Männer und Make-up

05. November 2019 04:47; Akt: 05.11.2019 07:32 Print

«Fürs Schminken muss man sich nicht schämen»

Barbara Schöneberger stichelte auf Instagram gegen geschminkte Männer und hat nun einen Shitstorm am Hals. Das sagen Schweizer Promi-Männer dazu.

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Bekannt wurde eigentlich nicht als Influencer, sondern durch seine Videos auf der App Musical.ly. Mittlerweile folgen dem Basler auf Insta allerdings fast genauso viele Leute wie auf Tik Tok, wie Musical.ly seit Neuerem heisst. Neben Fotos von sich postet der 18-Jährige auf Instagram auch kurze Videos, in denen er sich schminkt. Die Clips sind oft aufwändig gestaltet und kleine Kunstwerke. Zurzeit wohl der erfolgreichste Deutsche in seinem Metier: . Der 26-Jährige hat über 776'000 Abonnenten auf Youtube. Einen Meilenstein in der Beauty-Community hat Marvyn bereits Ende 2017 genommen. In Zusammenarbeit mit der Make-up-Marke BH Cosmetics brachte er eine Schminkpalette heraus, die den Namen Marvycorn trägt. Die männlichen Beauty-Influencer halten zusammen: Mit ist Marvyn eng befreundet. Ossi, der eigentlich Oskar heisst, ist mit 14 Jahren wohl der jüngste männliche Beauty-Youtuber im deutschsprachigen Raum. Obwohl fast eine halbe Million Leute Ossi auf Youtube abonniert haben, nimmt es der Deutsche mit seinem Blogger-Dasein eher locker. Sein letztes Video hat er vor vier Monaten gepostet – wieso er aktuell Pause von der Video-Plattform macht, ist unbekannt. Der professionelle Make-up-Artist zeigt seinen 165'000 Instagram-Followern regelmässig ausgefallene Looks wie diesen. Der Schweizer ist ein wahrer Verwandlungskünstler: Mithilfe von Perücken erfindet sich Endrin immer wieder neu. Der Newcomer unter den männlichen Beauty-Influencern ist . Dem Münchner folgen auf Instagram 12'800 Abonnenten. Von seinem Gehalt als Coiffeur-Lehrling gebe er bis zu 150 Euro im Monat für Beauty-Produkte aus, verriet der 19-Jährige kürzlich gegenüber Spiegel.de.

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Moderatorin Barbara Schöneberger hat vor einigen Tagen auf der Instagram-Seite ihres Magazins «Barbara» ein Video gepostet. Darin lässt sie sich über Männer aus, die Make-up tragen. Unter dem Video steht: «Männer-Make-up? Irgendwann ist auch mal Schluss!»

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Prominente Deutsche haben kein Verständnis für Barbara Schönebergers Ansichten. (Video: Wibbitz/20 Minuten)

«Männer, bitte schminkt euch nicht», fordert die 45-Jährige im kurzen Clip. Der Grund: Sie will, dass der Mann «Mann bleibt». Augenringe abdecken und sich mit Parfüm besprühen, geht Schöneberger dabei schon zu weit – Gesichtscreme sei hingegen in Ordnung. Für ihre Aussagen hagelt es viel Kritik, über 30'000 Kommentare sammelten sich unter dem Post.

Was denken Schweizer Männer über Schönebergers Post? Wie stehen sie zum Thema Männer und Make-up? Wir haben bei drei Prominenten mit Schmink-Erfahrung nachgefragt.

Das sagt «Bachelorette»-Gewinner Kenny

Kenny Leemann (23) hat dieses Jahr um Bachelorette Andrina Santoro (27) gebuhlt und dort die letzte Rose abgestaubt. Der Architekturstudent sagt, dass er sich auch schon an den Schminksachen seiner Schwester bedient hat, um Makel zu kaschieren – vor allem wenn selbstsicheres Auftreten gefragt war.

Pudern und Augenringe abdecken sei bei Shootings und TV-Auftritten Standard. «Ich will ja neben meinen dummen Sprüchen nicht auch noch scheisse aussehen», so Kenny.

Bei zwei Rosen-Nächten hat der Zürcher auch mit Mascara experimentiert, wie er sagt. Das «Jack-Sparrow-Feeling» fand er cool. Zu Barbaras Aussagen meint der Zürcher: «Öffentlich über das Äussere von anderen zu reden, sollte doch sowieso tabu sein.» Egal, ob mit oder ohne Make-up, wichtig ist laut dem «Bachelorette»-Gewinner, dass man sich wohlfühlt: «Fürs Schminken muss man sich nicht schämen.»

Das sagt Beauty-Guru Brian

«Make-up sollte bei Jungs so akzeptiert sein wie Fussballschuhe», meint Beauty-Influencer Brian Havarie (19). Schönebergers Video empfindet er als «gefährlich». Besonders Eltern, die zu Barbaras Anhängerschaft gehören, könnten sich davon beeinflussen lassen und ihr Kind «in alte Rollenverteilungen» zwängen. «Ginge es ihr um die Partnersuche, wäre es was anderes – jeder soll seine Präferenzen haben. Im Video verallgemeinert sie aber, was es heisst, ein Mann zu sein», so Brian.

Der Berner mit 162'000 Abonnenten auf Instagram ist ein Experte auf dem Gebiet – als Influencer verschreibt er sich dem Thema Beauty. «Mittlerweile bringen sogar konservative Luxusmarken Make-up für Männer raus. Es ist aber noch nicht lange her, dass ich mich kaum traute, einen Concealer für meine ersten Pickel zu kaufen.» Barbaras Aussagen findet er inkonsequent: «Sie setzt sich sonst auch für die Emanzipation ein. Sie und ihr Team sollten das Wort ‹Gleichberechtigung› definitiv nochmals hinterfragen.»

Das sagt der Künstler und Influencer Elay:

Natürlich dürfe Barbara Schöneberger ihre Meinung öffentlich kundtun. «Sie muss aber auch damit rechnen, dass es Gegenwind gibt», meint der Influencer und Künstler Elay Neal Moses (23). Dass Barbara Männer mag, die dem klassischen Rollenbild entsprechen, findet er völlig in Ordnung. «Leider wirkt es jedoch so, als würde sie sich über Männer, die sich schminken, lustig machen», so Elay.

Der Zürcher mit über 30'000 Followern greift selbst nur selten zur Schminke, etwa wenn er Events besucht oder nach einer durchzechten Nacht fit aussehen will – aus den gleichen Gründen, wie sich auch Frauen schminken würden. «Mir ist es wichtig, dass es natürlich aussieht, aber das ist nur mein Geschmack», so der 23-Jährige.

Klar ist für Elay: «Mann ist Mann – ganz egal, wie er sich kleidet oder ob er sich Farbe ins Gesicht malt.» Zudem hätten sich Männer bereits im alten Rom oder Ägypten geschminkt: «Es ist eine Erscheinung unserer Zeit, dass Make-up als weiblich angesehen wird. Diese wird nun mehr und mehr gebrochen.»

(stv)