Live dabei

07. März 2011 07:13; Akt: 07.03.2011 11:12 Print

Backstage beim «DSDS»-Drama

von B. Bendiner und N. Riegg - Ein Käfig voller Narren – mittendrin: 20 Minuten Online. Und neun Kandidaten, die um die Chance ihres Lebens bangen. «DSDS» live – von vor, hinter und neben der Bühne.

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Backstage bei DSDS am Samstag, 5. März 2011 um 12.30 Uhr. Ankunft auf dem Gelände des Coloneums in Köln. Gleich nebenan werden «Unter Uns», «Big Brother» und «Alles, was zählt» gedreht. Erste Station: Die Maske. Um viertel vor eins, siebeneinhalb Stunden vor der Show, wird Zazou Mall zum ersten Mal geschminkt. Es sollte für heute nicht das letzte Mal gewesen sein. Doch die Zürcherin geniesst es sichtlich: Für sie ist es eine seltene Gelegenheit, abzuschalten – und den Stress zu vergessen. Im Stuhl nebenan wird Marco Angelini geschminkt. Der Österreicher begrüsst das Reporterteam von 20 Minuten Online mit einem freundlichen «Schön seids hier» – und trällert ein Liedchen. Auch Ulknudel Pietro Lombardi schaut vorbei. Es ist wirklich so: Er hat immer einen unfreiwilligen Witz auf seinen Lippen. Bei «DSDS» ist alles akribisch durchgeplant. Nächste Station: ... ... die Haare. Während Anna-Carina von Moderatorin Nina Moghaddam zum Zickenkrieg interviewt wird, bekommt Zazou ihre Showfrisur verpasst. Wir haben der Coiffeuse versprochen, nichts über ihre Geheimnisse zu schreiben ... ... aber ein Foto wird man ja wohl noch zeigen dürfen. Am Nachmittag vor der Show wird immer und überall gedreht. Das Thema: Natürlich der Zickenkrieg. Schilder sollen dafür sorgen, dass es im Coloneum nicht ähnlich aussieht wie in der berüchtigten «DSDS»-Villa. Mit zweifelhaftem Erfolg. Das hindert das Reporterteam von 20 Minuten Online nicht daran, beherzt zuzugreifen. Dafür kassierte es eine sanfte Rüge: «Das Büffet ist nur für die Kandidaten». Na dann. Wenigstens durften wir uns bei den Getränken bedienen. Jackpot! Das feschste Outfit: Norman schnappt draussen frische Luft. Es sollte Marvins letzter Tag bei «DSDS» werden. Um 16 Uhr geht die Generalprobe los. Dort heisst es: Kreischalarm. Zur Probe sind die Kinder der RTL-Angestellten eingeladen. Das Reporterteam von 20 Minuten Online schleicht sich an der Schlange vorbei. Und landet unversehens... backstage. Dort wird noch einmal Hand angelegt ... ... und Zazou wieder einmal geschminkt. Auch die Haare ... ... und das Kleid müssen sitzen. Bereit für die Kinder: Autogrammkarten von «DSDS»-Schnüggel Sebastian. Die Generalprobe startet. Das Studio ist selbst leer beeindruckend. Auch wenn es nicht so gross wirkt wie im TV. Das Jurypult. Patrick Nuo und Fernanda Brandao kommen schnell vorbei. Sie dürfen aber genauso wie Marco Schreyl nicht fotografiert werden. Dieter Bohlen schwänzt die Probe. Der Eröffnungssong. Marvin mag nicht tanzen, Zazou schon. Selbst von 15 Zentimeter grossen Absätzen lässt sich ... ... die «Tanzmaus» nicht vom Tanzen abhalten. Auch nachdem wir alle Kandidaten kennengelernt hatten, schlug das Herz des Reporterteams natürlich weiterhin für Zazou. Doch wir drücken auch die Daumen für Anna-Carina ... ... und den unglaublich süssen Pietro. Nach der Show gibt Zazou noch bis nachts um halb zwei Interviews. Sie ist jetzt seit 17 Stunden auf den Beinen.

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20.02 Uhr, Coloneum in Köln Ossendorf: «Viva Colonia» schallt es durch die Halle. 1200 Narren verirrten sich vom Karneval in die zweite Motto-Show von «Deutschland sucht den Superstar». Ardian-Fans, Pietro-Fans, Marco-Fans starren gebannt auf die Bühne. Da stehen in wenigen Minuten die neun Helden des Abends.

Knapp sieben Stunden früher sassen Zazou und ihre WG-Gefährten noch entspannt in der Maske. Marco Angelini trällert ein Liedchen, begrüsst die Besucher: «Wir Alpenländer. Schön seids hier.» Zazou geniesst die Stille vor dem Spiegel: «Das ist mein Moment der Ruhe», sagt die hübsche Zürcherin zu 20 Minuten Online. Die fehle zurzeit in der Kandidaten-Villa. «Bei allem, was im Moment so abgeht bei uns.» Auf dem Stuhl nebenan steht nämlich Anna-Carina Woitschack der Magazin-Moderatorin Nina Moghaddam Rede und Antwort. Im «DSDS»-Fachjargon heisst das «Zickenkrieg». Da weiss noch keiner: Das wird das Wort des Abends. Zazou verdreht die Augen. Im Scherz. Die 26-Jährige hält sich konsequent aus den Streitereien raus. Ihr Glück.

Inzwischen lässt sich auch Ardian das Gesicht pudern. Er tappt nervös mit den Füssen. Dann geht die Sonne auf. Ex-Swarovskisteinleger Pietro Lombardi sagt Hallo. Ihn schliesst man gleich ins Herz. Er macht einen Witz nach dem anderen. Und merkt es nicht – goldig. Zazous Make-up sitzt mittlerweile. Jetzt sind die Haare dran. «Zum Glück hab ich keine Kopfschmerzen mehr. Am Freitag wars total schlimm.» Draussen plaudert Schlageronkel Norman mit einem Mitarbeiter des Produktions-Teams. Kaum ein Mann trägt mit so viel Stolz eine rosa Hose, ein Rüschenhemd mit Glitzersternen und einen hellgrün-rosa Frack mit fetten Engeln drauf. Er schwitzt darin weniger als letzte Woche. Da hatte er es schwer. Ein Textpatzer vermieste ihm die Show: «In der Generalprobe konnt ichs noch. Dann war der Text plötzlich weg. Du machst den Mund auf und nichts kommt raus», sagt er zu 20 Minuten Online. Er wirkt angespannt.

Marvin erwachsen, locker, freundlich

Die Ruhe weg hat Marvin Cybulski. Er lehnt sich locker ans Geländer, raucht und benimmt sich wie ein Erwachsener: «Das Rumgezicke nervt.» Er bleibt seiner Linie treu: «Mich bringt keiner zum Tanzen. Bei mir sieht das doof aus.» Drei Stunden sind wie im Flug vergangen. Nur noch wenige Minuten trennen die Nachwuchs-Stars vom ersten Auftritt des Tages. Um 16 Uhr beginnt die Generalprobe – vor Publikum. RTL lädt jeden Samstag Angehörige des Produktionsteams ein. Abends müssen die Kinder draussen bleiben. Einlass ist erst ab 14 Jahren. Sebastian Wurth (16) huscht nach draussen. Der Herzensbrecher mit dem Hundeblick hat noch einen Termin und gibt einer Schülerzeitung ein Interview. Er freut sich. Sie haben ihn ausgesucht. Doch er schaffts rechtzeitig zur Generalprobe. Der Zeitablauf ist straff organisiert. Das Studio wirkt im Fernsehen grösser. Trotzdem ist die Kulisse im klassischen Superstar-Blau ganz beeindruckend. Dann übernimmt Marco Schreyl. Locker und entspannt prägt er sich die Abläufe ein, plappert frei von der Leber weg. Doch abends sitzen die Texte. Ohne Patzer.

Die Fans haben ihre Präferenzen, liefern sich bei Sebastian, Ardian und Pietro ein ohrenbetäubendes Kreischduell. Neun Auftritte und knapp zwei Stunden später ist der Spuk vorbei. Die Kandidaten gehen essen. Nur Sebastian gehts nicht gut. Sein Auftritt ging nicht unter die Haut, seine unbeholfene Lockerheit hat er scheinbar im Schrank verstaut. «Ich muss mich so auf den Text konzentrieren», erklärt er den missglückten Auftritt. Der Vocal-Coach beruhigt ihn. Mit Erfolg, wie man später sieht. In der Presselounge tummeln sich derweil die Journalisten vor dem warmen Buffet. Ein Radio-Moderator von der Antenne Steiermark hat bereits fünf Stunden Live-Sendung aus einem Bus hinter sich. Er reiste mit Marco Angelinis Familie und Freunden an. Dreizehn Stunden dauerte die Fahrt nach Köln. Dreizehn hat er noch vor sich. Die Marco-Fans treten noch in der Nacht die Heimfahrt an. Vorher sangen sie sich warm.

Wie 1200 andere Zuschauer im RTL Live-Studio. Es ist kaum zu fassen – RTLs professioneller «Aufwärmer» reisst alle mit. Sogar Miesepeter, die bei DJ Ötzis «Mein Stern» das kalte Grauen packt. Doch die Leute von RTL sind Profis. Und alle haben Spass, machen den Flieger, die Giraffe, den Schwimmer. Dann gehts los. Erst mucksmäuschenstill, dann tobt die Halle. Dieter Bohlen ist da.

Ninas Mutter von der Security bewacht

Den mag man. Wenn er nicht im Bild ist, macht er Faxen. Auch die Kandidaten machen mehr, als das Fernsehen zeigt. Genau das macht den Zauber der Live-Show live im Studio aus: Zu sehen, was eigentlich nicht zu sehen ist. So blieb Anna-Carina während Ninas Auftritt bockstill sitzen. Und der Zuschauer bekommt mit, wie Ober-Zicke Nina Richel vor der Entscheidungs-Show gestützt von zwei Helfern backstage Richtung Bühne humpelt. Ihre Mutter gleichzeitig von Sicherheitsmitarbeitern bewacht wird, damit sie nicht plötzlich die Bühne stürmt. Und Goldjunge Pietro und Schnügel Sebastian waren richtig traurig, nachdem das Publikum «DSDS»-Papa Marvin rauswarf. Letzterer bleibt sowieso ein Gewinner. Im Pressezentrum nach der für ihn fatalen Entscheidung gab er das Interview des Abends. Ein Radio-Reporter fragte nach seinen Gefühlen. Und Marvin antwortet: «Ich brauch jetzt erstmal ein Bier. Aber kein Kölsch. Ein Richtiges.» «DSDS» in Köln – Jackpot.