Miss-Zürich-Wahl

09. Mai 2012 17:19; Akt: 09.05.2012 18:41 Print

«Unter der Würde jeder Frau»

von Isabelle Riederer - Melina Hess träumte davon, Miss Zürich 2012 zu werden. Doch jetzt hat sie das Handtuch geworfen. Der Grund: Sie will nicht als «Disco-Tussi» abgestempelt werden.

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Der Traum von der Miss-Zürich-Krone 2012 ist für Melina Hess zum Albtraum geworden. «Ich war am Anfang positiv überrascht, wie toll alles ist und die Organisation sich um uns kümmert», so die 18-Jährige zu 20 Minuten Online. Doch dann wendete sich das Blatt.

Billiges Image aufgedrängt

Schnell wurde der Schauspielschülerin klar: Bei der Miss-Zürich-Wahl geht es nicht nur um die Persönlichkeit, sondern vor allem auch um Hintern, Aussehen und sexuelle Vorlieben. Zu viel für die Zürcherin - sie steigt aus. «Ich weiss, was ich will und dadurch umso besser, was ich nicht will», so Melina, und weiter: «Das Image, das uns aufgedrängt wurde, lag mir zu weit unter der Gürtellinie. Man wird immer als dumm dargestellt.»

Disco-Tussi statt elegante Lady

Zudem hat der Rummel um die abgesagte Miss-Schweiz-Wahl 2012 der 18-Jährigen zusäztlich zugesetzt. «Ich will nicht Miss Zürich werden, wenn ich nicht wie versprochen die Chance bekomme, bei der Miss-Schweiz-Wahl dabei sein zu dürfen», erklärt Melina ihren Ausstieg. Das Fass zum Überlaufen brachte ein Shooting, bei welchem sie ihren Hintern in die Kamera des Fotografen halten soll. «Ich arbeite seit meinem 14. Lebensjahr als Model und kann Shootings, die reine Fleischbeschau sind, von anderen unterscheiden», erklärt die 18-Jährige, und weiter: «Ich möchte elegante und stilvolle Fotos und keine im Disco-Tussi-Stil.» Auch zu intime Fragen von Reportern waren der Blondine ein Dorn im Auge. «Es geht niemanden etwas an, was ich im Bett mache.»

Nachteile durch Teilnahme

Seither steht auf der Miss-Zürich-Homepage: «Kandidatin Nummer 8 hat sich aus persönlichen Gründen kurzfristig dazu entschlossen, auf die Teilnahme am Finale zu verzichten.» Doch das Model gibt sich damit nicht zufrieden. «Für mich sind das keine persönlichen Gründe, sondern offizielle. Die Wahl fühlte sich für mich an, als läge sie unter der Würde jeder Frau.» Diese Nachteile wolle sie sich und ihrer Karriere nicht antun.

Wer dem Druck nicht standhält, sollte gehen

Die Vorwürfe von Melina lösen bei der Miss-Zürich-Organisation Erstaunen aus. Aloha Cardinale: «Wir finden nicht, dass die Wahl oder die Bilder billig sind, aber natürlich hat jeder seine eigene Meinung.» Für die Organisation ist klar: Der Druck, unter welchem die Mädchen stehen, ist gross, und nicht jede kann dem standhalten. «Wenn sie damit nicht umgehen können, sollten sie besser aufhören und das tat Melina auch.»