Mimiks ist zurück

19. August 2019 04:48; Akt: 19.08.2019 04:48 Print

«Ich werde nie Jay Z sein»

von Martin Fischer - Der Luzerner Rapper Mimiks meldet sich nach einer Auszeit mit einem neuen Song zurück. Er hat jetzt ein grosses Label im Rücken – und weiss wieder, was er will.

Mimiks beantwortet Fragen, die die 20-Minuten-Leserinnen und -Leser via Instagram gestellt haben. (Video: Simona Ritter)
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Mimiks, wo warst du?
Am Sound machen, jeden Tag. Vor rund einem Jahr habe ich nach einer Pause wieder angefangen Musik zu machen.

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Wieso die Pause?
Ich musste mich selber finden. Und rausfinden, welche Geschichten ich noch zu erzählen habe. Ich wollte nicht einfach so weitermachen, wie bisher.

«Wo ist mein Platz in der Welt?»

Jetzt hast du den 8-Minuten-Track «Für immer niemer» gedroppt.
Ja. Darin verarbeite ich meine grosse Selbstfindung – als Mensch und Künstler.


So klingt der neue Song von Mimiks – das Video wurde ohne Schnitt gedreht. (Quelle: Youtube)

Erzähl.
Nach drei Alben in sieben Jahren kam ich in eine Krise. Auch privat hat sich in der Zeit einiges getan. Ich habe mich gefragt: Wo ist mein Platz in der Welt? Was ist meine Aufgabe in diesem Gesamtkonstrukt Leben?

Und?
Ich wusste nicht, ob ich wirklich noch Musik machen will. Ich hab auch überlegt, ob ich ein Studium anfangen soll. Ganz generell musste ich mit einigen unumgänglichen Facts Frieden schliessen.

«Ich kann höchstens der krasseste Dude in der Schweiz werden.»

Zum Beispiel?
Ich werde nie Jay Z sein. Ich kann höchstens der krasseste Dude in der Schweiz werden.

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Ist das zu wenig für dich?
Früher wollte unbedingt möglichst viel aus dem Rappen rausholen. Ich wollte ein Star sein – und ich bin ja auch relativ weit gekommen. Aber zufrieden war ich trotzdem nie. Ich habe nur gesehen, was noch drin liegen müsste. Mit «Für immer niemer» schliesse ich Frieden mit der Situation, in der ich als Musiker in der Schweiz bin.

«Ich habe nur gesehen, was noch drin liegen müsste.»

Wie meinst du das?
Ich muss mich auch gern haben können, ohne ein Superstar zu sein. Ich musste mir sagen: «Alter, du musst chillen, sonst wirst du nur unglücklich.»

Welche Träume hattest du?
Zum Beispiel das Hallenstadion zu füllen. Zu realisieren, wie weit weg ich davon war, hat mich letztlich gehindert, fröhlich durchs Leben zu gehen. Ich finde solche Träume legitim und immer noch gut. Aber es darf nicht mein Lebensinhalt sein, dem nachzurennen.

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Was will Mimiks 2019?
Einfach guten Sound machen. Und es ist easy, wenns easy ist. Wenn an ein Konzert nur 100 Leute kommen sollten, ist das auch viel wert.

Wie schwierig ist Musiker-Dasein in der Schweiz für dich?
Ich sehe es positiv: Ich darf in der Schweiz leben. Und ich darf hier leben und Musik machen – und sogar davon leben. Ich kann mich nicht beklagen. Es hat ja auch Vieles funktioniert für mich. Darauf fokussiere ich mich – und ich mach mir keinen Stress, wie viel Geld mir die Suisa am Ende des Quartals überweist.

«Vieles hat funktioniert für mich.»

Du bist jetzt bei einem grossen Label unter Vertrag. Machst du dir Druck?
Nein. Wenn mir das Produkt gefällt, dann stimmt es. Ich gebs aus den Händen – und dann schaue ich, was passiert.

Wie sehen deine 041-Jungs diese Entwicklung?
Ihr Feedback ist mir sehr wichtig. Ich spiele ihnen alle neuen Songs vor. Und ich werde sie nur veröffentlichen, wenn ich beim Hören ein Leuchten in ihren Augen sehe.

Wie entstehen deine Songs?
Ich hab ein System, das gut funktioniert. Ich stehe so gegen 9 Uhr auf. Dann mache ich mir einen Kaffee und starte den PC. Dann checke ich verschiedene Beats aus – und fange an zu schreiben.

Und wie schreibst du?
Zuhause, am Computer. Mir ist die Art und Weise wichtig, wie die Songs entstehen: Es gibt Rapper, die schreiben einen Track in zwei, drei Stunden. Ich kann das nicht. Ich muss mich hinsetzen, immer wieder – und leiden beim Schreiben.

«Wir haben damals das Game verändert.»

Wo siehst du deinen Platz im Schweizer Rap?
Wir haben damals das Game verändert – das kann uns niemand mehr nehmen. Als ich anfing, waren wir die ersten die US-Beats verwendet haben und keinen Blüemli-Rap machten. Wir haben schon 2012 Autotune benutzt. Heute machen das alle. Ich glaube, wir haben eine Brücke geschlagen zwischen der alten und der neuen Rapper-Generation.

Wie siehst du den Schweizer Rap zurzeit?
Hip-Hop wird immer grösser, auch bei uns. Es gibt viele Rapper mit ganz unterschiedlichem Style. Das ist geil.

Welche Stadt hat aktuell die besten Rapper?
Bern, das muss ich leider anerkennen. Ich sehe das als Challenge.