H.R. Giger ist tot

13. Mai 2014 12:19; Akt: 13.05.2014 12:25 Print

«Tod und Verfall sind Teil des Lebens»

von Fee Riebeling - Seine Alien-Figur machte ihn weltberühmt. Und nicht nur Normalsterbliche zählten zu seinen Fans: Für Künstler weltweit war H.R. Giger Inspiration und Vorbild zugleich.

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Der Schweizer Künstler H.R. Giger ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Für seine visuellen Effekte im Film «Alien» erhielt Giger 1980 den Oscar. Er hat sich bei einem Sturz Verletzungen zugezogen und ist diesen im Spital erlegen. Durch seine meist düsteren Kunstwerke erlangte Giger internationale Bekanntheit. Beim 1968 erschienenen Science-Fiction-Film «Swiss Made 2069» führte H.R. Giger zusammen mit Fredi M. Murer Regie. Ausserdem entwarf Giger für den Film einen ausserirdischen Beobachter mit dazugehörendem Hund. 1979 erschien Ridley Scotts «Alien», für den H.R. Giger die extraterrestrischen Wesen sowie die Umgebungen schuf. Für seine Arbeit erhielt der Schweizer Künstler den Oscar für die besten Visual Effects. Gigers «Penis Landscapes» war der Platte «Frankenchrist» (1985) der Dead Kennedys beigelegt. Mit dem Original wollte der Künstler auf die Überbevölkerung aufmerksam machen, vor der er sich fürchtete. «Poltergeist 2: Die andere Seite» (USA 1986), Regie: Brian Gibson. H.R. Giger zeichnete für das Design der Dämonen verantwortlich. Nachdem er bei «Aliens: Die Rückkehr» nicht involviert war, wirkte der Künstler bei David Finchers «Alien 3» (USA 1992) wieder bei der Entwicklung des ausserirdischen Monsters mit. «Species» (USA 1995). Für den unter der Regie von Roger Donaldson entstandenen Sci-Fi-Horrorfilm entwarf H.R. Giger die Ausserirdische Sil sowie den Zug aus der Traumsequenz. Für die ebenfalls 1995 erschienene Comicverfilmung «Batman Forever» (Regie: Joel Schumacher) entwarf H.R. Giger einen Prototypen für das Batmobil, die allerdings nicht realisiert wurde. Die deutsche Verfilmung «Kondom des Grauens» nach Ralf Königs Comic-Vorlagen «Kondom des Grauens» und «Bis auf die Knochen» erschien 1996. Der Schweizer Künstler entwickelte für den Film das Kondom. Den Harkonnen-Stuhl, eine Art Skelett-Thron, hat H.R. Giger ursprünglich für den Film «Dune - Der Wüstenplanet» (2000, David Lynch) entworfen. Doch weil der Regisseur ausgewechselt wurde, blieb er in Gigers Privatbesitz. «Prometheus: Dunkle Zeichen» (USA 2012) von Ridley Scott war ursprünglich als Prequel zu «Alien» gedacht. Das Drehbuch entwickelte sich aber zu einer eigenständigen Geschichte. Der Film kommt weitgehend ohne digitale Effekte aus. Der Film spielte weltweit mehr als 400 Millionen Dollar ein. Unverkennbar: Die Handschrift H.R. Gigers bezüglich Set-Design. Für die beiden Horror-Point-And-Click-Adventures «Darkseed» und «Darkseed II» zeichnete H.R. Giger für die Artworks verantwortlich.

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Mit einem Totenschädel fing alles an. Diesen hatte Hansruedi Gigers Vater, ein Apotheker, vom Chemieunternehmen Ciba-Geigy bekommen. Hatte der kleine Bub zuvor noch von Eisenbahnen und Burgen geträumt, war mit einem Mal der Schädel sein bester Freund. Fortan zog er diesen an einer Leine durch die Strassen seiner Heimatstadt Chur.

Seine Vorliebe für den Verfall erhielt sich Giger bis zu seinem Tod. Zwar studierte er nach dem Schulabschluss zunächst etwas Solides — Architektur und Industriedesign an der Hochschule für Angewandte Kunst in Zürich (heute ZHdK) —, doch bereits während des Studiums fertigte er erste düstere Tuschzeichnungen an. Veröffentlicht wurden seine «Atomkinder» in Untergrundzeitungen.

Die erste Karriere

Einen Namen machte sich Giger, als er nach der Beendigung seines Studiums 1966 als Designer und Innenarchitekt bei der Firma Knoll-International anheuerte. «Dort habe ich gelernt zu zeichnen und Pläne zu machen», sagte Giger in einem seiner letzten Interviews, das im Herbst in dem Buch «Zürcher Pioniergeist» erscheinen wird. Das sei das Einzige gewesen, wofür man ihn hätte brauchen können.

Auch neben seiner Anstellung blieb Giger weiterhin künstlerisch aktiv – obwohl sein Vater stets predigte, dass Kunst sinnlos sei. «Doch ich habe ihm bewiesen, dass das nicht so war», so Giger. Bereits 1968 hatte er seinen Job bei Knoll-International an den Nagel gehängt und war ausschliesslich als Künstler tätig: Zu den Zeichnungen gesellten sich Gemälde und Skulpturen wie die «Gebärmaschine» und «Koffer-Baby» — allesamt mit dem für Giger so typischen düsteren Touch.

Ungewöhnliche Bewerbungsunterlagen

Auch Plattencover gehörten zu seinem Repertoire. Das wohl wichtigste war jenes für das Album «Brain Salad Surgery» (1973) von Emerson, Lake and Palmer. Denn auf dieses wurde der britische Filmregisseur Ridley Scott aufmerksam. «Das hatte er gesehen und weil es ihm so gut gefallen hatte, hat er mich für seinen Film engagiert», erzählt Giger im Interview. «Das Cover war quasi meine Bewerbung für ‹Alien›.»

Die Zusammenarbeit machte den gebürtigen Churer mit einem Schlag weltweit berühmt. Für sein «Alien» — ein schleimiges Mischwesen aus Maschine, Eidechse und Piranha — bekam er 1980 den Oscar in der Kategorie «Beste visuelle Effekte» verliehen. Es folgten Filmprojekte wie «Poltergeist II»(1986) und «Alien III» (1992). Für «Species» (1995) entwarf Giger eine ausserirdische Schöne. Seine Kreaturen bezeichnete der Galerist Bruno Bischoffsberger als «Biomechanoiden», eine Kombination von Mensch, Maschine und Technik. Ein Begriff, der heute nicht mehr aus der Kunstwelt wegzudenken ist.

Giger, der zu Anfang seiner Karriere von vielen als pervers bezeichnet worden war, war dank «Alien» mit einem Mal Kult. Um ihm zu huldigen, wurde 1988 in Tokio die erste Giger-Bar eröffnet, die mittlerweile geschlossen ist. 1992 folgte in Chur eine zweite. In dem New Yorker Club The Limelight existierte von 1998 bis zur Schliessung der Diskothek 2002 ein H.R. Giger Room. 1998 eröffnete der Künstler selbst in Schloss St. Germain in Gruyères FR ein Museum, das neben eigenen Werken auch eine Sammlung fantastischer Kunst beherbergt.

Komponenten des Lebens

Dass sich seine Werke immer um die Themen Sexualität, Tod und Vergänglichkeit drehen, daran fand Giger nichts Besonderes: Es seien einfach die Komponenten des Lebens. «Auch eigene Erfahrungen und Erlebnisse fliessen da mit rein», sagte er. So prägte beispielsweise der Selbstmord von Li Tobler — seiner ersten grossen Liebe, die sich 1975 in seinem Haus in Zürich-Oerlikon erhängte — viele seiner Bilder. Ein Abguss ihres Kopfes ist dort bis heute präsent.

Inspiration fand Giger in der Literatur. Besonders fantastische Romane und Science Fiction hatten es ihm angetan. Auch ebensolche TV-Formate. Sie bestimmten seinen Tagesablauf, nachdem er sich 1992 zur Ruhe gesetzt hatte. Doch ganz ruhen lassen konnte er sein Werkzeug doch nicht: So schuf er im Jahr 2000 auf Wunsch von Jonathan Davies, Sänger der Metalband Korn, einen Mikrofonständer, der zugleich «biomechanisch und erotisch» sein sollte.

«Technik stinkt mir»

Auch 2012 kehrte Giger noch einmal ins Showgeschäft zurück und entwarf das Raumschiff für den Sci-Fi-Streifen «Prometheus». Wieder war es Ridley Scott, der ihn überredete. «Er war ein alter Freund, da musste ich schon aus Gründen der Höflichkeit zusagen», so der Meister des Leinwandhorrors.

Die Zeichnungen für diesen letzten Grossauftrag fertigte er per Bleistift an. Denn: «Von Technischem wie dem Internet habe ich keine Ahnung», gab Giger seinerzeit zu. «Das stinkt mir einfach.» Deshalb musste seine zweite Ehefrau Carmen Scheifele-Giger das Versenden der Entwürfe übernehmen.

Seither war es ruhig um den Vertreter des Fantastischen Realismus geworden, der in den letzten Jahren zurückgezogen lebte. Am 12. Mai erlag der 74-Jährige im Spital Verletzungen, die er sich bei einem Sturz zugezogen hatte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oliver am 13.05.2014 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    ein düsteres genie ist weitergereist...

    jetzt wäre es langsam an der zeit dass das kunsthaus zürich diesen künstler würdigt...

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  • Guggi am 13.05.2014 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unvergessen

    Ein grosser fantastischer Künstler verlässt die Bühne!!!! Seine Werke bleiben aber für immer! R.I.P. H.R. Giger

  • Ehemalige Schülerin der GBMS am 13.05.2014 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein hochachtungsvolles Adieu

    Tschau Herr Giger. Unvergessen wird mir Ihr fröhlich-durchgeknallter und stets freundlicher «Einsatz» als Gestaltungslehrer an der GMBS in Zürich im Herzen bleiben. Es war beeindruckend, den Menschen H.R. Giger damals persönlich kennenlernen zu dürfen. Meine Hochachtung ich ziehe meinen imaginären Hut vor Ihnen. Ruhen Sie in Frieden und machen Sie's gut.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz Kuster am 13.05.2014 23:20 Report Diesen Beitrag melden

    Und wo bleibt die Würdigung der Schweiz

    Ein grosser Künstler und ein grosses Genie ist unwiderruflich von uns gegangen und kommt nie mehr zurück... Mein tief empfundenes Beileid an seine Frau und seine Nächsten. Heute in 10 vor 10 hat es mich schon nachdenklich gestimmt. Jedem Pausenclown wird im Schweizer Fernsehen zu bester Sendezeit eine Plattform geboten. Eine Dokumentation über den Menschen H.R. Giger und sein Schaffen wird jedoch im Schweizer Fernsehen diese Woche irgendwann nach Mitternacht gesendet. Ja, ja, es gibt halt so viel Interessanteres zu bester Sendezeit. Vielleicht eine Wiederholung des ESC?

  • PeeDee Studer am 13.05.2014 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ich werde Dich nie vergessen!

    Hansruedi, Ich war schon immer ein grosser Bewunderer deines Schaffens. Ich konnte es fast nicht glauben als ich die traurige Nachricht gelesen habe. 127.0.0.1 ein grosser Fan!

  • Miro am 13.05.2014 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alien Statue

    Den Hafenkran abreissen und ein grosser Alien Statue bauen lassen. Das wär ein Kunstwerk.

  • Antonio 8052 Zürich-Seebach am 13.05.2014 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Worte.

    Ich spreche mein tiefes Beileid für H.R.Giger ein grossartiger Künstler . Letztes Jahr war ich im Museum von H.R.Giger im Schloss Gruyéré war so fazinierend seine Werke zubetrachten, mein Sohn hatte vor ein paar Jahre ein Bild gekauft von diesem grossartigen Künstler. Einmal habe ich per Zufall H.R.Giger getroffen beim Einkaufen in einer Tankstelle in Oerlikon , wir kamen kurz ins Gespräch. Ich war so gerührt brachte fast kein Wort zusprechen. Es tut mir sehr weh , das dieser besondere Mensch uns verlassen hat.

  • uncharted lands am 13.05.2014 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    uncharted

    H.R. Giger hinterlässt mehr als nur seinen Stempel auf ein paar Filmen. Man sollte ihm "Alien:Isolation" widmen - nachdem was ich gesehen habe, fängt es den düsteren Geistes des Genies passend ein.