«Tatort»-Debakel

14. Februar 2011 16:10; Akt: 14.02.2011 16:10 Print

«Mit mir hat niemand gesprochen»

von Bettina Bendiner - Der «Tatort»-Regisseur erfuhr aus der Sonntagspresse, wie schlecht es um seinen Film steht. Markus Imboden äussert sich im Interview zu Geschmacksfragen und Sofia Milos.

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Herr Imboden, ist der «Tatort» wirklich so schlecht?
Aus meiner Sicht ist «Wunschdenken» gut und tatortgerecht. Und auch so gedreht, wie es das Schweizer Fernsehen verlangt hat. Was genau bemängelt wird, weiss ich nicht.

Hat das SF Sie nicht informiert?
Das SF hat mich bis jetzt noch nicht kontaktiert. Die neue Senderleitung will den Film, wie er jetzt ist, offensichtlich nicht ausstrahlen. Obwohl ihn die alte Sendeleitung im letzten Herbst offiziell abgenommen hat. Die neue Leitung kann so entscheiden, das ist ihr gutes Recht. Sie drückt so ihr eigenes Verständnis von Qualität und Geschmack aus. Bei jedem Film gibt es Leute, die ihn nicht gut finden und solche, die ihn gut finden.

Sie haben schon über 30 Filme gedreht, 2010 den Grimme-Preis zum zweiten Mal gewonnen. Übertreibt das Schweizer Fernsehen?
Das sollen andere entscheiden. Es ist nur sehr unüblich. Das Drehbuch für «Wunschdenken» wurde abgenommen. Der fertige Film wurde abgenommen. Die Musik, die Mischung, alles war für gut befunden worden und man freute sich auf die Ausstrahlung.

Was halten Sie vom Vorwurf, der Drehort Luzern komme zu kurz?
Aus der Zeitung erfahre ich, dass Luzern zu wenig dargestellt wurde. Das kann nicht sein. Der Tatort wurde vollumfänglich in der Stadt und der Umgebung von Luzern gedreht. Luzern ist sehr präsent. Ich war gerne in Luzern und habe gerne hier gedreht. Luzern ist eine sehr schöne Stadt. Das sieht man auch im Tatort.

Warum halten Sie Sofia Milos für eine Fehlbesetzung?
Sie spielt in «CSI Miami» genau gleich, wie sie im «Tatort» spielt. Sie spielt nicht schlechter. Als Schauspielerin ist sie sehr daran interessiert, gut auszusehen. Wir versuchten, ihr klarzumachen, was der Unterschied zwischen CSI und «Tatort» ist. Nämlich dass es hier realistischer wirken muss, dass wir glaubwürdige Figuren wollen. Sie fühlte sich aber vor allem ihren Fans verpflichtet und wollte keine andere Figur spielen.

Wie geht es jetzt weiter mit «Wunschdenken»?
Ich weiss es nicht. Normalerweise arbeitet man so lange an einer Film-Fassung, bis alle damit zufrieden sind. Diese Fassung gibt es bereits. Sie wurde von der alten Sendeleitung bewilligt. Was die Verantwortlichen jetzt wünschen, weiss ich nicht. Aber als Auftraggeber hat das SF das Recht, den Film zurückzugeben. Aber eben: Bislang hat noch niemand mit mir gesprochen.