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16. Juli 2019 09:53; Akt: 16.07.2019 09:53 Print

Brauchts mehr Body Positivity für Männer?

Der Zürcher Fotograf Elay Neal Moses setzt sich auf Instagram für männliche Body Positivity und Diversity ein. Denn: «Auch Männer haben Depressionen und Esstörungen», sagt er.

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Der Zürcher Fotograf Elay Neal Moses (23) macht sich auf Instagram für männliche Body Positivity stark. Zu seinem aktuellsten Insta-Foto, das bei einem Fotoshooting zu dem Thema entstanden ist, hat er einen langen Kommentar verfasst. «Frauen geben offen zu, wenn sie unsicher mit ihrem Körper sind. Männer werden in der gleichen Situation als zu wenig selbstbewusst oder als zu eitel bezeichnet.» Dabei sei gerade die Konversation wichtig für Männer, die mit ihrem Körper haderten, schreibt er im Kommentar zu dem Post, der fast 1200 Likes erhalten hat. Wie er auf die Thematik kam? «Ich arbeite neben dem Studium schon länger bei einer internationalen Modekette. Dort merke ich täglich, dass viele Kunden ein Bedürfnis nach Kleidern haben, die anders sind als die typischen Slim-Fit-Schnitte. Auch in der Werbung wird der Mann, der nicht dem athletischen Männermodel-Typ entspricht, fast schon verschwiegen», so Elay gegenüber 20 Minuten. Elay ist aber nicht der einzige Instagrammer, der sich auf der Plattform für männliche Body Positivity starkmacht. Es finden sich auch einige wenige Accounts, die Körper-Wohlsein bei Männern thematisieren. So zum Beispiel . Der Brite ist nicht nur Vater von Drillingsmädchen und einem sechsjährigen Sohn, sondern auch Befürworter von männlicher Diversity. Er postet unter @daddy_to_triplet_girls. «Mein Gewicht hat mich schon immer gestört – jahrelang war es das Erste, woran ich beim Aufwachen und vor dem Zu-Bett-Gehen dachte», schreibt er zu diesem Insta-Post. Er fühle sich inzwischen zwar besser und mache viel Sport, aber dennoch fällt es ihm schwer, sich selber zu lieben: «Ich befinde mich zwar auf einem guten Weg, ganz werden ... .... die Unsicherheiten aber nie verschwinden, da sich viele Probleme in meinem Kopf befinden.» Für alle, denen es ähnlich geht, hat er einen Tipp: «Wenn ihr Probleme mit eurer mentalen Gesundheit habt, dann spricht unbedingt mit jemandem darüber, das ist der erste Schritt zur Besserung.» ist das erste männliche Plus-Size-Model, das einen Vertrag bei der weltberühmten Modelagentur IMG bekommen hat. Auf Instagram spricht er ganz offen über die psychischen Probleme, die sein Körper ihm früher bereitet hat: «Fast mein ganzes Leben lang habe ich mich nie ohne T-Shirt gezeigt – nicht einmal am Strand. In der Primarschule war meine grösste Angst, dass mein Bauch ... ... unter meiner Kleidung hervorblitzen könnte.» Heute läuft er auch oben ohne an Fashion-Shows mit und hat schon verschiedene Kampagnen geshootet. «Body Positivity ist ein schwieriges Thema für Männer. Deshalb ist es so wichtig, dass wir darüber reden», schreibt er auf seinem Profil. Seit April schreibt Miko für den Blog Chubstr wöchentlich eine Kolumne rund ums Thema Körperbewusstsein. Die Artikel tragen Titel wie: «Nennst du dich selber fett?», «Wie man als Erwachsener mit Mobbing umgeht» oder «Wie kann man sich als übergewichtiger Mann in Gym wohlfühlen?» Auch aus England macht auf seinem Instagram-Profil @bopo.boy auf Body Positivity unter Männern aufmerksam: «Lange dachte ich, dass nur mein Aussehen mein Wert definiert. Der innere Konflikt, der dadurch entstanden ist, hat meinem Körper sowie meine Psyche geschadet.» Er habe übertrieben Sport gemacht, fast nichts mehr gegessen und sogar Geld in Operationen investiert, um den unrealistischen Idealen zu genügen, die er verfolgte. Alles habe sich verändert, als er angefangen habe, seinen Körper und Geist als eines zu sehen: «Als ich die Normen der Gesellschaft anfing auszublenden und darauf gehört habe, was mein Körper braucht, habe ich irgendwann Frieden mit mir geschlossen.» Der deutsche ist ebenfalls als Plus-Size-Model tätig und teilt auf seinem Instagram-Account seine Erfahrungen als übergewichtiger Mann. «Akzeptiert eure Extrakilos und fangt an, euch selber zu lieben», steht in seiner Insta-Bio geschrieben. Auf seinem Blog Extra-inches.de stellt er stylische Kleidung in Übergrössen für Männer vor: «Das Angebot an Herrenmode in grossen Grössen macht es mir selbst nicht immer leicht, das anzuziehen, was ich gerne möchte. Aber es gibt immer wieder ein paar coole Teile auch in einer grossen Grösse», schreibt er auf seinem Blog.

Zum Thema
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«Wir müssen über männliche Body Positivity reden, das ist längst überfällig», beginnt der Text zu einem Instagram-Post, den der Zürcher Fotograf Elay Neal Moses (23) vor ein paar Tagen veröffentlichte. Auf dem Bild ist ein Mann oben ohne zu sehen. Er hat Brusthaare und kein Sixpack. Das Thema des Beitrages: Körpervorbilder für Männer.

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Fakt ist: Während bei Frauen die Diskussion über unrealistische Schönheitsideale und den damit verbundenen Druck zum perfekten Aussehen öffentlich stattfindet, wird bei den Männern das Thema in den (sozialen) Medien sowie privat totgeschwiegen.

«Frauen haben nun endlich die Wahrnehmung von weiblicher Schönheit in eine Richtung gelenkt, die alle Formen, Grössen und Farben einschliesst», schreibt Elay weiter in seinem Kommentar. Diese Diskussion habe aber nie den männlichen Körper miteinbezogen – und wenn, dann sei das Echo darauf nie gross genug gewesen.

«Depressionen und Esstörungen haben auch Männer»

«Der Schönheitsdruck, den die Gesellschaft auf einen ausübt, betrifft aber beide Geschlechter», so Elay gegenüber 20 Minuten. Auch Männer würden deswegen teils unter Depressionen oder Essstörungen leiden – nur werde selten darüber geredet: «Über Emotionen zu sprechen, passt nicht ins starke Männerbild.»

Ganz anders bei Frauen: «Sie geben offen zu, wenn sie unsicher mit ihrem Körper sind», heisst es in Elays Insta-Statement. Wenn aber Männer über solche Probleme sprächen, seien die Reaktionen oft destruktiv: «Männer werden in der gleichen Situation als zu wenig selbstbewusst oder als zu eitel bezeichnet.» Dabei könnte die Konversation über verschiedene Körper Männern helfen, die sich mit ihren Körpern nicht wohlfühlen.

Alle männlichen Körpertypen sollten repräsentiert werden

Gemäss Elay geht es keineswegs darum, den athletischen, männlichen Körper zu diskriminieren, denn der «ist genauso schön und wurde hart erarbeitet». Vielmehr wünscht er sich, dass «alle männlichen Körpertypen in der Öffentlichkeit repräsentiert sind» und dass «Natürlichkeit mehr Platz hat».

Dies soll auch auf Social Media stattfinden: «Druck auf Social Media ensteht, wenn man sich durch übertriebene und inszenierte Posts beeinflussen lässt. Schön wäre es, würde man aufhören, extreme und unrealistische Dinge als echt zu verkaufen.»

Elay hat selber fast 35'000 Abonnenten auf Instagram – unter Druck fühlt er sich deswegen aber nicht: «Ich habe kein Problem damit, meinen Körper zu zeigen. Auf Instagram tue ich es aber nicht.»

Es sei wichtig, eine Diskussion zu starten

Und wie kann man nun männliche Body Positivity und Diversity in den Alltag bringen? Elay hat einen Lösungsansatz: «Grosse Brands sollten vermehrt auch Männer jeder Art in der Werbung zeigen – nicht nur bildschöne, athletische Models.» Das Wichtigste sei es, eine Diskussion zu starten, denn verschiedene Körper sollen sichtbar werden.

Auf Instagram gibt es sehr wenige männliche Influencer, die sich mit dem Druck hoher Körperideale befassen – und damit, wie man ihm entgegenwirkt. Wer sie sind und was sie zu sagen haben, erfährst du in der Bildstrecke oben.

Findest du auch, dass die Diskussion über männliche Körperideale offen und ohne Vorurteile stattfinden muss? Dann teile deine Gedanken in der Kommentarspalte.

(mim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Räfu am 16.07.2019 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheit ist wichtiger als das Äussere

    Body Positivity ist im Grundsatz ok. Wenn es aber dazu missbraucht wird um ungesundes Verhalten, Übergewicht oder schlicht Bequemlichkeit zu rechtfertigen ist das die falsche Botschaft. Versteht mich richtig: Es muss nicht jede Person wie ein Topmodel aussehen. Aber ein bisschen auf seine Gesundheit sollte man trotzdem achten.

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  • Beobachter am 16.07.2019 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Männer- und Frauenmodells

    Es ist mir auch schon aufgefallen, wenn im TV Mode präsentiert wird, dass bei den Frauenmodells auch mal eine fülligere Dame dabei ist. Was ja auch völlig in Ordnung ist. Bei den Männern sind es aber meistens junge, gut gebaute Typen. In den seltensten Fällen sieht man einen "normalen" Körperbau. Das ist auch eine Art Diskriminierung.

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  • Bill B. am 16.07.2019 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Ansicht

    Die "Schönheitsideale", die man z.B. in der Werbung und in Filmen sieht, setzen keine Massstäbe für den Normalbürger. Diese Menschen werden dafür bezahlt, dass sie makellos aussehen und wir sollten doch Freude daran haben, anstatt uns darüber zu beschweren. Ich spiele auch mit Freude Tennis, obwohl ich im TV nur die Spitzenprofis zu sehen bekomme. Anstatt neidisch oder unter Druck zu sein, könnte man doch die "Perfekten" einfach als Quelle der Inspiration ansehen. Wer das nicht schafft, sollte vielleicht eher an seinem Selbstbewusstsein arbeiten als an seinem Körper.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PROLLTRASH am 16.07.2019 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach

    werbung ist hier sowieso nur nervig. im ausland sind werbungen immerhin lustig. wer danach das gefühl hat er müsse wie ein gillete mach 3 mqnn aussehen hat er andere probleme. und ist schon soweit weg von der realität dass body positiv auch nichts bringt. evt sollte man solche menschen mal testen und schauen was sonst noch im argen liegt.

  • Veronika am 16.07.2019 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Umgekehrte Psychologie

    Schon nur weil so ein Thema angesprochen wird, fangen die Leute an darüber nachzudenken und voila, der Komplex ist geboren. Manchmal könnte man meinen, durch solche subtile Themen soll die plastische Chirurgie und Kosmetik Industrie an den Mann herangetragen werden. Männer bleibt stark und lass euch nichts einreden. Jeder von euch ist ok so wie er ist.

  • Dani am 16.07.2019 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Dank an die Frauen

    Ich glaube bei diesem Thema sind die Frauen viel toleranter als wir Männer. Ich kenne keinen aus meinem Freundeskreis der ein Sixpack hat, eigentlich hat jeder ein Bäuchlein. Alle diese Männer haben eine Freundin oder zumindest regelmässig eine Frau. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die meisten Frauen auf Bäuchlein stehen. Deshalb möchte ich mich bei allen Frauen bedanken, dass ihr da so unkompliziert und nicht oberflächlich seid. ich liebe euch!!!

    • Frau Meier am 16.07.2019 18:56 Report Diesen Beitrag melden

      Gemütlich

      Das stimmt schon, die meisten Frauen finden ein "Bäuchlein" süss (Dad Bod)... Problematisch wird's eher bei dünnen Männern. Ich muss selber zugeben, dass mich das gar nicht anzieht. Irgendwie fies, denn diese Männer können kaum etwas dagegen tun. Verrückte Welt, Frauen können nicht dünn genug sein - bei Männern braucht's ein bisschen Speck damit's Frau gemütlich hat.

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  • Den Körper spüren, darin wohnen am 16.07.2019 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Männer...

    Körperhaltung z.B. widerspiegelt sehr genau wie man sich im Inneren fühlt. Darum geht es...es stören uns nicht eure Körperformen(füllig,mager...) sondern es wirkt schon etwas "unsexy" wenn man den eigenen Körper wie ein Kartoffelsack herum trägt, sich in ihm nicht entspannt, zufrieden fühlt. Das zieht nicht an. Nun, viele Menschen fühlen sich selbstbewusster wenn sie ein Ideal-Body vorweisen. Und das ist riesen Betrug, langfristig. Lasst euch Feedbacks von Kolleginnen geben was Kleidungsstil oder Körperhaltung angeht, alles ist lernbar, vertraut dem und dem dass wir euch wohl gesinnt sind)

  • Guido am 16.07.2019 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke dank euch bin glücklich

    Eigentlich bin ich froh das die Werbung immer super schlank Junge Männer zeigt. So weiß ich als normaler Mann das es nichts zu kaufen gibt weder im Laden noch im Online Shop. Danke dadurch habe ich keinen Stress viel Freizeit und auch ein bißchen mehr Geld auf dem Konto.