Eurovision Song Contest

26. Mai 2010 11:22; Akt: 26.05.2010 17:42 Print

Der Schweiger von der Heide

von Julian Fricker - Michael von der Heide vertritt die Schweiz beim ESC. Doch die Schlagzeilen dominiert seine deutsche Konkurrentin Lena. Er selbst gibt sich wortkarg.

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Nach den Grand-Prix-Flops von Paolo Meneguzzi und DJ Bobo geht anno 2010 Michael von der Heide für die Schweiz an den Start. Der Chansonnier versucht, wie einst Céline Dion die Jury und das Publikum auf Französisch zu beeindrucken: Im besten Falle soll es für den Song «Il pleut de l’or» Gold regnen. Doch seine deutsche Konkurrentin Lena Meyer-Landrut steht selbst hierzulande mehr im Rampenlicht als der Schweizer. Geht es darum, Schlagzeilen zu produzieren, so hat sie ganz klar die Nase vorn.

Schon jetzt malt sich die 19-Jährige ihre Zukunft nach dem Wett-Trällern aus und könnte sich eine Karriere als Aktrice vorstellen. «Irgendwann in einem Tim-Burton-Film mitzuspielen wäre der absolute Wahnsinn! Ich liebe seine Filme, er erschafft unglaubliche, wundervolle Figuren und Geschichten», darf sie jetzt schon in der Zeit Online für die Zeit nach dem Gesangswettbewerb vorausplanen. Kurz zuvor hiess es in der Boulevard-Presse: «Schlumpf-Angriff auf unsere Lena» («Express.de»). Dabei ging es eigentlich nur um Vader Abraham («Lied der Schlümpfe»), der den Song für die holländische ESC-Vertretung geschrieben hat.

«Ich hab ja keinen Porno gedreht»

Die ersten Schauspiel-Versuche Lenas aus der RTL-Dokusoap «Helfen sie mir» wurden zum Thema gemacht und alle sahen die 19-Jährige freizügig im Pool planschen - «so 'nackt' wie man sie sehen will». Lenas Statement zur neuen Geschichte folgte prompt – und warf weitere Wellen, auch wenn sie bloss sagte, sie habe ja keinen Porno gedreht. Zu guter Letzt durfte auch noch ihr gleichaltriger Filmpartner seinen Senf in der deutschen Bild-Zeitung dazugeben: «Ich küsste die nackte Lena im Pool».

Google veröffentlichte eine Rangliste, die die Suchanfragen des ESC misst. Und es erstaunt kaum, dass niemand so viele Suchanfragen erhielt, wie die 19-jährige Deutsche. Nach von der Heide muss man sich lange nach unten durchscrollen, bis man ihn findet: An sechster Stelle befindet sich unsere diesjährige Schweizer Hoffnung - von hinten gezählt. Rang 36.

Von der Heide eher wortkarg

Während Lena auf allen Kanälen präsent ist, erreichte man Michael von der Heide eine Woche vor seiner Oslo-Reise nur schwer: Er habe viel zu tun und müsse sich auf seine Show vorbereiten, lässt er uns von seinem Schweizer Management ausrichten. Kurz vor seinem Auftritt spricht der gestresste Chansonnier doch noch mit uns am Telefon: «Ich werde meine Show sicher nicht beschreiben!», gibt er sich wortkarg und verweist auf die Videoclips der ersten Proben, die schon im Internet veröffentlicht wurden. Er scheint mit den Medien nicht so richtig warm zu werden: «Ich lese meine Kritiken natürlich nicht. Das wäre nicht förderlich, der Song ist ja auch schon geschrieben.»

Michael von der Heide kann sich kaum über Unterstützung aus dem eigenen Land freuen: «Wenn man sich hier raus begibt, weiss man, dass man in den Schweizer Medien verrissen wird. Aber das war schon immer so. Bei Céline Dion war man nicht einmal nach ihrem Sieg euphorisch. Der Eurovision Song Contest ist nicht etwas, was die Schweizer so lieben.» Und auch aus der eigenen Reihe erhofft sich der homosexuelle Sänger nicht viel: «Von den 120 Millionen Zuschauern werden wohl kaum 120 Millionen Schwule sein!»

«Alles ab Platz zehn ist okay»

So ist es kein Wunder, dass sich unsere Schweizer Vertretung nicht weit aus dem Fenster lehnt, was seine Chancen betrifft, während Lena da schon selbstbewusst einen Platz in den Top Ten anstrebt. Von der Heides Prognose ist vorsichtiger: «Ich habe gar kein Gefühl, wo unser Song landen wird. Man muss es entspannt sehen. Jedes Land hat im Moment noch einen Sieger dabei!» Falls die Schweiz beim gesamteuropäischen Contest schlecht abschneiden sollte, meint der Wahl-Berliner pragmatisch: «Ja, dann ist es dann halt so. Was will man ändern.»

Alle lieben Lena!

Lena kann dazu auf die Unterstützung von vielen Promis zählen. So schwärmte Bohlen bei der Mallorca-Ausgabe von «Wetten dass..?» über das neue Talent. Sein Ex-Bandkollege Thomas Anders hat ebenfalls Gefallen an ihr gefunden: «Sie ist irgendwie herrlich bekloppt». Sogar der letztjährige ESC-Gewinner Alexander Rybak outet sich als Lena-Fan: «Ich liebe sie, sie wird gewinnen!» Und von der Heide? Der stimmt in den Kanon ein: «Ich habe sie bei der ersten Show bei Raab gesehen und würde sie auch wählen!»

Der ganze Hype um Lena Meyer-Landrut hat aber auch einen Nachteil, wie ihr Grand-Prix-Vorgänger Guildo Horn weiss: «Mir tut die Lena jetzt schon leid. Das Mädel wird ja ganz schön medial abgenudelt. In dem Alter dann noch», sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Was hat Lena, was Michael von der Heide nicht hat? Fehlt der Schweiz eine gewisse Portion von Lenas PR-Talent? Diskutieren Sie!

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • patrick am 26.05.2010 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    sorry..... zero points

    habe mir den song von michael von der heide angeschaut...... sorry mann, aber ich befürchte, er fliegt schon in der vorrunde raus. mich persönlich stört sein androgynes auftreten, es wirkt auf mich abgelutscht. als MvH noch jünger war, wirkte das noch erfrischend und frech, doch je älter er wird, desto peinlicher sieht das aus. jedenfalls wirkt es auf mich so, aber vielleicht finden andere das ja toll.

  • Anti-SF-Gucker am 18.12.2009 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück..

    gibt es noch Vox, Pro7, RTL, wo wenigstens noch was Interessantes läuft..

    einklappen einklappen
  • Roman am 18.12.2009 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Wir sollten diesen Zirkus nicht mehr unterstützen. Wir haben ja eh keine Chance! Macht es wie die Italiener, die machen es richtig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • DJ-Dany am 27.05.2010 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Einsame Schweiz

    Hier sieht man wieder den Nachteil, den man hat als Land das ausserhalb der EU ist. Viele Freunde wird die Schweiz kaum haben, welche Michael "Douze points" geben werden. Mir persönlich gefällt der Song von M.v.d.H. nicht schlecht, aber es gibt auch noch bessere am diesjährigen Concours ... Toi Toi Toi, Michael

  • Branda am 27.05.2010 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Germany 12 Points

    uns fehlt es schlichtweg an ernsthaftigkeit. an einem akteur der es wirklich ernst und serioes meint. und der dann auch noch gute musik fabriziert. ohje von der heide. ohje...

  • Großkantonler am 27.05.2010 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch

    Liebe Schweizer, so ganz kann ich die massive Kritik an dieser Nummer nicht nachvollziehen. Normal schaue ich mir die Lieder nicht im Vorfeld an - aber da einige geschrieben haben, er fliege schon in der Vorrunde raus, habe ich jetzt doch mal nachgeschaut und gehört. Bei all dem Schrott, den ich die letzten Jahrzehnte beim ESC mitbekommen habe, ist euer Lied doch eine angenehme Ausnahme. Sicher, einfach gestrickt - aber unter "schlecht" verstehe ich was anderes. Hop Schwyz - das gibt kein Vorrunden-Aus.

  • C.G. am 26.05.2010 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    also ich bin für...

    ... irgend ein JODLERCHÖÖRLI, oder ALPHORNBLÄSER! dazu einige die SHOW-SCHWINGEN im hintergrund; und eine beknackt lächelnde miss die TOBLERONE verteilt! das ist kein käse, ich meine es ernst!!!! ich habs ja nicht so mit den schweizer bräuchen. denke jedoch, dass man somit aufmerksamkeit erlangtund werbung für die schweiz macht! EUROPAWEIT! das, sollte für uns im vordergrund stehen und nicht das gewinnen dieses stumpfsinnigen wettbewerbs!

  • sela am 26.05.2010 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    NO, NO, POINTS!!!

    OK, ist nicht WOW!!!