William Shatner

22. März 2011 07:25; Akt: 22.03.2011 09:42 Print

Vom Macho-Mannsbild zum Sitcom-Oldie

von Jennifer Fraczek, AP - Als Captain Kirk ist er schon jetzt unvergessen: William Shatner, der «Star Trek»-Held und «T. J. Hooker»-Star, feiert seinen 80. Geburtstag.

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Die Autobiografie des Kultschauspielers William Shatner «Durch das Universum bis hierher» des «Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag» ist 386 Seiten stark und kostet etwa 20 Franken. Sie können das Werk im bestellen. Hier einige Schmankerl anlässlich des Geburtstages. Der gebürtige Kanadier William Shatner im Alter von 16 Jahren. Shatner: «Durch mein BWL-Studium habe ich mich ehrlich gesagt immer nur so durchgeschummelt. Ich habe mich lieber mit den Radio- und Theaterclubs der Uni beschäftigt.» Shatner: «Schauspieler zu sein war der letzte Job der Welt, den mein Vater sich für mich gewünscht hätte.» Shatner: «Der Job eines Schauspielers ist es, sich in eine andere Person hineinzuversetzen. Also müssen wir mit den Werkzeugen arbeiten, die uns zur Verfügung stehen: dem Text und dem Wissen über die Figur.» Seinen ersten Auftritt in einem Kinofilm hatte Shatner neben Richard Basehart und Yul Brynner in «Die Brüder Karamasow» (1958). In «Das Urteil von Nürnberg» hatte er 1961 einen Auftritt an der Seite von Judy Garland und Spencer Tracy. Als irrer Flugpassagier schrieb er in der Episode «Nightmare at 20,000 Feet» der legendären Serie «Twilight Zone» 1963 Fernsehgeschichte. Shatner: «Raumschiff Enterprise war das Beste, was mir jemals passiert ist. Weil sich nämlich alles andere aus meiner Rolle als Captain Kirk ergeben hat.» William Shatner verstand sich zunächst überhaupt nicht mit Leonard Nimoy alias Mr. Spock. Später verband die beiden jedoch eine tiefe Freundschaft. Shatner: «Eine Berühmtheit zu sein ist in vielerlei Hinsicht ein magischer Zustand - es öffnet einem viele Türen.» Shatner: «Meine Karriere hat mein Verhältnis zu Frauen sehr beeinflusst.» Shatner: «Ich war ein wirklich knallharter Fighter, solange ich das Gute und das Drehbuch auf meiner Seite hatte.» 1968 kam Shatners erstes Album «The Transformed Man» auf den Markt. Die darauf enthaltene Version des Beatles-Titels «Lucy In The Sky With Diamonds» wurde von den Zuschauern eines amerikanischen Fernsehsenders zum schlechtesten Beatles-Cover aller Zeiten gewählt. 1977 hatte es Shatner als Tierarzt Rack Hansen, der im Film «Kingdom of the Spiders» mysteriösen Tiertoden auf den Grund geht, mit 5000 lebenden Vogelspinnen zu tun. In den 1980er spielte William Shatner in der Serie T.J. Hooker einen knallharten Polizisten. William Shatner am Set des fünften Star-Trek-Kinofilms «Am Rande des Universums» (1989). 2001 eroberte Shatner für die Dokumentation «Whale Shark Hunters of the Philippines» nach dem Universum auch den Ozean. Shatner: «Ich liebe es, die Augen zu schließen und mir auszumalen, wie ein Tag vor 3000 Jahren verlaufen sein müsste.» Für seine Rolle des Denny Crane in der gefeierten Anwalts-Serie «Boston Legal» (2004-2008) erhielt Shatner einen Emmy und einen Golden Globe. Shatner: «Wenn mich Leute fragen: ›Sind Sie William Shatner?‹, antworte ich oft: ‹Nein, ich bin's nicht!›»

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Seit William Shatner in den 50ern zum Fernsehen kam, hat sich viel verändert. Dennoch ist er noch immer dabei. Letztes Jahr entdeckte er sogar ein neues Format für sich: Eine Sitcom, die auf einem Twitter-Feed basiert. Am 22. März wird Shatner 80. Seine ersten Schauspielerfahrungen sammelte der in Montreal geborene Sohn jüdischer Einwanderer in der High School.

Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium, während dem er auch mehr schauspielerte als studierte, zog er 1956 nach New York um. Dort spielte er in mehreren TV-Serien und am Broadway. Auf der grossen Leinwand tauchte Shatner erstmals 1958 als einer der «Brüder Karamasow» auf. Weitere Engagements folgten. Der grosse Durchbruch liess aber auf sich warten - bis Shatner die Rolle des James T. Kirk in «Star Trek» bekam.

Skandal! Kirk küsst Uhura

Eigentlich war er nicht erste Wahl, doch wer weiss, ob die Serie ohne ihn einen solchen Kultstatus erreicht hätte. Ab 1966 erkundete Kirk mit Mister Spock alias Leonard Nimoy, der am 26. März ebenfalls 80 Jahre alt wird, und den anderen Crew-Mitgliedern der «Enterprise» drei Jahre lang das All.

Damals sorgte er für einen grösseren Skandal, als er als erster weisser Schauspieler im Fernsehen eine Afroamerikanerin (Nichelle Nichols alias Lieutenant Uhura) küsste. Offenbar waren die USA auch sonst noch nicht reif für «Star Trek», denn nach drei Staffeln wurde die Serie wegen schlechter Quoten eingestellt.

Einige Jahre später erlebte sie jedoch eine Renaissance. Zwar wurden keine neuen Folgen gedreht, aber die Wiederholungen erfreuten sich wachsender Beliebtheit. Es folgten sieben Kinofilme. Erst 1994 war für Kirk Schluss, als er im «Treffen der Generationen» auf der Leinwand den Heldentod starb.

Polizist und Jurist

Eine weitere Serienhauptrolle hatte Shatner in den 80er Jahren als Cop «T.J. Hooker». Trotzdem blieb er für viele Captain Kirk. Anstatt zu lamentieren, trat er die Flucht nach vorne an und parodierte seine Rolle von damals.

Obwohl von den Fans geliebt, waren die einzigen Preise, für die er bis dato nominiert worden war, abseitige Genre-Preise oder Negativ-Auszeichnungen wie die «Goldene Himbeere».

Späte Anerkennung - einen Emmy und einen Golden Globe - brachte ihm die Rolle des Denny Crane in der Anwaltsserie «Boston Legal» ein; Crane zeichnet sie vor allem durch Selbstverliebtheit aus und glänzt mit mehr oder weniger bizarren Sprüchen wie beispielsweise «Ich war mal Captain meines eigenen Raumschiffs».

Autor und Musiker

Seit September 2010 ist Shatner in der Sitcom «S *! My Dad Says» zu sehen. In einer Sitcom zu spielen, sei zunächst ungewohnt gewesen, sagte er dem Online-Magazin «Collider». Dann habe er sich aber daran gewöhnt und mit dem Publikum interagiert: «Ich war halb Barde, halb Schauspieler.»

Shatner hat mehrere Science-Fiction-Romane und eine Autobiografie geschrieben. Auch Musik hat er gemacht und will das weiter tun. Zudem ist er sozial engagiert.

2009 gab es wieder einen «Star Trek»-Film mit Captain Kirk, dieses Mal gespielt von Chris Pine. Ob er sich alt fühle, wenn er daran denke, dass seine Rolle von einem 30-Jährigen übernommen wurde, fragte ihn die «Frankfurter Rundschau». Shatners Antwort: «Also, ich brauche mir keinen Film anzusehen, um mich älter zu fühlen!»