Kuchen-Klau

18. Februar 2011 14:18; Akt: 18.02.2011 14:44 Print

Wie Paris Hilton der Kuchen geklaut wurde

Per sofort ist ein junger Herr namens Paz der gefeierteste Antiheld Hollywoods. Er crashte Paris Hiltons Geburtstagsparty und machte sich mit dem Kuchen davon.

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Der 23-jährige Singer-Songwriter Paz wird als Robin Hood Hollywoods gefeiert. Der Grund? Lassen wir ihn doch gleich selbst zu Wort kommen ... «Heute Morgen bin ich aufgewacht und fand einen 2000-Dollar-Geburtstagskuchen in meinem Wohnzimmer», schreibt Paz. «Er ist gross. Er ist rot. Und es steht 'Paris' drauf. Und er ist verdammt lecker.» «Vor 24 Stunden bekam ich einen Anruf von meinem gut vernetzten Kumpel Kevin: 'Hey Alter, ich crashe heut Nacht Paris Hiltons Geburtstagsparty. Bin mir ziemlich sicher, dass ich dich reinbring', behauptet er. 'Bin mir ziemlich sicher, du schaffst es nicht', sag ich. 'Bin mir ziemlich sicher, ich schaffs', sagt er. 90 Minuten später schlendern wir den roten Teppich runter, als würden wir dazugehören.» «Hollywood ist manchmal so seltsam, dass es mir mitunter Angst einjagt. Ich dachte immer, solche Parties hätten mehr Security-Checkpoints als das Weisse Haus. Doch hier benötigte ich bloss ein rotes Papier-Armband mit einem 'P' drauf und plötzlich bittet mich eine Armee schwarz gekleideter Söldner in eine Villa, die so gross ist wie ein Holiday Inn. Ein Blitzlichtgewitter geht los, als wir vorbeigehen – nur für den Fall, dass wir berühmt wären. Sind wir aber nicht. Doch das scheint gar kein Problem zu sein. Wir mischen uns ordentlich gut unter die Gäste – und mit 'mischen' meine ich: 'viel trinken'.» «Die Party selbst entpuppt sich als einigermassen zahm - 'zahm' nach Hollywoodstandards. In Hollywood gilt es als 'zahm', wenn die Getränke von nackten Bodypaint-Nymphen mit Tinkerbell-Flügeln serviert werden. In Hollywood gilt es als 'eher zahm', wenn ein zwei Meter grosses Iron-Man-Double für eine Breakdance-Performance angeheuert wird. Auf Planet Erde wirken solche Sachen ungefähr so absurd wie das Zersprengen des Gravitationsfeldes. Jetzt sollten wir noch erwähnen, dass es an der Party sechs verschiedene Bars hatte.» «Als Paris endlich ihre Kerzen ausgeblasen hat, sind wir selbst bereits ordentlich weggeblasen. Nach rund einem Dutzend Drinks nuschle ich die Worte zu 'Happy Birthday' in einem einzigen, fortlaufenden Wort und versuche, nicht kopfüber in den Kuchen zu fallen. Der Kuchen ist gross. Er ist rot. Und es steht 'Paris' drauf. Und er sieht verdammt LECKER aus.» «Es wird spät. Als sich die Gästeschar etwas lichtet, guck' ich kurz gen Kuchendorf und merke, dass nicht ein einziges Stück dieser mit Zuckerguss überzogenen Leckerheit serviert wurde. 'Was ist mit dem Kuchen?', frage ich schliesslich einen der Kellner. 'Ach dieser rote da? Das schmeissen die vermutlich weg ...' Per sofort bin ich der personifizierte ungläubige Magen von Jack Black. Und in diesem berauschten Moment beschloss ich, dass niemand 2000 Dollar von irgendwas in den Abfall kippen wird: 'Hey, Kevin. Ich muss diesen Kuchen retten.'» «'Wetten, dass dus nicht schaffst?', sagt er. 'Wetten, dass ichs blörghblaaarghhhh ...', sag ich. 'Ich hol schon mal den Wagen', sagt er. Selbst in meinem kaum funktionsfähigen Zustand merke ich, dass diese Mission Fingerspitzengefühl erfordern wird. Es hat immer noch zirka 100 Leute im Gebäude. 20 Prozent davon sind angestellt, Idioten wie mich in Schach zu halten. Ein Konfektstück von der Grösse eines Feuerwehrlasters durch die Haupthalle zu paradieren, dürfte dem einen oder anderen auffallen.» «Ich spreche jemand an, der Security-Chef zu sein scheint: 'Hey Mann', sag ich mit dem Gehabe von jemandem, der weiss, wovon er spricht, 'der Kuchen ist im hinteren Zimmer, oder?' 'Ja sir', bestätigt er. Das nehm' ich als Wink und mache mich schnurstracks auf den Weg nach Kuchen-City. In einem einzigen, flüssigen Bewegungsablauf umfahre ich einen verwirrten Kellner, ergreife den Preis und mach rechtsumkehrt Richtung Türe. Auf dem Weg nach draussen komme ich wieder beim Security-Chef vorbei. Ich nicke entschlossen ... er nickt zurück.» «40 Sekunden später sitze ich auf dem Beifahrersitz eines Nissan Maximas mit 30 Kilo Grossartigkeit auf meinem Schoss. Als die Sonne aufgeht, lasse ich mich ins Koma fallen. Am Morgen erwache ich und erlebe eine interessante Überraschung in meinem Wohnzimmer: Sie ist rot, lecker, und ich weiss zum Teufel nicht, was ich damit anstellen soll.»

Fehler gesehen?

«Heute Morgen bin ich aufgewacht und fand einen 2000-Dollar-Geburtstagskuchen in meinem Wohnzimmer. Er ist gross. Er ist rot. Und es steht 'Paris' drauf.» Mit diesen Sätzen leitet ein junger Singer-Songwriters namens Paz seinen Facebook-Blogeintrag vom 17. Februar 2011 ein. In einer witzigen Reportage erzählt er, wie er uneingeladen an Paris Hiltons Party zu ihrem 30. Geburtstag ging und in der Folge den Kuchen kaperte (siehe Bildstrecke).

Keine Frage, dass ein solches Husarenstück Wellen schlägt. Inzwischen schreibt Paz in seiner Facebook-Statusmeldung: «Die Front von Reddit und Gawker? Radio-Interviews? Kommt, Leute, es ist nur ein Kuchen! DER KOSTBARSTE KUCHEN DES UNIVERSUMS!»

Während sich die meisten Leser begeistert über den Paris-Partycrasher zeigen, meldete sich Celebrity-Blogger Perez Hilton kritisch zu Worte. In einem erstaunlich humorlosen Kommentar schreibt er: «Ernsthaft – schäm dich, Paz! Solches Verhalten darf man nicht stillschweigend dulden. Jemand hat für diesen Kuchen Geld ausgegeben. Und Geld mitlaufen zu lassen ist für uns immer noch Diebstahl.» Da sorgt sich der alte Perez Hilton wohl, von der jüngeren Blogger-Generation links überholt zu werden.

(obi)