Affäre Kachelmann

26. Januar 2011 16:08; Akt: 26.01.2011 17:29 Print

Comeback bei der ARD?

Obwohl Jörg Kachelmann eigentlich nie mehr das Wetter am TV ansagen wollte, schliesst die ARD ein Comeback nicht mehr aus.

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Der geniale TV-Wetterfrosch erwies sich, wie sich herausstellte, als ebenso begabter, parallel operierender Schürzenjäger. Der Prozess über eine Vergewaltigungsanklage läuft zurzeit. Der Chef des Computerriesen Hewlett Packard verlor bei einer Mitarbeiterin erst den Kopf und dann bei HP diesen Sommer seinen Job. Hurd habe es dabei «deutlich an Urteilsvermögen mangeln lassen», lautete die ungeschönte Einschätzung des HP-Konzernjuristen über die Affäre mit einer Untergeben. Der Brite war hochangesehener Präsident des Welt-Automobilverbandes FIA, bis 2008 ein Video auftauchte, das Mosley als Gastgeber einer Sadomaso-Sexorgie mit Prostituierten zeigte. Mosley blieb zwar bis 2009 in seinem Amt, sein Ansehen erlitt jedoch Beinahe-Totalschaden. Borer vertrat die Schweiz äusserst öffentlichkeitswirksam als Botschafter in Berlin, bis ihm 2002 eine angebliche, öffentlich breitgeschlagene Liaison mit Model Djamila Rowe zum Verhängnis wurde. Danach wurde Borer nach Bern zurückbeordert. Heute ist Borer als Unternehmensberater und Verwaltungsrat tätig. Der Schweizer Schokoladenbaron heiratete 1992 seine Geliebte, die Geistheilerin Alexandra Gantenbein. Dafür erntete der eingefleischte Protestant landesweites Kopfschütteln. Ein Jahr später gab er die operative Führung und zwei Jahre später das Mandat des Verwaltungsratspräsidenten ab. Hohe Wellen schlug der Sex- und Korruptionsskandal um die Betriebsräte des Autokonzerns Volkswagen. Personalvorstand Peter Hartz, nebenbei Erfinder der umstrittenen Hartz-Sozialprogramme in Deutschland, erkaufte sich über Jahre das gute Verhältnis zum Betriebsratschef Klaus Volkert. Er bezahlte den VW-Betriebsräten Lustreisen in exotische Gefilde. Die Folge: Rücktritt und Verurteilung. Der Deutsche war erfolgreicher Rechtsanwalt, Politiker, Kolumnist und Fernsehmoderator – und regelmässiger Freier und Kokainkonsument, wie sich 2003 herausstellte. Er trat darauf von allen öffentlichen Ämtern zurück. Seit 2004 moderiert Friedman wieder am Fernsehen und arbeitet als Kolumnist. Inzwischen provomierte er in Philosophie zum Thema Willensfreiheit des Menschen. Der konservative britische Politiker John Profumo löste in den 60er-Jahren einen Sex- und Spionage-Skandal aus. Der damalige britische Kriegsminister begann, obwohl er mit der Schauspielerin Valerie Hobson (Bild) verheiratet war, eine Affäre mit dem Fotomodell Christine Keeler, das ebenfalls mit dem sowjetischen Militärattaché verkehrte, der sich als Spion herausstellte. Profumo trat 1963 zurück. Einem scheinen die Sex-Skandale nicht zu schaden, dem italienischen Staatschef Silvio Berlusconi, Chef-Unternehmer und Vorbild aller italienischen Schürzenjäger. Erst die angebliche Liaison mit einer 18-Jährigen, dann die Sex-Partys in seiner Villa auf Sardinien und später die Sex-Enthüllungen von Edel-Hure Patrizia d'Addario. Doch Berlusconi tritt nicht zurück. Jedenfalls nicht deswegen. Die Mutter aller Sex-Skandale der Neuzeit lieferte der ehemalige US-Präsident himself. Seine aussereheliche Affäre zur Praktikantin Monica Lewinsky führte 1998 zur Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn. Clinton behauptete nach den Enthüllungen über die Aktivitäten im «Oral Office» jedoch standhaft weiter, er hätte «keinen Sex mit dieser Frau» gehabt. Clinton trat nach der maximalen Amtszeit von acht Jahren zurück.

Jörg Kachelmann ist nicht der Einzige, der in die Venusfalle stolperte.

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Seit Anfang September 2010 muss sich der Wettermoderator Jörg Kachelmann vor dem Landgericht Mannheim wegen Vergewaltigung verantworten.

Eigentlich wollte Kachelmann nie mehr als Wettermoderator im TV auftreten.
Letzte Woche überraschte der 52-Jährige, als er für Radio Basel wieder das Wetter moderierte. Vergangenen Sonntag sagte der Chefredakteur von Radio Basel, Christian Heeb, dass für Kachelmann die Unschuldvermutung gelte, solange er nicht verurteilt sei. «Warum soll er auf seinen Job verzichten? Dies ist keine PR-Geschichte», zitiert ihn die «Welt Online».

Auch bei der ARD, wo Kachelmann in der «Tagesschau» und den «Tagesthemen» das Wetter präsentierte, schliesst man eine Rückkehr des Moderators nicht aus: «Wir werden das Prozessende abwarten, bevor wir uns dazu äussern», sagte eine Sprecherin der ARD gegenüber der «Welt Online».

(mor)