Kuno Lauener

28. März 2017 07:38; Akt: 28.03.2017 14:18 Print

«‹I schänke dr mis Härz› war uns peinlich»

von Martin Fischer - Nach fünf Jahren Pause sind Züri West mit einem neuen Album zurück. Frontmann Kuno Lauener (56) über seinen Rockstar-Status, finanzielle Sorgen und seinen grössten Hit.

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Kuno Lauener ist seit 33 Jahren Gesicht, Kopf und Frontmann der Berner Mundartband Züri West. Fünf Jahre nach Erscheinen des letzten Albums ist jetzt «Love» erschienen. Es ist das zwölfte Studioalbum der Band. Er musste sich nach der längeren Pause, in der Lauener auch zweifacher Vater geworden ist, «schon wieder einen Ruck geben», um zurück ins Rampenlicht zu treten, sagt der 56-Jährige zu 20 Minuten. Über seine Rolle in der Band, bei der auf den jüngsten Release hin zwei neue Mitglieder dazugestossen sind, sagt Lauener: «Früher wollte ich es immer allen recht machen. Heute habe ich mehr Selbstvertrauen, darüber bin ich froh. Ich kann mich auch mal durchzusetzen. Wenn ich genau weiss, was ich will, dann sage ich das auch. Aber ich bin kein Cheftyp.» Dass er in der Schweizer Musikszene als lebende Legende gilt, schmeichelt dem Berner. «An den Swiss Music Awards Anfang Februar habe ich viele jüngere Musiker getroffen. Ich merke, die kennen meine Musik. Das freut mich, es macht mich stolz – und ein bisschen verlegen.» Auf dem Bild holt Lauener 2014 einen Swiss Music Award für Outstanding Achievement ab. 2009 gewannen Kuno und seine Musiker (neben ihm die beiden langjährigen Band-Mitglieder Gere Stäuble und Küse Fehlmann) ihre ersten Awards als beste Live-Band und fürs beste Schweizer Album. Hier wächst ein Rockstar heran: Das ist Kuno Lauener 1993 in seiner Wohnung im Lorrainequartier in Bern. Ein Jahr später erschien das Album «Züri West» mit dem grossen Hit «I schänke dr mis Härz». Kuno 1994. Rockstar. Auf der Bühne ist Lauener ein sehr charismatischer Frontmann. Früher habe er sich «manchmal wohl etwas zu wichtig genommen». Aber das relativiere sich mit der Zeit. Er greift live auch mal in die Saiten, wie hier 2004 mit dem Banjo. Kuno beim Heimspiel auf dem Gurten im gleichen Jahr. Die Posen sitzen, die Sonnenbrille auch. Lauener mit Lunik-Sängerin Jael auf der Bühne anlässlich des 20-Jahre-Jubliäums von SRF 3. Kuno mit Landebahn-Bärtchen. Kunos grosses Thema neben Familie und Musik: der Fussball. «Wenn ich freihabe, schaue ich zwischendurch gern Fussball. Das war schon immer so, das bleibt auch so.»

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Du bist eine Schweizer Musiklegende. Wie lebt es sich mit diesem Status?
An den Swiss Music Awards Anfang Februar habe ich viele jüngere Musiker getroffen, Lo & Leduc oder Pegasus, zum Beispiel. Ich merke, die kennen meine Musik. Das freut mich, es macht mich stolz – und ein bisschen verlegen.

Umfrage
Mögen Sie den Züri-West-Klassiker «I schänke dr mis Härz»?
85 %
11 %
4 %
Insgesamt 1104 Teilnehmer

Wirst du im Alltag oft angequatscht?
Es ist speziell, durch die Stadt zu gehen und zu denken: ‹Jeder weiss, wer du bist, aber du hast keine Ahnung, wer die sind.› Wenn ich gut gelaunt bin, ist das kein Problem. Aber manchmal bin ich froh, wohnt mein Bruder in Spanien. Zwischendurch tut es gut, etwas Zeit bei ihm zu verbringen.

Du stehst jetzt seit über 30 Jahren im Rampenlicht: Was hat das mit dir gemacht?
Wenn man anfängt, ist der Himmel der Horizont, alles ist möglich, man will berühmt werden. Wenn es dann passiert, realisierst du irgendwann, dass du das nicht mehr ausknipsen kannst. Es ist wie eine Tätowierung.

Wie fühlt sich das an?
Es kann einem Angst machen.

Hast du je Lust gehabt, daraus auszubrechen?
Diese Momente gibt es, ja. Dass es manchmal länger dauert, bis wir wieder ein Album veröffentlichen, hat auch damit zu tun, dass ich mich nicht bereit dazu fühle.

Was hilft in solchen Momenten?
Dass ich Kinder habe. Das setzt eine neue Perspektive. Ich bin jetzt nicht mehr der Wichtigste im Haus.

Brauchst du es, bewundert zu werden?
Früher war das schon toll. Ich habe es genossen, auch frauentechnisch. Damals hab ich mich manchmal wohl etwas zu wichtig genommen. Aber das relativiert sich mit der Zeit.

Wie ist es heute mit Groupies?
Ich bin jetzt schon lange in einer Beziehung. Und meistens glücklich.

Gibt es etwas, das dich vom Schlafen abhält?
Das Leben an und für sich. Ich bin ein Schlecht-Schläfer. Das hat sich auch mit den Kindern nicht geändert: Ich bin immer noch der Erste, der wach ist.

Was macht dir Angst?
In Bezug auf die Musik frage ich mich: Wo führt diese Gratis- oder Halbgratis-Kultur hin? Ich glaube nicht, dass das bessere Musik bringt. Angst ist übertrieben, aber es macht mich skeptisch.

Spürst du finanziellen Druck?
Der besteht. Ich kann immer noch von den Tantiemen leben. Aber heute verdient man vor allem noch mit den Konzerten Geld. Wir mussten da zuerst herausfinden, wie wir das am besten handhaben. Jetzt schauen wir, ob es aufgeht.

Du wirst als Texter verehrt. Beeinflusst dich das beim Schreiben?
Beim Texten war ich dieses Mal entspannter als auch schon. Seit ich Vater geworden bin, habe ich schlicht weniger Zeit, um lange und konzentriert zu schreiben. Mit den Kindern habe ich wieder eine Art Fuck-off-Haltung entwickelt – ich kann es nicht allen recht machen.

Ein Talent, das du gern hättest?
Richtig singen zu können! Ich kann vom Singen leben, aber ich kanns nicht wirklich gut.

Letzte Frage: Wusstest du damals, dass «I schänke dr mis Härz» gut kommt?
Nein. Damals war Grunge angesagt. Der Song war uns fast ein bisschen peinlich. Wir haben uns gefragt: ‹Kann man das noch bringen?›

«Love» heisst das neue Album von Züri West, das am Wochenende erschienen ist. Die beiden Vorab-Singles «Schachtar gäge Gent» und «Schatteboxe» gibts hier – die beiden Songs teilen sich ein identisches Video.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc K am 28.03.2017 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wünsche mir de Song für mis Schätzli

    Ich muss immer lachen wenn jemand "ich schänke Dir mis Härz" für seinen Schatz wünscht! Dann hat jemand den Text definitiv nicht verstanden :-)

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  • Reto P am 28.03.2017 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    RS 1994

    I schänke Dir mis Härz war unser RS Song 1994. Das war gleichzeitig meine Bekanntmachung mit Züri West. Von "ich kann den Song nicht mehr hören", hat er sich inzwischen zu einer guten Erinnerung gemausert, die ich mir gerne ab und an wieder gönne :-). Merci Züri West !

  • Posaunist am 28.03.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich mags

    Über den Gesang und die Texte kann man sich tatsächlich streiten, aber die Jungs sind authentisch und sympathisch und nicht aus der CH-Musikszene wegzudenken. Da wechsle ich z.B. bei Baschi weit vorher den Sender....

Die neusten Leser-Kommentare

  • stella3 am 29.03.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Kuno

    ich schänke dir mis Herz, war mein Lied und das meines Exfreundes damals! Jedesmal wenn ich es höre, denke ich wieder an ihn( wir sind heute noch Freunde) es gibt mir auch immer wieder dieses Gefühl von St. Gallen Openair insHerz zurück! Schöne Zeit wars und schönes Lied ist es immer noch! Schatteboxä passt leider auch gerade in diese Zeit..

  • Anonym am 29.03.2017 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstvertrauen

    "Jeder weiss, wer ich bin", ich würde hier von einem sehr gesunden Selbstvertrauen sprechen!! Ich (komme aus der klassischen Musikszene) kannte den Herrn vorher nicht. Spiele selbst 100 Konzerte im Jahr, und kenne sehr viele Musiker. Aber keiner würde so eine Aussage machen.

  • dankbare am 29.03.2017 02:38 Report Diesen Beitrag melden

    inspiration

    mein gesangslehrer in der schule war/ist mitglied von patent ochsner er hat mich damals mit songs seiner band, von stephan eicher und züri west gelehrt, unterstützt und gepusht! heute bin ich in einem anderen genre tätig jedoch dankbar mit der musik so toller musiker gewachsen zu sein! die CH hat unglaubliche talente dank grosser vorbilder!

  • Beat Baumann am 28.03.2017 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Dr mager

    Vor nicht allzulanger Zeit stand Kuno Lauener an einem Anlass neben mir und unterhielt sich mit Jimy Hofer. Ich fragte meine Frau ob sie eigentlich wise wer neben uns stehe? Antwort "dr Hofer kenneni dank, aber wär isch dr mager?"

  • Toman am 28.03.2017 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Analytiker

    "Richtig singen zu können! Ich kann vom Singen leben, aber ich kanns nicht wirklich gut." Recht hat er. Teils sind mir die Antworten sogar sympathisch, spüre auch Frust. Seine existenzielle Angst ist jedenfalls nicht unbegründet. Denn er kann nicht singen, er redet vor sich hin, mit singen hat das nichts zu tun. Ich denke die Zeit bringt nichts Gutes für ZüriW.

    • Roger am 29.03.2017 01:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Toman

      also diese analyse war ja mal für gar nichts.

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