancen, bei diesen Temperaturen zu überleben, sind gering. Die Suche wurde gestern eingestellt. Seine Angehörigen haben sich inzwischen auf seiner Website gemeldet. «Wir denken mit all unserer Kraft und Liebe an Daniel und hoffen auf ein grosses Wunder.»


Seit Montag ist die Suche nach Daniel Kaiser-Küblböck eingestellt. Schiffe, die in der Gegend des Unglücks unterwegs sind, sind angewiesen, Ausschau zu halten.

(kfi)