Anja Zeidler im Interview

05. Februar 2020 04:50; Akt: 05.02.2020 04:50 Print

«Mein Kind hat ein Recht auf Privatsphäre»

Seit einer Woche ist Anja Zeidler Mutter einer Tochter. Die Luzerner Selflove-Influencerin über ihr neues Mami-Leben, das Stillen und Vaterschaftsurlaub.

Anja Zeidler und Freund Milan Anicic geniessen ihre Zeit zu Hause mit ihrem Baby. Video: Instagram/Zeidler/InVideo)
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Anja, wie geht es dir?
Ich bin glücklicher als je zuvor! Es klingt immer so kitschig, wenn frischgebackene Mütter das sagen. Aber wenn man es selbst erlebt, begreift man, was alle meinen.

Umfrage
Wie viel Vaterschaftsurlaub braucht es?

Wie hast du die ersten Tage nach der Geburt erlebt?
Wir haben uns im Kantonsspital Luzern ein Familienzimmer genommen. Dort wurden wir drei Tage bestens umsorgt und haben uns extrem wohl gefühlt.

Jetzt seid ihr zu Hause und plötzlich zu dritt.
Es ist wunderschön. Die Kleine hat die Liebe zwischen Milan und mir noch stärker gemacht. Zwar erfordern schon die einfachsten Dinge im Alltag etwas mehr Planung – Essen etwa. Aber ich empfinde das absolut nicht negativ. Man darf sich einfach nicht hetzen lassen.

Was ist die grösste Veränderung?
Viele sagen: «Nun wird dein Leben über Nacht auf den Kopf gestellt!» Ich weiss schon, was sie meinen. Aber ich geniesse alle Veränderungen.

«Ich geniesse sogar den Schlafentzug»

Wie siehts mit dem Schlafentzug aus?
Sogar den! Ich höre jeden kleinen Mucks von ihr, und manchmal will sie auch nachts gestillt werden. Aber ich fühle mich alles andere als müde. Vermutlich bin ich einfach eine etwas gelassenere Person und das spürt die Kleine, was sie auch zu einem gelassenen Baby macht.

Du hast schon im Vorfeld gesagt, dass du dein Kind stillen willst. Klappt das?
Ich bin überglücklich, dass es problemlos funktioniert. Das war mir sehr wichtig, denn ich empfinde Muttermilch als die beste Versorgung für einen Säugling. Ich wünsche mir, lange stillen zu können. Aktuell läufts bei mir bei mir, wortwörtlich. (lacht)

Die Muttermilch, meinst du?
Ja. Vorhin lag ich endlich mal wieder auf dem Bauch. Das habe ich in der Schwangerschaft vermisst. Ich trage zu Hause keine BHs, das soll helfen können, einen Milchstau zu verhindern. Als ich aufgestanden bin, entdeckte ich mehrere, grosse Milchflecken auf dem Bettlaken. Wie gesagt, läuft bei mir!

Was ist das Schönste am Muttersein?
Die bedingungslose Liebe. Alleine sie beim Trinken an der Brust zu beobachten «makes my day». Es ist unbeschreiblich. Ich würde mich mit der ganzen Welt anlegen für sie. So gross ist meine Liebe zu ihr jetzt schon. Ich bin in jedes kleinste Härchen und Fingernägelchen verliebt.

Und was ist beängstigend?
Angst kann nicht aufkommen, solange ich sie nicht zulasse. Ich freue mich auf alle kommenden Veränderungen und Herausforderungen. Mit der richtigen Einstellung gelingt einem alles irgendwie. Ich war schon der Schwangerschaft und Geburt gegenüber positiv eingestellt, am Ende verlief auch alles reibungslos.

«Ich werde einiges öffentlich teilen, aber nicht alles»

Apropos Einstellung: Wie ist deine Meinung zu Kindern auf Instagram? Wie viel wollt ihr künftig zeigen?
Bald erzähle ich mehr dazu in einem Youtube-Video. Vorneweg: Ich werde sicher einiges teilen, bestimmt aber nicht alles. Unser Kind hat ein Recht auf Privatsphäre.

Kann man zu viel von seinem Kind sharen?
Wir werden für unser Baby auf keinen Fall einen eigenen Insta-Account erstellen. Das empfinden wir als too much. Aber jede Familie soll selber entscheiden, wo ihre Grenzen liegen, ohne verurteilt zu werden.

Du hast nach der Geburt ein paar Tage Social-Media-Pause eingelegt. Jetzt hast du wieder gepostet und Storys geteilt. Gibts keinen Mutterschaftsurlaub für eine Influencerin?
Ich werde vor allem in den ersten Wochen reduzieren. Aber einen klassischen Mutterschaftsurlaub mache ich wohl kaum. Ich mache es abhängig von meiner Tochter und nehme es Schritt für Schritt. Es gibt Pausen, wenn ich sie brauche, und ich gebe Vollgas, wenn es rund läuft. Business zwischen Windeln und Stillen hört sich nach einer Herausforderung an, die ich erleben möchte. Ich mag es, wenn viel läuft. Absolut klar ist, dass meine Tochter immer an erster Stelle steht.

Hat Milan noch Vaterschaftsurlaub?
Er hat zwei Wochen bekommen, dafür bin ich seinem Chef sehr dankbar. Milan kann mich gut entlasten, macht zum Beispiel die Küche, wenn ich stille. Auch beruhigt die Kleine sich sehr gut, wenn sie auf seinem Oberkörper liegt. Dann hab ich auch mal 15 Minuten Zeit, um zu duschen.

«Eine Elternzeit wäre sinnvoll»

Wie stehst du generell zum Thema Vaterschaftsurlaub?
Das Thema muss endlich angegangen werden. Als frischgebackenes Mami alleine kochen, stillen, aufräumen, einkaufen, haushalten, Windeln wechseln... Und der Mama-Job kennt keine Nachtruhe. Die Väter sollen da miteinbezogen werden dürfen. Zur Entlastung der Mutter, aber auch, um eine Bindung zum Kind aufbauen zu können. Ich bin für den Vaterschaftsurlaub und fände eine geteilte Elternzeit sinnvoll. Die Schweiz ist mit ihrer aktuellen Regelung ein Spott im Vergleich zu unseren Nachbarländern.

(kfi)