Kerstin Cook

01. März 2011 00:11; Akt: 01.03.2011 07:52 Print

«Ich bekam Drohbriefe»

von Bettina Bendiner - Seit einem halben Jahr amtiert Kerstin Cook (21) als Miss Schweiz. Mit 20 Minuten Online sprach die Luzernerin über schwere Zeiten – und verrät, warum sie ihren Job liebt.

(Interview: Bettina Bendiner; Video: 20 Minuten Online)
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Wie wars bis jetzt als Miss Schweiz?
Mega aufregend. Ich habe so viel erlebt – Gutes und weniger Gutes.

Zuerst das Gute.
Ich bin viel gereist. Vorher hatte ich ja nie Geld dazu und ich hatte kein Interesse an der grossen weiten Welt. Beim Shooting in Südafrika hat mich das Reisefieber gepackt. Jetzt steht mir die Welt offen.

Wann wars schwer?
Am Anfang, als alle glaubten, ich hätte bei meinem Biologie-Studium gelogen, wäre eine «Miss Bschiss». Es war schwer für mich, darüber hinwegzukommen. Das hat mich sehr getroffen. So ganz hab ich das noch nicht verdaut. Dabei war alles ein Missverständnis.

… das du jetzt aufklären darfst
Das englische Ausbildungs-System funktioniert anders. Ich mache A-Levels am Oxford College und besuche in diesem Rahmen Biologie-Kurse. Die brauche ich, damit ich später in England die Ausbildung zur Physiotherapeutin machen kann. Ich habe nie behauptet, dass ich einen akademischen Abschluss mache. Die Debatte hat mir wirklich wehgetan.

Hast du viel geweint?
Ja, weil es auch grad am Anfang passiert ist. So genau wusste ich auch nicht, wie das System funktioniert. Plötzlich wurde mir vorgeworfen, ich hätte nur wegen einer Lüge gewonnen. Leute drohten mir sogar, mir auf der Strasse ins Gesicht zu spucken.

Wie hast du dich aus dem Tief rausgeholt?
Ich habe es einfach weggesteckt, musste es ignorieren. Egal, was ich gesagt habe, es wurde nicht besser. Zum Glück ist das Thema jetzt abgehakt.

Hast du manchmal an der Krone gezweifelt?
Nein. Das Schlechte ist ja nur ein kleiner Teil. Als «Miss Schweiz» erlebt man so viel Grosses, lernt so viele liebe Menschen kennen. Insgesamt passiert mehr Schönes als Negatives.

Erinnerst du dich an dein erstes Autogramm?
Das ist schon schräg. Für mich und meine Liebsten bin ich doch einfach nur Kerstin. Privat realisiere ich manchmal gar nicht, was vor sich geht. Meine Familie will schon gar nicht mehr mit mir einkaufen gehen. Sie findens peinlich, wenn mich alle anstarren (lacht).

Traust du dich ungeschminkt noch aus dem Haus?
Kaum (lacht). Nein, ich bin eigentlich immer gestylt. Ich schaue, dass ich einigermassen aussehe – so, dass ich mich nicht schämen muss, wenn plötzlich ein Bild von mir auftaucht.

Wie kommst du mit dem Stress klar?
Ehrlich gesagt, habe ichs mir stressiger vorgestellt. Ich finde immer Zeit für meine Familie, meinen Freund und meine Freunde. Ich hab schon vorher viel gemacht, modeln, arbeiten, Leichtathletik – deshalb weiss ich, wie das ist mit einem vollen Terminplan.

Was kommt zu kurz?
Ein bisschen Zeit für mich ganz allein. Ich bin nur allein, wenn ich schlafe.

Und dein Freund Silvan …
Wir sind wirklich glücklich.

Hat sich eure Beziehung verändert?
Ja, wir sind stärker geworden als Paar. Er war immer für mich da, hat mich unterstützt. Die negativen Schlagzeilen haben uns näher zusammen gebracht.

Wie oft seht ihr euch?
Sehr viel eigentlich. Mindestens einmal pro Woche. Entweder besucht er mich oder ich fahre zu ihm nach Wil.

Was rätst du künftigen Miss-Schweiz-Kandidatinnen?
Man muss es sich wirklich gut überlegen. Der Job bedeutet mehr als sich hinzustellen und zu lächeln. Vor allem sollte man alles mit der Familie und den Freunden besprechen. Wenn man sich dann stark genug fühlt – dann los.

Wie schaffst du das, immer zu lächeln?
Ich reiss mich einfach zusammen. Schlechte Gefühle bleiben bei mir zuhause.

Hast du Pläne für nach der Wahl?
Noch ein bisschen im Business zu bleiben, zu modeln – so ganz genau weiss ich das noch nicht. Später will ich Physiotherapeutin werden. Aber erst, wenn ich wirklich bereit bin dazu. Ich werde aber sicher nicht Sängerin oder Schauspielerin (lacht).

Mitarbeit: Monika Rufener

Möchten Sie Miss Schweiz werden? Alle Infos gibts auf www.miss.ch.