Abgesang aufs Krönchen

16. April 2012 14:21; Akt: 17.04.2012 10:40 Print

Der Weg zum Misserfolg

Die Zukunft der Miss-Schweiz-Wahl steht in den Sternen. Ein Mädchentraum droht für die nächste Generation zu platzen. Unsere People-Redaktorin Monika Rufener fragt sich: Ist das so schlimm?

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Stéphanie Berger erklomm als 17-Jährige 1995 den Thron der Schönsten der Schönen. Später wurde die Blondine aus Bern Moderatorin bei Star TV und gründete ihre eigene Band X-Age. Melanie Winiger wurde am 9. Dezember 1996 in Genf zur Miss Schweiz gewählt. Die Tessinerin ist heute als Schauspielerin gut im Geschäft und machte auch dank ihrer Ehe mit Rapper Stress Schlagzeilen. Ein Jahr später ging das opulente Diadem in den Besitz von Tanja Gutmann über. Ab 2001 spielte die Bernerin in mehreren deutschen Fernsehproduktionen mit. Seit Januar 2012 ist die 35-Jährige mit ihrem eigenen Reise-Magazin «Die Holiday Checker» auf Sat.1 Schweiz zu sehen. Mit diesem Lächeln hat sie die Juroren bezirzt: Sonja Grandjean. Um die süsse Zürcherin wurde es aber recht bald wieder still. Nach ihrem Amtsjahr kehrte sie ins normale Berufsleben zurück. Mittlerweile ist sie verheiratet. 1999 war das Jahr der Anita Buri. Von 2003 bis 2007 war die Thurgauerin mit dem ehemaligen Fussballspieler Marc Hodel verheiratet; sie haben einen gemeinsamen Sohn. Mit ihrer Miss-Schweiz-Vorgängerin Sonia Grandjean und der Tänzerin Eljadus Kedves gründete sie 2007 die Salsa-Tanzgruppe «Las Missticas». Mahara McKaye war 19, als sie im Jahr 2000 zur Schönsten gekürt wurde. Die Aargauerin, die in Neuseeland geboren wurde, konnte nach ihrem Antsjahr weiterhin als Model, Moderatorin und DJane arbeiten. Ihre Nachfolgerin war die süsse Jennifer Ann Gerber. Die 19-jährige Aargauerin errang den Titel 2001. Unmittelbar nach ihrem Amtsjahr begann sie im Herbst 2002 als Moderatorin bei Radio 32 und arbeitete weiterhin als Model. 2003 widmete sich Gerber wieder ganz dem Modeln. Seit 2007 moderiert sie die Fernsehsendung Automobil Revue TV. Mit Nadine Vinzens setzte sich im Jahr darauf ein optisch ähnlicher Typ durch. Seit 2004 lebt die Bündnerin in Los Angeles und versucht, als Schauspielerin Fuss zu fassen. Vinzens war drei Jahre lang mit dem Punk-Musiker Neshawn Hubbard verheiratet. Die Halb-Kanadierin Bianca Sissing aus Luzern gewann den begehrten Titel 2003. Bei den Miss Universe- und den Miss World-Wahlen kam sie unter die ersten Fünfzehn. Sissing lebt noch immer in Luzern und ist mittlerweile verheiratet. Mit Fiona Hefti durfte endlich mal wieder eine Blondine strahlen. Die Zürcherin, eigentlich ausgebildete Primarlehrerin, wandte sich nach ihrem Amtsjahr dem Journalismus zu. Seit 2007 ist sie mit Milliardär Christian Wolfensberger verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Am 17. September 2005 wurde Lauriane Gilieron aus Lausanne zur Miss Schweiz gewählt. Über eine halbe Million Franken konnte sie während ihres Amtsjahres einnehmen und war damit eine der erfolgreichsten Missen. Nach ihrem Amtsjahr zog es sie in die Traumfabrik Hollywoods, wo sie sich als Schauspielerin zu etablieren versucht. Christa Rigozzi eroberte die Juroren 2006 mit ihrem Tessiner Charme. Seither ist die Blondine als Model und Moderatorin gut gebucht. An der Seite von Roman Kilchsberger und DJ Bobo führte sie 2011 und 2012 durch die Casting-Show «Die Grössten Schweizer Talente». Seit dem 20. August 2010 ist sie mit ihrem langjährigen Freund Giovanni Marchese verheiratet. 2007 schaffte es Amanda Ammann auf Platz eins. Die St. Gallerin lebte zum Zeitpunkt der Wahl in Lausanne und studierte in Genf Internationale Beziehungen. Sie schloss das Studium im Jahre 2010 mit dem Bachelor ab. Auf Ammann folgte die Gymnasiastin Whitney Toyloy aus Yverdon. Sie war erst 18 und damit die jüngste Teilnehmerin im Feld. Später nahm Toyloy eine Studium der Hotelfachschule Lausanne auf. Die platinblonde Linda Faeh setzte sich 2009 gegen die schöne Konkurrenz durch. Die St. Gallerin versucht gerade, eine Gesangskarriere zu lancieren. Kerstin Cook machte während ihres Amtsjahres vor allem als falsche Oxford-Studentin Schlagzeilen. Mittlerweile hat sie sich als Model etabliert und lief an der Londoner Fashion Week 2012. Unsere vorläufig letzte Miss Schweiz heisst Alina Buchschacher. Die Bernerin ernetet derzeit Negativ-Schlagzeilen, da sie sich seltener als ihre Vorgängerinnen an öffentlichen Anlässen zeigt. Immerhin: Ihre Beziehung zu Freund Fabian hat nach wie vor Bestand.

Diese Damen trugen das Krönchen der Miss Schweiz - von 1995 bis heute.

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Im Jahre 1951 wurde der ersten Miss Schweiz ein Krönchen auf das Haupt gesetzt - damals waren noch nicht einmal meine Eltern auf der Welt. Die Missen in der Schweiz sind also mindestens so alt wie der Unspunnenstein, und wohl genauso unzertrennlich in der hiesigen Kultur verankert. Und nun, 60 Jahre später, soll es also vorerst aus sein für die begehrte Aufstiegsmöglichkeit der Dorfschönheiten dieses Landes. Mangelndes Interesse soll der Grund für die Zwangspause sein. Was ist passiert?

Die Schweiz - ein Land auf Promi-Suche

Zunächst muss man die Frage klären, weshalb sich die Missen in der Schweiz über Jahre einer so grossen Beliebtheit erfreuten - in Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei der Schweiz um ein postmaterialistisches und nicht-lateinamerikanisches Land handelt. Eine Ursache sind sicherlich die fehlenden Cervelats auf dem Grill der Eitelkeiten. Irgendjemand muss ja über die roten Teppiche des Landes schreiten und bei Ladeneröffnungen Autogrammkarten unterschreiben. Und auch die Journalisten - wir in diesem Falle nicht ausgeschlossen - waren hie und da ganz froh ob der Existenz der Krönchen-Trägerinnen. Denn Geschichten wie ein Dreier mit Hirschmann, das Erscheinen auf einer Escort-Seite oder ein Studium an einer dubiosen Fern-Universität sind nun mal unbezahlbar.

Neue Wege auf die Showbühne

Doch plötzlich war der Unterhaltungswert der Missen - freiwillig oder unfreiwillig - unzureichend. Möglicherweise liegt es daran, dass mit dem Aufkommen der Castingshows zu Beginn der Nullerjahre die Wahl zur Miss Schweiz nicht mehr der einzige Ausweg aus einem belanglosen Leben in der Eidgenossenschaft war. Der Sprung aus der Bedeutungslosigkeit konnte man inzwischen auch als Topmodel oder Music-Star schaffen. Dort konnte man im Gegensatz zur Miss-Wahl noch Ecken und Kanten zeigen und das Publikum liebte einen noch dafür.

Überdies war die Marke Miss Schweiz auch langsam etwas verstaubt. Wer wirklich was auf sich hielt, gab seine Schönheit nun für spezifischere Themen her. So sprossen Titel wie Miss Schwanger, Miss Tuning oder Miss Autoemotion wie Pilze aus dem Boden. Zudem wollte eine Miss nicht nur einfach schön sein - nein, auch nachhaltig. So meldeten sich junge - und wohlgemerkt unverheiratete - Frauen gerne auch zur Miss Earth Wahl an. Brotlos, aber gut fürs Karma.

Eine Krone macht aus einer Frau noch lange keine Prinzessin

Ich bin froh, von Mutti nie an eine solche Wahl angemeldet worden zu sein. Denn neben mangelnden optischen Qualifikationen und Körpergrösse (zwei Zentimeter zu klein!) wäre ich ehrlich gesagt auch mental nicht als Miss geeignet gewesen. Denn es ist weiss Gott nicht einfach, nach dem Amtsjahr in einem schäbigen Apartment in Los Angeles an einer Schauspielkarriere zu feilen und zwischendurch für ein Softsexheftchen zu posieren.

Der Traum vieler Mädchen, mit Krönchen und Schärpe im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, hat sich in den letzten Jahren ausgeträumt. Die Wahl ist immer mehr zum Defilee der Peinlichkeiten verkommen und die Zukunftsaussichten der Missen sahen nach Christa Rigozzi auch nicht mehr allzu rosig aus.

Was nun?

Auch wenn die Schweiz weder ein skandalöses Königshaus besitzt noch ausschweifende WAGS am Rande der Fussballfelder vorzuweisen hat, gibt es über die wenigen Schweizer Promis in diesem Land genug zu berichten - auch ohne Miss Schweiz. Falls nicht, werde ich mich als Unterhaltungs-Journalistin wohl oder übel bei den Miss Tuning Wahlen anmelden müssen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joel am 16.04.2012 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Sportlich

    Die Miss Wahlen sind mir egal, aber hauptsache gibt es die Mister Wahlen noch. Ist doch immer sehr hübsch anzusehen, die sportlichen Typen :))

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  • Vera Cruz am 16.04.2012 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiss nicht...

    Schweizer Promis????? Kenne niemanden!!!!! Alles Durchschnitt oder zum abwinken.

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  • Schadenfreude am 16.04.2012 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Promis mehr

    War ja auch zeit, dass die Produktionsmaschine von abartig nervenden und unwichtigen C-Promis endlich der Vergangenheit angehört. Wobei, jetzt gibts dann gar keine Schweizer Promis mehr .... Tja, auch hier bei den Schlusslichtern;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark S am 18.04.2012 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tanja Gutmann 

    Wenn eine Miss, dann Tanja Gutmann!!! Ihre Augen, ihre Ausstrahlung, einfach eine Traumfrau!!

  • innere Schönheit am 17.04.2012 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    muss nicht sein

    Lasst doch einfach den Stuss mit den Misses und Mister wir sind alle irgendwie schön sei es von innen oder aussen.Bitte lassen sie diese Schau fallen.

  • O. Encol am 17.04.2012 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Braucht niemand..

    Ende gut, alles gut. Bilder die irgendwie niemanden vom Hocker reisst.

  • U.M am 17.04.2012 01:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Eier

    Was für ein trauriges, graues Land!! Haben wir wirklich die Leichtigkeit verloren jungen Frauen zu sagen, dass sie hübsch sind? Klar die Show könnte viel mehr hergeben, sie wurde aber auch konsequent schlecht geredet und am Schluss unter dem Mäntelchen der frustrierten Emanzipation abgeschossen. Seht ihr wirklich den Beni lieber? Kopfschütteln

    • meccano am 18.04.2012 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      verbietet ihnen doch niemand....

      es hindert sie ja niemand daran, jungen frauen zu sagen, dass sie hübsch sind, aber daran muss doch nicht die ganze schweiz teilnehmen, vor allem, wenn daraus eine show gebastelt wird, die immer weniger leute interessiert. und bei beni brechen nicht sämtliche kandidatinnen in tränen aus, weil nur eine gewählt wird und alle andern leer ausgehen.

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  • Martha Keller am 16.04.2012 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Verstaubtes Konzept

    Die Wahlen sind so etwas von veraltet. Konzeptlosigkeit, alter Hut und verstaubt. Zudem sind die Missen keine Topmodels, was wegen dem veralteten Konzept immer misverstanden wird.