«Maschendrahtzaun»

13. Juli 2014 15:59; Akt: 14.07.2014 02:36 Print

Was macht eigentlich Regina Zindler?

Mit einem einzigen Wort wurde sie berühmt: Regina Zindler lieferte Stefan Raab vor 15 Jahren die Steilvorlage für «Maschendrahtzaun». Die Wut ist mittlerweile verflogen.

Stefan Raab performt seinen «Maschendrahtzaun» im deutschen Fernsehen. (Quelle: Youtube.com / fritz51259)
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Erinnern Sie sich an die Zeit, als Gerichtssendungen noch aktuell waren? Barbara Salesch, Alexander Hold und Co. schlichteten im Fernsehen Gerichtsfälle – und machten Regina Zindler berühmt.

1999 behandelte Richterin Barbara Salesch noch reale Fälle, später stieg man auf fiktive Streitereien mit Laienschauspielern um. Als Regina Zindler bei Salesch vor Gericht stand, meinte sie es jedoch todernst: Ihr Nachbar müsse einen Knallerbsenstrauch entfernen, der in den Maschendrahtzaun von Zindler wuchs. Den Prozess verlor sie – und trotzdem ging sie als Siegerin der Herzen hervor.

«Schreiben Sie, der Zindler gehts prima»

Ihre eigenartige Aussprache der Wörter «Maschendrahtzaun» und «Knallerbsenstrauch» fiel Stefan Raab, damals in seiner Blütezeit mit «TV total», auf. Zusammen mit der Band Truck Stop bastelte Raab aus Samples von Zindlers Gerichtsverhandlung einen Nummer-eins-Hit. In der Folge wurde der umstrittene Maschendrahtzaun in Auerbach von Fans belagert. Zindler-Anhänger pilgerten zu ihrem Haus, nahmen Teile des Zauns als Souvenir mit und gingen gar noch weiter: «Meinen Briefkasten haben sie in die Luft gesprengt und meine Winterstiefel geklaut», erinnert sich Zindler gegenüber «Bild».


Die Gerichtsverhandlung, die Regina Zindler zum Star machte. (Quelle: Youtube.com / Stopfer92)

Irgendwann hielt es die damals 52-Jährige nicht mehr aus: Sie erlitt einen Nervenzusammenbruch und floh nach Berlin. Dort lebte sie mit ihrem Mann in einer Plattenbausiedlung und genoss die Ruhe. Schon bald vermisste sie allerdings ihre Heimat und zog zurück nach Sachsen. Im Interview bittet Zindler «Bild», ihren aktuellen Wohnort nicht zu veröffentlichen. «Sonst geht der ganze Rummel wieder los», sagt die Rentnerin. Im Grossen und Ganzen gehe es ihr aber gut: «Sie können schreiben, der Zindler gehts prima. Bissl Diabetes, bissl Gelenkschmerzen. Ansonsten geniessen mein Mann und ich unseren Frieden.»

«Ein unmöglicher Mensch!»

Der Groll gegenüber Stefan Raab ist mittlerweile verflogen. Immerhin bezahlte ihr der Produzent freiwillig zehn Pfennig (zirka sechs Rappen) pro verkaufter Platte. «Auf den Herrn Raab bin ich nicht mehr böse», sagt Zindler. «Der hat ja nur sein Lied gemacht. Ich hab damals mein Einverständnis gegeben.» Mit dem Nachbarn und seinem Knallerbsenstrauch hat sie allerdings nie Frieden geschlossen: «Ein unmöglicher Mensch», wettert sie. Und auch Richterin Barbara Salesch sei in ihren Augen völlig unfähig: «Wie so eine überhaupt als Richterin ins Fernsehen durfte!»

Der Maschendrahtzaun in Auerbach steht derweil noch. Die neue Bewohnerin von Regina Zindlers Haus versteht sich angeblich bestens mit ihrem Nachbarn und Knallerbsenstrauch-Besitzer Gerd Trommer.

(nei)