Weinstein-Prozess

23. Februar 2020 21:10; Akt: 23.02.2020 21:10 Print

Warum es bis zum Urteil Wochen dauern könnte

Seit Anfang Jahr läuft der Prozess gegen Ex-Filmmogul Harvey Weinstein. Was ist bislang passiert? Und wann gibts ein Urteil? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Die Geschworenen im Prozess gegen Harvey Weinstein sind sich offenbar noch uneinig. Die Beratungen wurden auf nächste Woche vertagt. (21. Februar 2020) Schuldig oder nicht schuldig? Zwölf Geschworene beraten sich in diesen Tagen, um ein Urteil im Prozess gegen Ex-Hollywood-Produzent Harvey Weinstein zu fällen Der Prozess um Harvey Weinstein gilt als Meilenstein der #MeToo-Ära. Am 6. Februar 2020 hatte die Staatsanwaltschaft die Befragung ihrer Zeugen im Prozess abgeschlossen. Weinstein wird sexueller Missbrauch und Vergewaltigung vorgeworfen. Im Prozess geht es konkret um die Anschuldigungen von zwei Hauptklägerinnen. Der Angeklagte selbst hat während des Prozesses geschwiegen. Schauspielerin Jessica Mann brach im Gericht in Tränen aus, als sie eine frühere E-Mail an ihren Ex vorlesen musste. Nach einer kurzen Pause brach der Richter die Anhörung ab. Mann ist eine der beiden Hauptzeuginnen im Weinstein-Prozess und wirft dem einstigen Filmmogul Vergewaltigung vor. Vor dem Gang ins Gericht: Jessica Mann und ihre Anwältin. Harvey Weinstein muss sich vor Gericht verantworten. Im Hintergrund in den grauen Jacken: Zwei von Weinsteins Anwälten, Arthur Aidala und Donna Rotunno. (22. Januar 2020) Die Anklägerinnen schilderten zum Prozessauftakt in schockierenden Details, wie Weinstein seine mutmasslichen Opfer angegriffen habe. Der einstige Hollywood-Produzent erschien auch zum gestrigen Gerichtstag mit einer Gehhilfe. (22. Januar 2020) Er musste sich Ende 2019 nach einem Autounfall einer Rückenoperation unterziehen. (11. Dezember 2019) Model Emily Ratajkowski präsentierte im Dezember ihre Meinung zu Weinsteins 25-Millionen-Einigung auf ihrem Arm. Das deutliche Statement platzierte sie auf dem roten Teppich einer Filmpremiere in Los Angeles. Damals wurde bekannt, dass Weinstein eine Vereinbarung über Entschädigungszahlungen an dutzende Frauen geschlossen haben soll, die ihm sexuelle Gewalttaten vorwerfen. (11. Dezember) Bereits Anfang Dezember musste der Ex-Filmproduzent in New York vor Gericht erscheinen. (6. Dezember 2019) Schauspielerin Rose McGowan geht gerichtlich gegen Harvey Weinstein vor, wie Ende Oktober bekannt wurde. (Archivbild) Schauspielerin Annabella Sciorra sagte im Sommer, Weinstein habe auch sie vergewaltigt. (Archivbild) Sciorra (l.) trug durch ein Interview mit dem Magazin «New Yorker» im Oktober 2017 dazu bei, die #MeToo-Bewegung in Gang zu setzen. Darin berichtete sie, dass Weinsein sie 1993 in ihrer New Yorker Wohnung vergewaltigt habe. Plädiert auf nicht schuldig: Harvey Weinstein erscheint zum Gerichtstermin in New York. (5. Juni 2018) Wieder auf freiem Fuss: Harvey Weinstein wurde am Freitag gegen eine Kaution und mit einer elektronischen Fussfessel wieder freigelassen. (25. Mai 2018) Harvey Weinstein stellte sich im Mai 2018 in New York der Polizei. Er wurde vor dem Gebäude von dutzenden Fotografen und Fernsehteams erwartet. Liessen sich scheiden: Harvey Weinstein mit Georgina Chapman. (Archivbild) «Da war ein Teil von mir, der schrecklich naiv war – ganz klar, so naiv»: Georgina Chapman. Der Fall Weinstein hatte eine weltweite Kampagne gegen sexuelle Belästigung und Gewalt ausgelöst. Unter dem Hashtag #MeToo machten zahlreiche Missbrauchsopfer ihre Erfahrungen öffentlich. Unter den Beschuldigten sind viele Prominente. So auch Schauspieler Dustin Hoffman – mit dem sich Moderator John Oliver (links) öffentlich anlegte. Ein ehemaliger Staatsanwalt soll die Anschuldigungen gegen ihn überprüfen: Stardirigent James Levine. (Archivbild) Soll Frauen während Wahlkampfauftritten belästigt haben: Al Franken anlässlich einer Pressekonferenz in Washington. (27. November 2017) Erzählt von ihren eigenen Erfahrungen mit Diskriminierung und Belästigung: Natalie Portman am Vulture-Festival in Hollywood. (19. November 2017) Rechnet mit Harvey Weinstein ab: Uma Thurman, hier bei den Filmfestspielen in Cannes. (18. Mai 2017) Wegen Vergewaltigung zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe verurteilt: Robinho im Trikot von AC Milan. (Archiv) Wurde von Harvey Weinstein begrapscht: Ambra Battilana Gutierrez. Nicola Werdenigg, eine ehemalige Skirennfahrerin, hat über schockierende Zustände im österreichischen Skisport der 70er-Jahre berichtet: Ein Bild der Skirennfahrerin (undatierte Aufnahme). Bild: Facebook/Nicola Werdenigg Auch den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton holen Missbrauchsvorwürfe ein: Bill Clinton bei einer Rede im Jahr 2016. Foto: John Locher (Keystone) «Ich habe mich zeitweise taktlos verhalten und übernehme dafür die Verantwortung»: Charlie Rose. (Archivbild) Auch er ist mit Vorwürfen konfrontiert: Sylvester Stallone während einer Pressekonferenz für den Film «Creed». (6. November 2015) «Unangemessenes Verhalten»: Das Old Vic Theater in London hat 20 Vorwürfe gegen seinen früheren künstlerischen Leiter Kevin Spacey gemeldet. Zu Oralsex gezwungen oder masturbiert: Sechs Frauen werfen Brett Ratner vor, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. (Archivbild) Will nicht mit Filmproduzent Bret Rattner an das Set: «Wonder Woman»-Darstellerin Gal Gadot. (25. Mai 2017) Fühlte sich von Brett Ratner blossgestellt: Schauspielerin Ellen Page. Fünf Frauen haben Vorwürfe gegen den US-Republikaner erhoben: Roy Moore. (Archivbild) Sitzt wegen Besitzes von Kinderpornografie im Gefängnis: Der ehemalige Arzt der US-Kunstturn-Nationalmannschaft Larry Nassar bei einer Anhörung in Michigan. (17. Februar 2017) Beschuldigt Nassar, sie sexuell missbraucht zu haben: Die 23-jährige US-Turnerin und Goldmedaillen-Gewinnerin Aly Raisman. Gehört zu den Missbrauchs-Opfern von Larry Nassar: Turn-Olympiasiegerin Gabrielle Douglas. Verbreitet ein Erlebnis über sexuelle Nötigung auf Twitter: Pitch-Perfect-Star Rebel Wilson. Die US-Torhüterin Hope Solo sagt, Sepp Blatter habe ihr bei der Verleihung des Ballon d'Or im Januar 2013 an den Po gefasst: Solo und Blatter (rechts) verleihen Abby Wambach ihre Auszeichnung im Kongresshaus Zürich. (7. Januar 2013) Eine Schauspielerin wirft Steven Seagal sexuelle Belästigung vor – er soll bei einem Vorsprechen seine Hose geöffnet haben: Der 65-Jährige an einer Pressekonferenz. (Archiv) Wurde angeblich von einem Produzenten bedrängt: Schauspielerin Jane Seymour hier im Bett mit Roger Moore in einer Szene von «Leben und sterben lassen». Sex im Auto als Geheimnis: Gleich zwei Frauen sagen, es sei dazu gekommen; die eine sagt, es sei sehr brutal gewesen. Auch weitere Frauen werfen Tariq Ramadan sexuelle Brutalität vor. (Archivbild) Kristina Cohen sagt aus, dass sie vor drei Jahren vom britischen Schauspieler Ed Westwick zum Sex gezwungen worden sei. (Archivbild) Der prominente österreichische Grünen-Politiker Peter Pilz ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Der ehemalige Kongressabgeordnete Anthony Weiner tritt seine Haftstrafe wegen Sexting an. (6. November 2017) Zwei Frauen warfen ihm sexuelle Belästigung vor: Der Chefredaktor des renommierten Radiosenders NPR, Michael Oreskes, trat daraufhin zurück. (Archivbild) Der konservative britische Verteidigungspolitiker Michael Fallon musste Anfang November wegen ähnlicher Vorwürfe zurücktreten. (Archivbild) Der britische Labour-Politiker Clive Lewis soll eine Frau unsittlich berührt haben. Er bestreitet den Vorwurf. (Archivbild) «Ich hätte nicht mit ihm verheiratet sein wollen»: Matt Damon soll nur davon gewusst haben, dass Weinstein ein Womanizer war. (23. Oktober 2017) Als sie ihn abblitzen liess, sei er «aufgebracht» gewesen: «Game of Thrones»-Star Lena Headey. (Archivbild) Sagt, er habe in sie eindringen wollen: Die britische Schauspielerin Lysette Anthony ist die fünfte Frau, die Harvey Weinstein Vergewaltigung vorwirft. (Archivbild) Wirft Weinstein Vergewaltigung und Bezos Mitwisserschaft vor: US-Schauspielerin Rose McGowan. (Archivbild) Schauspielerin Rose McGowan soll von Weinstein gar Schweigegeld erhalten haben. Hat eine «schlechte Erfahrung» mit Harvey Weinstein gemacht: Schauspielerin Angelina Jolie. (Archivbild) Weinstein habe sie angefasst und wollte sie massieren: Gwyneth Paltrow. (Archivbild) Schauspielerin Ashley Judd gehört zu den Frauen, die gegen Weinstein Vorwürfe erheben. Der Filmproduzent war bereits mehrfach Gast am Zurich Film Festival, hier 2013.

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Sein Name ist seit Monaten auf der ganzen Welt in den Medien, seine mutmasslichen Taten waren der Auslöser einer grossen Bewegung: Harvey Weinstein (67) ist der Ursprung von #MeToo, einer Bewegung, die Frauen weltweit dazu gebracht hat, sich gegen Nötigung, Missbrauch und Sexismus zu wehren.

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Seit Anfang Januar steht der einstige Hollywood-Mogul Weinstein vor Gericht. Viel wurde geredet, viel wurde berichtet. Aber wo stehen wir da eigentlich? Und was ist zu erwarten?

Darum geht es

Mehr als 80 Frauen, darunter berühmte Schauspielerinnen wie Gwyneth Paltrow (47), Salma Hayek (53) und Uma Thurman (49), haben Weinstein seit 2017 sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Im aktuellen Prozess geht es in erster Linie um fünf Anklagepunkte, darunter die Vergewaltigung und der Missbrauch der ehemaligen Produktionsassitentin Mimi Haleyi (42) im Jahr 2006 sowie des Models Jessica Mann 2013.

Das sagt Hauptklägerin Haleyi

Unter Tränen schilderte die frühere Produktionsassistentin Mimi Haleyi vor Gericht, wie Weinstein sie 2006 im Kinderzimmer seines New Yorker Apartments zu Oralsex genötigt hatte. «Ich habe die ganze Zeit deutlich gemacht, dass ich das nicht möchte», sagte sie. Sie habe versucht, zu entkommen, aber er habe sie immer wieder zurückgeschubst und aufs Bett gedrückt.

Zwei Wochen später sei es dann zum Sex mit Weinstein gekommen. Sie habe es «wie betäubt» über sich ergehen lassen. Aus Angst vor einer Abschiebung habe die finnischstämmige Haleyi ihn nicht angezeigt.

Das sagt die zweite Hauptklägerin Mann

Erst habe sie sich überreden lassen, ihn zu massieren. Dann habe er sie zum Oralsex gezwungen, schilderte das Model Jessica Mann vor Gericht unter Tränen. Im März 2013 sei es in einem New Yorker Hotelzimmer zur Vergewaltigung gekommen. «Er hat sich auf mich gelegt und sich in mich hineingedrängt», so Mann.

Das anschliessende Kreuzverhör durch Weinstein-Verteidigerin Donna Rotunno (44) musste frühzeitig beendet werden, weil Mann im Gericht zusammenbrach. Beim Verlassen des Gerichtssaals habe sie hyperventiliert, schrieb die «New York Times».

Das sagt Weinstein

Der Angeklagte selbst schwieg während des ganzen Prozesses. Und ersparte sich damit ein hartes Kreuzverhör durch die Staatsanwaltschaft. Durch seine Anwälte wies Weinstein sämtliche Vorwürfe zurück, jeglicher Sex habe einvernehmlich stattgefunden. Sie fordern einen Freispruch.

Ziel der Verteidiger war es, die Zeuginnen als unglaubwürdige Frauen erscheinen zu lassen, die den einst mächtigen Filmmogul für ihre eigenen Karrieren ausnutzten. «In ihrem Universum sind Frauen nicht verantwortlich für die Partys, an denen sie teilnehmen, die Männer, mit denen sie flirten, die Entscheidungen, die sie für ihre eigene Karriere treffen, die Flugtickets, die sie annehmen», sagte Anwältin Rotunno in ihrem Schlussplädoyer.

Welche Konsequenzen drohen Weinstein?

Bei einer Verurteilung erwartet Weinstein eine lebenslange Haftstrafe. Bei einem Freispruch ist er ein freier Mann. So oder so: Der Prozess bleibt ein wegweisender Meilenstein in der #MeToo-Debatte.

Wer entscheidet über Schuld und Unschuld?

Weinsteins Schicksal liegt jetzt in den Händen von zwölf US-Bürgerinnen und -Bürgern: fünf Frauen und sieben Männern. Das Urteil müssen die Geschworenen einstimmig fällen. Sprich: Wenn sich eine Person querstellt, gibt es kein Urteil. Dann spricht man von einer «hung jury», was den Prozess wohl zum Platzen bringen würde. Das Verfahren müsste neu aufgerollt werden.

Wo stehen wir im Prozess?

Am Freitag vor einer Woche haben die Staatsanwältin sowie die Weinstein-Anwältin ihre Schlussplädoyers gehalten. Seit Dienstag berät sich nun die Jury täglich über sechs Stunden lang – und das könnte noch über Wochen andauern.

Die Geschworenen haben sich zwar schon mehrmals aus ihren Gesprächen zurückgemeldet. Allerdings nicht mit einem Urteil. Erst baten sie um Klärung einiger juristischen Begriffe wie «gewaltsamer Zwang».

In einem zweiten Schreiben verlangte die Jury dann einen Grundriss des Apartments, wo Weinstein Haleyi sexuell missbraucht haben soll. Und man bat um Kopien von zahlreichen E-Mails.

Am Freitag nun fragten die Jury-Mitglieder das Gericht, was passieren würde, wenn sie sich in mehreren Anklagepunkten nicht auf ein Urteil einigen könnten. Richter James Burke leitete die Frage an Anklage und Verteidigung weiter: Während Weinsteins Anwälte sich mit einer Teilentscheidung einverstanden erklärten, wies Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon dies zurück. Der Richter forderte die Geschworenen auf, weiter zu beraten.

Später wurden die Beratungen der Jury auf Montag vertagt.

Wann wird ein Urteil erwartet?

Das ist offen. Konkret geht es um zwei der fünf Anklagepunkte, in denen sich die Jury noch nicht einig ist. Fest steht zum jetzigen Zeitpunkt lediglich, dass sich die Geschworenen schwer tun, eine einstimmige Entscheidung zu fällen. Es dürfte deshalb noch einige Tage bis Wochen dauern.

Das sorgte abseits des Prozesses für Stunk

Anwältin Rotunno hat in der Zeitung «Newsweek» einen Kommentar veröffentlichen lassen, in dem sie argumentiert, warum ihr Klient freigesprochen werden sollte. Das Meinungsstück grenze an Jury-Beeinflussung, konterte die Staatsanwältin. Der Richter verhängte daraufhin ein Medienverbot für Rotunno und ihr Team.

(kfi)