Body Positivity

17. Juli 2019 07:17; Akt: 17.07.2019 07:17 Print

«Auch Männer sollen ihren Körper wertschätzen»

Vor kurzem machte der Zürcher Fotograf Elay Neal Moses auf männliche Body Positivity aufmerksam. Wir haben bei Schweizer Promimännern nachgefragt, was sie darüber denken.

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Der Zürcher Fotograf Elay Neal Moses (23) setzt sich auf Instagram für männliche Body Positivity ein. Vor einer Woche postete er dazu einen Beitrag. Zu sehen: ein Mann oben ohne – ohne Sixpack und mit Brusthaaren. Das Thema des Beitrages: Körpervorbilder für Männer. «Frauen können offen zugeben, wenn sie unsicher mit ihrem Körper sind. Männer werden in der gleichen Situation als zu wenig selbstbewusst bezeichnet oder gar als zu eitel.» Dabei sei gerade die Konversation wichtig für betroffene Männer», lautet ein Ausschnitt des Kommentars zu dem Post, der fast 1200 Likes erhalten hat. Was denken andere Schweizer Promimänner über männliche Body Positivity? Wir haben unter anderem bei Bastian Baker, Gabirano und Brian Havarie nachgefragt, was sie über den Druck zum perfekten Aussehen denken. Ihre Antworten findest du in den folgenden Bildern. Influencer Wuschu (24), bekannt für seine ausgefallenen T-Shirts. «Ich poste das, was mir gefällt, und stehe dazu wie ich aussehe. Jedoch definiere ich mich nicht über meinen Körper. Hätte ich ‹Normalgewicht›, würde ich genauso meine crazy Shirts anziehen.» Ihm sei einfach wichtig, dass er eine positive Message rüberbringen könne und die Leute «Freude haben», ihn zu sehen. Und: Mehr Entspanntheit fände er auf jeden Fall gut. «Jeder soll so viel zeigen von sich, wie er mag, und dafür sollte man nicht verurteilt werden. Es ist schliesslich dein Körper. Wichtig ist, was du über dich denkst, und nicht, was andere über dich denken. Und da man ja sowieso denken muss – warum dann nicht gleich positiv?» : Musiker Bastian Baker (28) «Vielleicht habe ich Glück, dass ich mit einem gesunden Selbstbewusstsein geboren bin. Mir ist es grundsätzlich egal, was die Leute über meinen Look oder meinen Body sagen und denken – solange ich mich wohlfühle, ist es doch gut.» Social Media setzen ihn deswegen nicht unter Druck: «Für mich ist Instagram mehr ein Tool, um mit meinen Fans in Kontakt zu bleiben.» Er präsentiert sich aber immer so, wie er wirklich ist: «Je natürlicher und ehrlicher, desto besser. Ausserdem finde ich den Gedanken daran, etwas sein zu wollen, was ich nicht bin, irgendwie voll anstrengend.» «Switzerland's next Topmodel»-2018-Gewinner Saviour Anosike (19) «Man redet unter den Männern viel zu wenig über den Körper – und wenn man darüber spricht, geht es meistens nur um Sixpacks und wie viele Kilo man im Gym heben kann.» Er finde es schade, dass sich viele Männer körperlich so anpassen, wie die Gesellschaft es möchte. Auch er selber wurde schon mit den vorherrschenden Schönheitsidealen konfrontiert: «Ich war schon immer ein sehr schlanker Mann und musste mir viel Negatives anhören, obwohl ich immer gesund und zufrieden war und immer noch bin. Leider wusste ich damals nicht, dass es vollkommen okay ist, nicht einen ‹perfekten› Körper zu haben.» Darum sei er jetzt umso mehr stolz, seinen Körper zu zeigen, da er sich wohlfühle: «Es ist an der Zeit, mehr darüber zu reden, dass man seinen Körper auch als Mann richtig pflegen und wertschätzen soll – ohne dass man 08/15-Beauty-Standards im Hinterkopf trägt.» Influencer und Comedian Gabirano Guinand (20) Generell findet er es eine gute Message, regelmässig ins Gym zu gehen. Aber: «Perfekt trainierte Körper finde ich nicht wirklich gut. Schliesslich ist das nicht die echte Welt und für die meisten Menschen sind diese Bodys extrem schwierig zu halten. Ich persönlich bin auch einfach, wie ich bin – von klein auf dünn.» Social Media würden ihm in Sachen Körper keinen Stress machen: «Ich folge keinen Bodybuildern oder Fitness-Freaks auf Instagram – das interessiert mich zu wenig. Ich fühle mich wohl, wie ich bin, und ich habe das Gefühl, viele Männer ticken genau gleich.» Solange man «reden kann, lustig ist und Spass hat», brauche man sich über den Body nicht den Kopf zu zerbrechen. Influencer Brian Havarie (18) «Ich finde es sehr wichtig, dass man unrealistische Körperideale auch bei Männern thematisiert. Man spricht nur immer von Frauen, die schlank sein wollen. Das Wichtigste ist, dass man sich einfach wohlfühlt – solange es gesund ist.» Was andere von ihm denken, kümmert ihn wenig: «Ich ziehe das an, was mir gefällt, unabhängig davon, ob es ... ... andere Leute gut finden oder nicht. Ich weiss aber, dass viele heterosexuelle Männer denken, sie könnten schwul wirken, wenn sie über Gefühle oder Unsicherheiten sprechen. Dabei ist es wichtig, über solche Dinge zu reden – und dass auch Frauen Verständnis dafür zeigen.» Man solle sich selber treu bleiben, aber andere auch so respektieren, wie sie sind. Influencer-Award-Finalist in der Kategorie Talents, Sergio Mistretta (20) «Es überrascht mich nicht, dass wenig über Male Body Positivity gesprochen wird, weil es Männern so wichtig ist, männlich zu wirken – über Gefühle zu sprechen gehört da leider nicht dazu.» So könne sich ein Druck entwickeln, der auch für Männer selbstzerstörerisch sein könne. Und fühlt er sich selber auch unter Druck von männlichen Schönheitsidealen? «Ich habe kein Sixpack und bin nicht durchtrainiert, fühle mich aber wohl in meinem Körper. Auf meinem Account @miseit achte ich nicht gross darauf, ob ich meinen Body zeige oder nicht.» Wenn er am Strand sei und ein tolles Foto schiesse, poste er das – auch wenn sein Body zu sehen ist. Das war aber nicht immer so: «Ich war unsicher, als ich 16 oder 17 Jahre alt war. Unter anderem wegen all der perfekten Sixpack-Bilder, die auf Social Media kursieren. Dann bin ich allen makellosen Models nicht mehr gefolgt, das hat mir geholfen. Ich finde es wichtig, auf Instagram nur Accounts zu folgen, die inspirieren und motivieren.» So würde Instagram zu einer Plattform werden, «die einem hilft, sich weiterzuentwickeln». Auf Instagram gibt es sehr wenige männliche Influencer, die sich mit dem Druck um den perfekten Körper befassen – und wie man diesem entgegenwirkt. Wer sie sind und was sie zu sagen haben, erfährst du auf den folgenden Bildern. Einer von ihnen ist zum Beispiel Der Brite ist nicht nur Vater von Drillings-Mädchen und einem sechsjährigen Sohn, sondern auch Befürworter von männlicher Diversity. «Mein Gewicht hat mich schon immer gestört – jahrelang war es das Erste, an das ich beim Aufwachen und vor dem Zubettgehen dachte», schreibt er zu diesem Insta-Post. Er fühle sich inzwischen zwar besser und mache viel Sport, aber dennoch falle es ihm schwer, sich selber zu lieben: «Ich befinde mich auf einem guten Weg, ganz werden ... .... die Unsicherheiten aber nie verschwinden, da sich viele Probleme in meinem Kopf befinden.» Für alle, denen es ähnlich geht, hat er aber einen Tipp: «Wenn ihr Probleme mit eurer psychischen Gesundheit habt, dann sprecht unbedingt mit jemandem darüber, das ist der erste Schritt zur Besserung.» ist das erste männliche Plus-Size-Model, dass einen Vertrag mit der weltberühmten Modelagentur IMG bekommen hat. Auf Instagram spricht er ganz offen über die psychischen Probleme, die sein Körper ihm früher bereitet hat: «Fast mein ganzes Leben lang habe ich mich nie ohne T-Shirt gezeigt – nicht einmal am Strand. In der Primarschule war meine grösste Angst, dass mein Bauch ... ... unter meiner Kleidung hervorblitzen könnte.» Heute läuft er auch oben ohne an Fashion-Shows mit und hat schon verschiedene Kampagnen geshootet. «Body Positivity ist ein schwieriges Thema für Männer. Deshalb ist es so wichtig, dass wir darüber reden», schreibt er auf seinem Profil. Seit April schreibt Miko für den Blog Chubstr wöchentlich eine Kolumne rund ums Thema männliches Körperbewusstsein und veröffentlicht Artikel wie: «Nennst du dich selber fett?», «Wie man als Erwachsener mit Mobbing umgeht» oder «Wie kann man sich als übergewichtiger Mann im Gym wohlfühlen?» Auch (26) aus England macht auf seinem Instagram-Profil @Bopo.boy auf Body Positivity unter Männern aufmerksam: «Lange dachte ich, dass nur mein Aussehen meinen Wert definiert. Der innere Konflikt, der dadurch entstanden ist, hat meinen Körper sowie meine Psyche geschädigt.» Er habe übertrieben Sport gemacht, fast nichts mehr gegessen und sogar Geld in Operationen investiert, um den Idealen zu genügen, die ihm insbesondere Social Media aufzeigten. Unsicherheiten müssen nicht immer gleich ersichtlich sein, wie er schreibt: «Es ist lustig: Wenn mich die Leute angezogen sehen, geben sie keine blöden Kommentare ab – man sieht mir auf den ersten Blick nicht an, dass mein Körper nicht den männlichen Schönheitsidealen entspricht. Sobald sie aber sehen, wie ich unter meiner Kleidung aussehe, haben sie irgendetwas Negatives dazu zu sagen.» Er schloss aber Frieden mit seinem Körper, als er anfing, «die Normen der Gesellschaft auszublenden». Er höre jetzt einfach darauf, was sein Körper brauche. Auf dem Bild links beschreibt er seinen Körper – aber eben auch seine charakterlichen Stärken, die ihm seinen Wert geben: «Ich habe Dehnungsstreifen, Männerbrüste und hängende Haut, aber auch ein gutes Herz, einen neugierigen Geist und bin ein Powermann – und das ist es, was zählt.» Der deutsche Claus Fleissner ist ebenfalls als Plus-Size-Model tätig und teilt auf seinem Instagram-Account seine Erfahrungen als übergewichtiger Mann. «Akzeptiert eure Extra-Kilos und fangt an, euch selber zu lieben», steht in seiner Insta-Bio geschrieben. Auf seinem Blog extra-inches.de stellt er stylische Kleidung in Übergrössen für Männer vor: «Das Angebot an Herrenmode in grossen Grössen macht es mir selbst nicht immer leicht, das anzuziehen, was ich gerne möchte. Aber es gibt immer wieder ein paar coole Teile», schreibt er auf seinem Blog.

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«Auch Männer sollen ihren Körper wertschätzen, ohne dabei 08/15-Beauty-Standards im Hinterkopf zu haben», sagt «Switzerland's next Topmodel»-Gewinner Saviour Anosike. Damit nimmt er Bezug zu einem Instagram-Post, den der Zürcher Fotograf Elay Neal Moses vor einer Woche gepostet hat: «Der Schönheitsdruck, den die Gesellschaft auf Einzelne ausübt, betrifft auch Männer», schrieb Elay darin.

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Die Thematik von Elays Insta-Beitrag: Während bei Frauen die Diskussion über unrealistische Schönheitsideale und Body Positivity offen stattfindet, werden Männer als «zu wenig selbstbewusst» oder gar «zu eitel» bezeichnet, wenn sie über Unsicherheiten bezüglich des eigenen Körpers sprechen.

Das finden andere Schweizer Promimänner

Wir haben neben Saviour auch bei anderen Schweizer Promimännern wie dem Musiker Bastian Baker, dem Comedian und Influencer Gabirano oder dem Instagrammer und Youtuber Brian Havarie nachgefragt, was sie von männlicher Body Positivity halten – und ob sie sich auch schon unwohl in ihrem Körper gefühlt haben.

Das Fazit: Alle männlichen Körpertypen sollen in der Öffentlichkeit repräsentiert sein – und auch Männer sollen über den Druck zum perfekten Aussehen sprechen.

Die Antworten gibt es in der Bildstrecke oben. Bonusmaterial: Wir zeigen auch ein paar der wenigen männlichen Influencer, die sich auf Social Media für Body Positivity und Diversity unter Männern starkmachen.

Findest du auch, dass die Diskussion über männliche Körperideale offen und ohne Vorurteile stattfinden muss? Dann teile deine Gedanken in der Kommentarspalte und diskutiere mit!

(mim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leser am 17.07.2019 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Koffer packen

    Ich packe meinen Koffer und gehe 20 Jahre in die Vergangenheit, kommt jemand mit?

  • Albert am 17.07.2019 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Promi-wer?

    Im Artikel steht: Es seien Schweizer Promis befragt worden. Wann und wer? Ich erkenne unter den befragten Männern keinen Promi.

  • Marwin am 17.07.2019 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Unpassend

    Influencer dazu zu befragen ist wohl die allerdümste, unpassendste Reaktion auf dieses Thema!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto am 17.07.2019 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die Aussage stimmt schon...

    Was möchte die Gesellschaft denn noch so alles "sollen" ? Ich mache mir da keine grosse Sorgen um meinen Körper. Ich lebe am besten wenn ich überhaupt nichts muss oder soll. Ich höre auf meinen Bauch und das sollte jeder machen, ob dieser dick, dünn, gross oder klein ist :-) Das beste wird sein, schaut keine Werbung und den ganzen anderen Mist mehr und lasst euch nichts vormachen, bleibt unverfälscht das mach jeden Menschen attraktiv und sympatisch. Davon abgesehen sehen die meisten Menschen, welche sich im Fitness formen und dauernd auf ihr Aussehen achten, recht steif und verbissen aus.

  • Wampi am 17.07.2019 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wampe gut, alles gut

    Nein, mich trifft dieser Druck überhaupt rein gar nicht. Immerhin habe ich es innert 37 Jahren (seit 20) aus meinem perfekten Sixpack ein formschönes Fässchen zu bilden. 37 Jahre harte Arbeit machen einem doch stolz! Lang lebe das Rahmsösschen, lecker Bierchen oder süsse Nettigkeiten. Wenn ich all die ach so geplagten Body Formers angucke kreige ich nicht einmal Mitleid mit denen. Wer sich einem solchen Körperkult unterwirft, gibt die schönen Dinge im Leben auf. Ich habe dieses eine Leben und das will ich geniessen. Lang lebe meine Wampe!

  • jolanda müller am 17.07.2019 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    antifeministin

    body positivity.. von mir aus.. aber die Mens health week, welche auf Männerspezifische Krankheiten und die schlecht finanzierte Forschung dieser, aufmerksam machen will - und dies seit vielen Jahren, wurde in keiner Schweizer Zeitung auch nur ein einziges mal erwähnt! Man google mal wann diese Woche war und was unbedingt in dieser selben Woche alles stattfinden musste. Von wegen Respekt und so... Und noch was: gebt den Vätern doch einen Tag im Jahr an denen sie etwas Wertschätzung erhalten! In anderen Ländern ist der Vatertag gleich wichtig wie der Muttertag. Hier wird dieser ebenfalls nicht mal erwähnt. Man schlage auch mal nach an welchem Datum dieser stattgefunden hat...

  • JohnnyBalloony am 17.07.2019 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mann ist nicht mehr gefragt

    Hat schon was! Als schlanker, eher dünner Typ muss man sich immer was anhören, selbst von Frauen, welche alles andere als perfekt gebaut sind. ABER WEHE MAN GIBT DANN ZURÜCK! Habe ohnehin das Gefühl, dass Mann langsam keine Ansprüche mehr haben darf, aber Frau ihren ganz persönlichen David Beckham verdient. Auch wenns eigentlich ohne Social Media und "Trend" gehen sollte.

  • sam am 17.07.2019 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was meint ihr nun?

    Wertschätzen und zur Schau stellen sind nicht das gleiche.